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Vom Bodensee an den Neckar

Eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek präsentiert Bücherschätze aus der Klosterbibliothek Salem
Das 19. Jahrhundert war für die zuvor arg gebeutelte Schatzkammer der Universitätsbibliothek Heidelberg so etwas wie eine Konsolidierungsphase. Nicht nur ein Teil der Bibliotheca Palatina konnte wieder zurückgeholt werden, sondern es gab auch Neuzugänge zu verzeichnen. Den größten Coup landete man wohl 1826/27 mit dem Ankauf der Bibliothek des Klosters Salem.
Bücherschätze aus der Klosterbibliothek Salem

Kostbarkeiten aus der Klosterbibliothek: Salemer Abtsbrevier aus dem 15. Jahrhundert. Die aufgeschlagene Seite zeigt das Wappen von Abt Johannes Scharpffer sowie den Beginn des Psalters. Abb.: Katalog


Damals war man sich allerdings über die Bedeutung der Sammlung noch nicht ganz einig. Sogar der Heidelberger Bibliotheksdirektor sah im monastischen Kernbestand der Salemer Bibliothek erst einmal "Ballast und Trödelwaare", deren Nutzen für den zeitgenössischen Universitätsbetrieb doch in Frage zu stellen war. Heute ist man schlauer und betrachtet die etwa 450 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften sowie die über 30.000 Drucke der Sammlung als einen der größten Schätze, den die Heidelberger Universitätsbibliothek besitzt.

Bei seiner Auflösung infolge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfügte das 1134 gegründete Zisterzienserkloster Salem am Bodensee über eine der größten Klosterbibliotheken Deutschlands, in ihren ältesten Teilen reichte der Bestand bis in das Gründungsjahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert wurde die Sammlung enzyklopädisch ausgebaut, unter anderem auch durch den Erwerb aufklärerischer Schriften. Lediglich ein Brand im Kloster 1697 hatte den kontinuierlichen Aufbau der Bibliothek zeitweise unterbrochen.

Eine Ausstellung in der Heidelberger Universitätsbibliothek präsentiert nun die wichtigsten Stücke aus der Salemer Sammlung, die meisten davon werden zum ersten Mal überhaupt gezeigt. Bei der Auswahl ließ man sich zum einen durch die Schönheit der Buchillustrationen leiten, zum anderen war die wissenschaftliche Bedeutung einzelner Texte Auswahlkriterium. Das älteste Ausstellungsstück, die Zierseite einer liturgischen Handschrift, entstand bereits um das Jahr 800 im italienischen Verona und wurde im 12. Jahrhundert in einen Salemer Codex eingebunden. Aus dem Ende des 12. Jahrhunderts stammt eine Abschrift des Scivias ("Wisse die Wege!"), dem Werk, in dem die große deutsche Mystikerin Hildegard von Bingen ihre göttlichen Visionen zusammengefasst hat. Ein noch nie gezeigtes Salemer Prachtgraduale steht am Ende der Jahrhunderte langen, klostereigenen Produktion aufwendiger liturgischer Handschriften. Der immerhin 28 Kilogramm schwere Codex wurde 1601 nach mehr als 50-jähriger Bearbeitung vollendet.

Die Ausstellung, die noch bis zum 30. Dezember 2004 zu sehen ist, wird begleitet durch einen von Armin Schlechter, dem Leiter der Handschriftenabteilung, bearbeiteten Katalog, der im Winter Verlag erschienen ist und für 15 Euro in der Ausstellung erworben werden kann. Außerdem gibt es eine Vortragsreihe zur Ausstellung (www.ub.uni-heidelberg.de/news/vortragsreihe.html), die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die geistige Welt der Zisterzienser beleuchtet; als nächstes wird am 8. Juli Prof. Dr. Bernd Schneidmüller vom Historischen Seminar über "Zisterziensische Anfänge. Ein Reformorden im mittelalterlichen Europa" referieren. Die Vorträge im Vortragsraum der Universitätsbibliothek (UG) finden jeweils um 18.15 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10.00 bis 18.00 Uhr, am Sonn- und Feiertag geschlossen – Eintritt frei.
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Updated: 06.07.2004