Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel

Kafka, szenisch gelesen

Koproduktion von Studenten und Dozenten
"Für F." steht über Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil". Was es damit auf sich hat und was dem Autor beim Niederschreiben und Nachdenken über diese Geschichte durch den Kopf gegangen sein mag, haben Studenten und Dozenten des Fachbereichs Sprechwissenschaft und Sprecherziehung jetzt in einer szenischen Lesung gezeigt. In Kafkas Tagebucheinträgen, Briefen und Erzählungen hatten sie nach Textpassagen gesucht, die Hinweise für das Verständnis der Geschichte bieten. Und um diese Ausschnitte ergänzten sie den Originaltext, der von Dagmar Obermüller und Friedemann Püschel vorgetragen wurde.
Kafka, szenisch gelesen

Sich Kafka von verschiedenen Seiten nähern. Foto : Allmeling


Die beiden Dozenten bildeten das Zentrum auf der Bühne des Romanischen Kellers, während sich die anderen Leser, ganz in Schwarz gekleidet und mit weiß geschminktem Gesichtern, immer wieder anders um sie herum gruppierten – ein gelungenes Konzept, das dem Publikum ermöglichte, sich Kafkas Erzählung von verschiedenen Seiten zu nähern. Eindrucksvolle Saxophonklänge, komponiert und gespielt von David Mason, entzerrten die Lesung und erhöhten ihre Wirkung. Denn die rätselhafte Stimmung, die Kafkas Erzählung erzeugt, spiegelte sich auch in der Musik wieder. Wer ist dieser Freund in Russland, dem Georg seine Verlobung mit Frieda Brandenfeld aus Rücksichtnahme verschweigen will? Warum schreibt er ihm dennoch, schickt den Brief aber nicht ab, sondern spricht mit seinem Vater darüber? Wie kommt es zu dessen "Urteil", und wer ist schuld daran?

Textausschnitte zu entdecken, bekannte Passagen wiederzufinden, sich über Parallelen zu wundern – das ermöglichten die Studenten und Dozenten unter der Leitung von Klaus Knobloch mit ihrer überzeugenden und kurzweiligen Lesung. Kraftvoll, doch ohne übertriebene Bedeutungsschwere trugen sie ihre Passagen vor. Manchen mag die Lesung dazu bewogen haben, Kafkas Geschichte noch einmal zur Hand zu nehmen und "Das Urteil" zu überdenken. Oder in Kafkas Briefen an seine spätere Verlobte Felice Bauer zu lesen, in denen er, kurz nach der Fertigstellung, über seine Erzählung schreibt: "Sie ist ein wenig wild und sinnlos, und hätte sie nicht innere Wahrheit (was sich niemals allgemein feststellen läßt, sondern immer wieder von jedem Leser oder Hörer von neuem zugegeben oder geleugnet werden muß) sie wäre nichts... ich weiß gar nicht, wie ich dazu komme, Dir eine solche zumindest sehr zweifelhafte Geburt zu verehren."
Anne Allmeling ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 06.07.2004