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Ausgrabungen an der A6

Der Atzelbuckel war ein begehrtes Siedlungsgebiet der mittleren Steinzeit
An einer der wichtigsten Siedlungsstellen der Frühgeschichte im Rhein-Neckar-Raum, am Atzelbuckel bei Ilvesheim, führten Studenten der Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg unter Leitung von Professor Maran eine Lehrgrabung durch.
Ausgrabungen an der A6

Alle Geheimnisse werden sich dem Atzelbuckel wohl nicht entlocken lassen, denn demnächst werden hier Autos verkehren: Der Ausbau der A6 steht an. Foto : privat


"Bei den Menschen der mittleren Steinzeit war der Atzelbuckel bei Ilvesheim als Siedlungsgebiet sehr begehrt, da er die größte Sanddüne und somit ein trockener Ort in dem sonst sehr sumpfigen Gebiet des Altneckars war", erklärt Professor Maran. Die Stelle bot aber noch andere Vorteile, denn die Gegend war sehr fruchtbar. Bekannt ist der Atzelbuckel für seine Funde aus der Zeit der Schnurkeramiker, die um 2000 v. Chr. hier ansässig waren. Deren Zeugnisse kamen bei einer Grabung vor zwei Jahren am südwestlichen Teil des Hügels vor allem zu Tage, darunter ein 45 cm hoher Riesenbecher, der zum Kochen benutzt wurde.

Die Funde damals wurden relativ nah der Oberfläche gemacht. Bei der diesjährigen Kampagne verhielt es sich anders. Mit Hilfe von Professor Eitel vom Geografischen Institut wurde der Boden mit der Methode der Sedimenttomographie, bei der der Widerstand der Sedimente gemessen wird, untersucht. Dadurch kann genau die Schichtenfolge des Bodens dargestellt werden. Die oberste Schicht im Gebiet der Grabung besteht aus Flugsand und blieb für die Ausgräber ohne Funde, weshalb sie sich nur sehr ungenau in die Römerzeit oder das Mittelalter datieren lässt. "In der Ablagerung unter dem Flugsand handelt es sich um ein Colluvium. Das ist eine Schicht, die entstand, als die Spitze der Düne um 2500 v. Chr. zu den Seiten abrutschte. Deshalb wird sie am Fuße des Hügels auch immer dicker", erläutert Professor Maran. In dieser Schicht wurden ein Becher der Schnurkeramiker und zwei kleine Zähne freigelegt. "Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine Bestattung handelt, vielleicht sogar ein Kindergrab. Da der Boden an dieser Seite des Hügels sehr kalkarm ist, haben sich aber die Knochen vollkommen zersetzt", so Maran.

Eine natürlich entstandene Mulde am Nordwesthang des Atzelbuckels wurde wahrscheinlich als Abfallgrube genutzt. Dort fanden die Studierenden und freiwilligen Helfer, die vor Ort von Barbara Limmer und Ulrich Thaler betreut wurden, Scherben, die wesentlich älter sind als die Zeugnisse der Schnurkeramiker. Sie stammen aus der mittleren Steinzeit um 4600-4500 v. Chr. und sind mit der Rössener Kultur in Verbindung zu bringen, die ihren Namen nach einem Fundort in Mitteldeutschland erhalten hat.

Die jüngsten Funde der diesjährigen Grabung sind Bestattungen mit Keramikbeigaben aus der Urnenfelderzeit um 1200-800 v. Chr., die in das Colluvium eingelassen sind. "Eine zugehörige Siedlung konnte aber nicht festgestellt werden, was vielleicht damit zu erklären ist, dass diese bei der Abtragung der Düne in den 1930er Jahren schlichtweg übersehen wurde. Denn damals interessierte man sich vor allem für römische Funde", führt Maran aus.

Mit dem Ausgraben allein ist die Arbeit jedoch noch lange nicht getan, denn die Funde müssen genau dokumentiert und ausgewertet werden, um genauere Informationen über das Leben der Menschen der Frühzeit zu erhalten. Das geschieht bei der Grabung am Atzelbuckel in Zusammenarbeit mit der archäologischen Denkmalpflege des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim, wo die Funde dann auch restauriert werden.

Wie es am Atzelbuckel in Zukunft weiter gehen wird, ist unklar, denn durch den Ausbau der A6 ist das gesamte Gelände bedroht. Maran kritisiert, dass in Baden-Württemberg nicht wie in anderen Ländern das Verursacherprinzip zur Anwendung kommt, denn dann müsste das Land bei großen Baumaßnahmen gleichzeitig eine archäologische Untersuchung durchführen lassen. So kann es sein, dass die weiteren Geheimnisse, die der Atzelbuckel noch in sich birgt, schließlich zerstört werden.
Katinka Krug ende

 

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Updated: 06.07.2004