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Wiederholungstäter

Gutmacher spielen Arthur Millers "Hexenjagd"
Einen Klassiker wie Arthur Millers „Hexenjagd“ mit Amateurschauspielern auf die Bühne zu bringen, erfordert viel Mut. Ein bisschen weniger davon hätte dem Theater Gutmacher möglicherweise gut getan – denn den Anforderungen eines langen und bekannten Stückes gerecht zu werden, gelingt selbst Profis nicht immer. Da kommt man schnell an eigene Grenzen. Die Theatergruppe, die sich hauptsächlich aus Studenten zusammensetzt, präsentierte ihre jüngste Produktion im Romanischen Keller.

Spachlich meist überzeugend, setzten die Schauspieler Gestik und Mimik nur sehr sparsam ein. Dramatik und Spannung erzeugten sie vor allem durch Lautstärke: Die Wiederholung von einzelnen Phrasen – ein Stilmerkmal der „Hexenjagd“ – brachten die einzelnen Charaktere immer wieder mit dem Gegensatz von Flüstern und Schreien zur Geltung, wobei Zwischentöne kaum zum Ausdruck kamen. Einzelne Darsteller allerdings trotzten diesem Trend: Katrin Müller beispielsweise, die ihre Rolle als Mercy Lewis auch dann spielte, wenn sie keinen Text zu sprechen hatte. Oder Luise Sessler, die als kranke Betty Parris den Zuschauer-saal in Schrecken versetzte.

Der zwiespältige Charakter der Abigail Williams (Johanna Fülle) jedoch und das subtile Spiel der jungen Frau kamen nicht ausreichend zum Ausdruck. Und damit fehlte dem Theaterstück ein Stück des roten Fadens. Denn Abigail, die einige Bewohner der kleinen Gemeinde Salem als Hexen denunziert, um von sich selbst und ihren Intrigen abzulenken, steht im Zentrum von Arthur Millers „Hexenjagd“. Anhand ihrer Geschichte aus dem Jahr 1692 zeigt Miller, wie die ehemals verfolgten Puritaner selber zu Verfolgern werden: indem Dissens mit Repression beantwortet wird – bis zur psychischen und physischen Vernichtung der „Anderen“.

Im Gegensatz zur Dramaturgie wies die Gestaltung der Bühne eine – wenngleich nicht gänzlich überzeugende – Kontinuität auf: Große Holzklötze in Pastellfarben waren die einzigen Requisiten und bildeten zunächst das Bett der kranken Betty; in den folgenden Szenen dienten sie als Bank oder Tisch. Passend dazu das Outfit der Männer, die – je nach Gruppenzugehörigkeit – in gelben, hellblauen oder rosa Jeansjacken auftraten. Auch die Kleider der Mädchen unterschieden sich lediglich im Farbton. Die modernen Kostüme ließen erahnen, dass das Drama auch heute noch so aktuell ist wie zu seiner Entstehungszeit in der McCarthy-Ära. Doch die Inszenierung von Matthias Paul ließ viele Fragen offen – zu viele für knapp drei Stunden Theater. Auch hier wäre weniger möglicherweise mehr gewesen.

Das Theater Gutmacher wurde 1996 gegründet und hat sich zur Aufgabe gemacht, möglichst kurz, prägnant und mobil zu inszenieren, um auch außerhalb des Rhein-Neckar-Dreiecks aktiv sein zu können. An „Hexenjagd“, der jüngsten Produktion der Gruppe, waren 15 Darsteller im Alter von 19 bis Mitte 50 beteiligt. Die meisten von ihnen sind Studenten. Für September plant die Gruppe eine Wiederaufnahme von „Hexenjagd“, im Dezember soll ein Theaterstück für Kinder folgen.

Anne Allmeling ende

 

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Updated: 22.04.2004