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Gute Zusammenarbeit

Gastprofessor am Institut für Ethnologie
Prof. Dr. Dan Jorgensen, Professor für Ethnologie an der University of Western Ontario in London (Kanada), lehrt in diesem Wintersemester als Gastprofessor am Institut für Ethnologie der Ruperto Carola. In einem Gespräch erläuterte er sein aktuelles Forschungsprojekt.

Als der kanadische Ethnologe Dan Jorgensen 1974 zum ersten Mal nach Papua-Neuguinea (PNG) ging, um in der Sandaun Region bei den „Telefolmin“ Feldforschung zu betreiben, stieß er auf eine Kultur, geprägt von traditioneller Sozial- und Wirtschaftsstruktur und traditioneller Mythologie. Seine Interessen fokussierte er auf Religion, Initiation und auf die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Zwei einschneidende Ereignisse im inzwischen unabhängigen Papua-Neuguinea führten den Ethnologen zu seinen heutigen Forschungsschwerpunkten: Zum einen ein lokales Missionierungsprogramm (Rebaibal), das den Telefolmin eine neue Identität verschaffte, die auf christlichen Werten beruhte. Zum anderen die Einrichtung einer großen Gold- und Kupfermine am Ok Tedi Fluss.

In vielen Feldforschungen, die Jorgensen in der Folgezeit unternahm, untersuchte er, wie die Telefolmin auf diese beiden Eingriffe in ihre Kultur reagierten. Jorgensen: „ In Papua-Neuguinea hat die einheimische Bevölkerung den Abbau der Bodenschätze mit einem nicht vorhersehbaren Maß an Begeisterung begrüßt. Dies bedeutet nicht, dass das Projekt nicht kontrovers diskutiert wurde. Aber die Annahme, dass die Menschen in Papua-Neuguinea ihr Leben in traditioneller Weise – isoliert vom Rest der Welt – verbringen wollen, ist völlig falsch. Die Frage lautet eher: Unter welchen Bedingungen und mit welchen Kosten können lokale Gemeinschaften Bodenschätze abbauen?“

Fremde religiöse Vorstellungen, Lohnarbeit, Geldwirtschaft und neue Wirtschaftsformen strömten auf die einheimische Bevölkerung ein und veränderten das dörfliche Zusammenleben. Jorgensen: „Die Lohnarbeit hat bei den Telefolmin wichtige Veränderungen bewirkt: Ein Effekt ist ein enormer Anstieg des Brautpreises; weit entlegene Gemeinschaften ohne Zugang zu Geld finden nur mit Mühe Frauen für ihre jungen Männer. Die lokale Missionsbewegung führte zu einer plötzlichen Aufgabe des Männerkults und dessen Initiationsrituale. Loyalität brachten die Männer fortan ihren Frauen und Kindern statt anderen Verwandten oder Initiationsgenossen entgegen.“

Jorgensen konnte diesen Kulturwandel bei mehreren Forschungsaufenthalten dokumentieren. Er spezialisierte sich auf die kommerzielle Nutzung von Bodenschätzen (Bergbau und Holzgewinnung) und deren Einfluss auf die lokale Bevölkerung. In diesem Rahmen plant er nun ein größeres Forschungsprojekt über einen längeren Zeitrahmen hinweg, an dem sich Ethnologen, Geographen und Politikwissenschaftler beteiligen. Insbesondere in der Kooperation mit dem Institut für Ethnologie Heidelberg sieht er eine Chance, junge Wissenschaftler für dieses Forschungsvorhaben auszubilden und bei ihrer Forschung vor Ort zu unterstützen. In dem Projekt des Heidelberger Ethnologen Prof. Dr. Wassmann „Person, space and memory in the contemporary Pacific: the experience of new worlds“ sieht er gute Anknüpfungsmöglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit.

Anne Schmid-Stampfer ende

 

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Updated: 11.02.2004