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Verlierer der Globalisierung?

Der Germanist Maurice Godé über Deutsch als Wissenschaftssprache
Professor Maurice Godé ist ein Germanist von internationalem Rang und lehrt an der Universität Paul Valéry – Montpellier III. Seit 1999 ist er außerdem Präsident der Section d’Etudes germaniques et scandinaves du Conseil National des Universités. In dieser Funktion berät er auch das Wissenschaftsministerium seines Landes.

Anlässlich der Universitätstage Heidelberg – Montpellier nutzte Godé die Gelegenheit, um sich bei der Auftaktveranstaltung am 11. Dezember in der Neuen Universität grundsätzlich mit der Frage auseinander zu setzen, welchen Stellenwert die deutsche Sprache heute noch an französischen Universitäten besitzt – und wie es sich umgekehrt verhält.

Vorab ging Godé auf das grundsätzliche Problem ein, mit welchem sich die deutsche Sprache in den letzten Jahrzehnten weltweit konfrontiert sieht: Ein gravierender Imageverlust! Vor dem Ersten Weltkrieg war nicht nur Amerika in hohem Maße germanophil. Auch in Japan, in England und im russischen Zarenreich genoss Deutsch als Kultur- und Wissenschaftssprache hohes Ansehen. Mit dem Ende des Kaiserreiches geriet diese Ausnahmestellung jedoch ins Wanken. Und mit der Machtergreifung kam auch für die deutsche Sprache die große Katastrophe: „Die Nazi-Diktatur und der von Hitler-Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg brachten die Stellung des Deutschen zusätzlich in arge Not. Zwölf Jahr lang hatte es ja Europa vorwiegend mit Deutschlands Richtern und Henkern zu tun; hinzukam, dass viele Dichter, Denker und Wissenschaftler ausgewandert waren, die – zumindest für einen guten Teil der letzteren gilt dies – die Sprache und Nationalität des Gastlandes, an allererster Stelle der USA, angenommen haben.“

In der Nachkriegszeit wurde Deutsch in internationalen Gremien nicht als Amtssprache anerkannt. In den Vereinten Nationen genießt Deutsch lediglich den Halbstatus eine Dokumentensprache und ist trotz der Bevölkerungsstärke und Wirtschaftkraft Deutschlands keine offizielle Arbeitssprache. Auch in der Europäischen Union sind heute lediglich Englisch und Französisch Arbeitssprachen – gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Osterweiterung eine Situation, welche sich keineswegs an den Gegebenheiten orientiert.

Situation verschlechtert

Mustergültig entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten die deutsch-französische Freundschaft. Verheilt sind die Wunden, welche jahrhundertlange kriegerische Auseinandersetzungen beiden Nachbarstaaten schlugen. Nicht zuletzt durch den von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten Freundschaftsvertrag wuchs das Interesse an der Kultur und der Sprache des jeweils anderen Landes. Doch diese Entwicklung hat sich dramatisch verändert. „Die Situation des Deutschen hat sich in den letzten zehn Jahren so verschlechtert, dass ein Kollege von mir, Michel Espagne, jüngst in Le Monde geschrieben hat, wenn es so weitergehe, würde Deutschland den Franzosen genau so gut oder schlecht bekannt sein wie die Innere Mongolei!“, so Godé. Umgekehrt verhalte es sich nicht wesentlich anders, was die Situation des Französischen in Deutschland angehe. Gerade einmal 11 Prozent aller französischen Schüler lernen heute noch deutsch, vor 30 Jahren belegten 20 Prozent Deutsch als erste und 50 Prozent als zweite Fremdsprache. „Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass das Fach Germanistik immer weniger Studierende anzieht“, graust es Godé. Auch die Sprachkenntnisse der Erstsemester würden signifikant schlechter.

Dringend gemahnte Godé gerade im Hinblick auf die große Reform der Europäischen Universitäten, den gründlichen Fremdspracherwerb nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Wenn alle Studiengänge in der EU ab 2009 nach einem vergleichbaren Muster aufgebaut würden, so drohe die Gefahr einer pragmatischen Sprachverarmung und damit einer noch stärkeren Dominanz des Englischen. Für die Naturwissenschaften sei dies per se kein über Gebühr problematischer Prozess. „Es sieht aber ganz anders aus bei den Geisteswissenschaften, bei denen man die jeweilige Sprache nicht für ein neutrales gleich-gültiges Medium halten darf“, betonte Godé. „Die Kenntnis der jeweiligen Landessprache ist eine Grundvoraussetzung für ein sinnvolles Studium in den Geisteswissenschaften.“ Godés plädierte für eine lebendige Sprachenvielfalt – in Zukunft solle vor allem von politischer Seite wieder wesentlich mehr dafür getan werden, dass Deutsch und Französisch bereits von Schülern erlernt werden.

Johannes Schnurr ende

 

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Updated: 11.02.2004