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Heidelberger Studierende fit für "Stadt, Land, Fluss"?

Die vergleichsweise Ergebnisse sind aber nur auf ersten Blick beruhigend – Großer Unispiegel-Geographietest
Wie ist es um die Geografie-Kenntnissen Heidelberger Studienanfänger bestellt? Dr. Jürgen Clemens, Geograph am Südasien-Institut (SAI) hat die Probe aufs Exempel gemacht.
Prüfen auch Sie Ihre Geographie-Kenntnisse im asiatischen Raum

Prüfen auch Sie Ihre Geographie-Kenntnisse im asiatischen Raum: Ordnen Sie die Ländernummern auf der Karte den richtigen Ländernamen im rechten Kasten zu. Grafik : Vargasevic

Mit Verweis auf einen weltweiten „Geografie-Test“ der US-amerikanischen „National Geographic Society“ wies der „Spiegel“ im November 2002 darauf hin, dass Amerikaner trotz fast täglicher Medienberichterstattung den Irak nicht auf der Weltkarte fänden. Demnach konnte nur einer unter acht jungen US-Bürgern zwischen 18 und 24 Jahren den Irak korrekt auf einer Weltkarte lokalisieren.

Interessanterweise schnitten – allen PISA-Unkenrufen zum Trotz – die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses weltweiten Tests zu Regionalkenntnissen am besten ab. In einem Kurzbeitrag des „National Geographic“-Magazins vom Dezember 2002 mit elf zu bestimmenden Staaten Asiens (vgl. Abb.) konnte die deutsche Gruppe im Durchschnitt 6,7 Länder richtig bestimmen, gefolgt von Schweden mit 6,3 und Italien (6,0) sowie Japan (5,7). Am unteren Ende der Skala lagen abgeschlagen die USA und Mexiko mit 3,1 beziehungsweise 2,3 richtigen Ländernennungen.

Was liegt näher, als Studierende der Geographie in der Kartographie-Übung am Geographischen Institut mit diesem Test zu konfrontieren. Auch wenn „Stadt-Land-Fluss“-Aufgaben, d.h. Regionalkenntnisse als auswendig gelerntes enzyklopädisches Wissen, nicht Teil des Studienplans sind, so darf – analog etwa zu Vokabular und Grammatik in den Sprachwissenschaften – ein solides topographisches Grundwissen in der Geographie als durchaus hilfreich gelten. Aus der fachwissenschaftlichen Perspektive war dieser Test umso interessanter, da der Autor dieser Zeilen unmittelbar zuvor Zeitungskarten zum Afghanistankrieg inhaltlich ausgewertet hatte. So bot sich nun zumindest ein grober Test an, inwieweit zumindest die wiederholten regionalen Schlaglichter der internationalen Politik und Medienberichte tatsächlich von jungen Studierenden zugeordnet werden können.

Als wichtigstes Ergebnis kann vorweg genommen werden, dass die Heidelberger Studierenden, meist im ersten Fachsemester Geographie, deutlich besser abschneiden, als die deutsche Vergleichsgruppe im weltweiten Test. Mit mindestens acht richtigen Ländernennungen wurden rund drei Viertel der elf asiatischen Länder richtig erkannt und auf einer Karte zugeordnet. Nahezu ein Drittel hat dabei alle elf Länder korrekt zugeordnet und jeweils 15 Prozent mindestens neun oder zehn.

Von besonderem Interesse sind jedoch die abweichenden Angaben zu einzelnen Ländern, das heißt die Verwechslungen oder auch fehlenden Angaben. Hierbei ist in Einzelfällen nicht auszuschließen, dass die Studierenden bei diesem unbenoteten Test auch die ein oder andere Jux-Antwort eingefügt haben, sofern nicht wirklich gravierende Unkenntnisse der Regionalgeographie Asiens zugrunde liegen sollten. Überraschenderweise erhielt Indonesien mit 46 falschen oder fehlenden Angaben die höchste Fehlerquote, obwohl es durchaus bekannte touristische Ziele beheimatet und als Inselstaat kaum mit Nachbarstaaten verwechselt werden sollte. Dass jedoch neben den Philippinen auch Thailand auf dem asiatischen Festland wiederholt als alternative Angabe erscheint, lässt den Fachmann wundern.

Auch die zumindest seit dem 11. September 2001 schon fast zur Regelmäßigkeit gewordene Berichterstattung (in der Regel mit Karten) über den Nahen und Mittleren Osten sowie die Nachbarregionen in Zentral- und Südasien schlägt sich nicht in wirklich guten Regionalkenntnissen nieder. So wurden der Iran und Irak sowie Afghanistan in rund 30 Prozent der Antworten falsch oder gar nicht erkannt. Die Verwechslungen reichen dabei von den jeweiligen Nachbarstaaten auch zu weiter entfernten, wie etwa Israel für Afghanistan oder Turkmenistan und die Türkei für Israel.

Ursachenforschung wäre der nächste, bislang noch nicht durchgeführte Schritt. Hierbei wären beispielsweise die wichtigsten Quellen für die Aneignung von Regionalkenntnissen sowie die Konsumgewohnheiten der Studierenden im Hinblick auf bestimmte Medien wie TV-Nachrichten und –Reportagen oder Tages- und Wochenzeitungen von besonderem Interesse. Jedenfalls sind diese ersten Ergebnisse nicht wirklich beruhigend, auch wenn sie im Vergleich eher gut ausfallen.

Weitere Testfragen findet man unter www.nationalgeographic.com/geosurvey

Jürgen Clemens ende

 

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Updated: 11.02.2004