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Stifter und Sponsoren
Weltmarke made in Eppelheim

Dr. Hans-Peter Wild, Ehrensenator der Universität Heidelberg, führte Capri-Sonne zum globalen Erfolg
Die "Unispiegel"-Serie "Stifter & Sponsoren" widmet sich jenen Privatleuten, die die Ruperto Carola nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützen. Nach Viktor Dulger, Manfred Lautenschläger, Curt Engelhorn, Friedrich Reutner, dem Ehepaar Heinz und Chica Schaller, Carl Heinrich Esser sowie Klaus Tschira lesen Sie heute ein Porträt über Dr. Hans Wild.
Dr. Hans-Peter Wild

Dr. Hans-Peter Wild machte Capri-Sonne groß. Der Studierte Jurist und Betriebswirtschafter ist Inhaber der WILD-Werke in Eppelheim und Ehrensenator der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Foto : Wild-Gruppe

"Ich bin der Größte. Die ganze Welt weiß das. Aber wenn ich mit dem Boxen aufhöre, ist Capri-Sonne das Größte." Mit diesen Worten schwärmte Ende der siebziger Jahre, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, Boxweltmeister Muhammad Ali von dem weltbekannten Fruchtsaftgetränk im Beutel. Der Mann, der die Marke Capri-Sonne so groß machte, ist Dr. Hans-Peter Wild, Inhaber der WILD-Werke in Eppelheim und Ehrensenator der Universität Heidelberg.

Die Geschichte mit dem Box-Champion klingt unglaublich: Zwei Mal kam er nach Heidelberg, besichtigte die WILD-Werke, ließ sich jahrelang Monat für Monat einen großen Karton voll Capri-Sonne zuschicken – und vor allem: er warb weltweit für das Produkt. Dass es dem Familienunternehmen aus Eppelheim 1979 gelungen war, den Weltstar Muhammad Ali zu verpflichten, erregte enormes Aufsehen. Wild habe, so schrieb zum Beispiel das Handelsblatt, "der gesamten internationalen Werbeelite den wohl zur Zeit zugkräftigsten Werbeträger vor der Nase wegeschnappt". Die TV-Spots mit Muhammad Ali hatten den einmaligen Vorteil, dass sie überall in der Welt für alle Bevölkerungsschichten einsetzbar waren. Der Absatz stieg sprunghaft an, in Deutschland zum Beispiel monatlich in zweistelligen Raten. Heute ist das Markengetränk Capri-Sonne nach Coca-Cola, Pepsi und Schweppes weltweit am meisten verbreitet und eine der fünf global am besten bekannten alkoholfreien Getränkemarken.

Box-Champion Muhammad Ali beim Besuch in Eppelheim

Box-Champion Muhammad Ali war nicht nur in der Capri-Sonne-Werbung zu sehen, sonder besuchte auch das Werk in Eppelheim. Foto : Wild-Gruppe

Der Coup mit Muhammad Ali verdeutlicht eine der Eigenschaften, die den Unternehmer Hans-Peter Wild auszeichnen: sein Vertrauen in die Machbarkeit verbunden mit der Haltung, dass bei einer guten Idee Hindernisse keine Rolle spielen dürfen. Er selbst spricht von "can-do-attitude". Ist ein Einfall überzeugend und plausibel durchdacht, "kann die Überzeugung, gepaart mit Begeisterung, Berge versetzen". Oder eben auch einen Weltstar nach Heidelberg holen: Als Wild nach einem Werbeträger für Capri-Sonne suchte, erschien ihm der Boxweltmeister die erste Wahl. Kurzerhand rief er bei dem Sportkorrespondenten an, den er aus den Fernsehreportagen über den Boxchampion kannte. "Dem Journalisten war Capri-Sonne sehr wohl ein Begriff, und so erklärte er sich ohne Zögern bereit, den Kontakt zu Muhammad Ali herzustellen. Der Sportler probierte unser Getränk – und wir waren nicht wenig überrascht, dass der große Muhammad Ali ohne Umschweife positiv reagierte."

Neben seinen Aufgaben als Unternehmensleiter engagiert sich Dr. Hans-Peter Wild auch im Hochschulbereich – so beispielsweise an der Universität in Sofia. Die Stiftung Bulgarische Hochschulförderung hatte 1993 eine Initiative unternommen, um erfolgreiche Unternehmer für Lehrveranstaltungen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften zu gewinnen – wofür sich Wild verpflichten ließ. "Die Universität St. Kliment Ohridski gehört zu den traditionsreichsten Universitäten der Welt, ist sehr stark auf naturwissenschaftlichem Gebiet und in Geisteswissenschaften", erläutert er. "Allerdings besteht erheblicher Nachholbedarf bei den Wirtschaftswissenschaften. Diese Lücke sollte mit Unternehmern geschlossen werden, die aus der Praxis berichten können."

Mit der Universität Heidelberg fühlt sich Hans-Peter Wild nicht nur deshalb in besonderer Weise verbunden, weil er in der Neckarstadt geboren und hier auch studiert hat: "Die Beziehung zur Universität geht zurück auf meinen Vater, Rudolf Wild, der selbst Ehrensenator der Universität war. Er hat dort vielfältige Projekte – zumeist anonym – unterstützt. Diese Tradition habe ich fortgeführt." In Anerkennung der langjährigen Verdienste verlieh ihm 1996 die Universität die Würde eines Ehrensenators. "Herr Dr. Wild hat sich auch mehrfach als Mäzen mit großzügigen Spenden für die Belange der Universität eingesetzt", hob der damalige Rektor, Prof. Dr. Peter Ulmer, in der Laudatio hervor.

Ausbau des väterlichen Unternehmens

Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist Dr. Hans-Peter Wild auch Präsident der Leonie-Wild-Stiftung, die er 1997 zusammen mit seiner Mutter gründete. Die Stiftung fördert kulturelle, mildtätige, gemeinnützige und wissenschaftliche Projekte im Raum Heidelberg, insbesondere innerhalb der Stadt Eppelheim. Neuerdings erhält auch der Heidelberger Ruderklub Unterstützung.

Dr. Hans-Peter Wild, Jahrgang 1941, studierte zunächst Jura in München und Tübingen und legte sein Referendarexamen in Heidelberg mit Prädikat ab. In Mannheim folgte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Steuerrecht und Wirtschaftsprüfung mit anschließender kartellrechtlicher Promotion. In sein Studium bezog er zudem zwei Auslandsstudienjahre in Cambridge und an der Sorbonne mit ein. Nach Abschluss des Studiums stieg er nicht sofort im väterlichen Unternehmen ein, sondern war erst noch vier Jahre lang in Bremen tätig und leitete dort bei der Firma Diersch & Schröder als Geschäftsführer die Bereiche Mineralöl, Chemie und Reederei. Als er dann Ende 1973 aus der Hansestadt in die Kurpfalz zurückkehrte, waren seine Pläne alles andere als bescheiden: "Ich kam aus Bremen zurück und war von der Idee fasziniert, mit Capri-Sonne die Weltmärkte zu erobern."

Das väterliche Unternehmen blickte damals schon auf eine eindrucksvolle Erfolgsstory zurück, an die Hans-Peter Wild anknüpfen konnte. 1931 hatte Firmengründer Rudolf Wild in der Heidelberger Marstallstraße mit der Produktion von Tafelwasser begonnen, bereits 1937 zog das junge Unternehmen auf ein großes Farbrikgelände in Eppelheim um. Der Firmengründer, obwohl studierter Chemiker, war von Anfang an davon überzeugt, dass bei der Herstellung und Konservierung von Lebensmitteln nur natürliche Rohstoffe ohne chemische Zusätze verwendet werden sollten. Nicht zuletzt dieser Maxime verdanken die WILD-Werke ihren Erfolg – heute mehr denn je. Aus einem Produzenten von Grundstoffen für die deutschen Getränke-Abfüller entwickelte sich die WILD-Gruppe zu einem der weltweit größten Lieferanten für natürliche Lebensmittel-Ingredients. Die Zahl der Beschäftigten liegt heute weltweit bei rund 2200. Davon arbeiten etwa 1300 im Hauptsitz Eppelheim. Zur Gruppe gehören 26 Firmen in 14 europäischen Ländern, den USA, Kanada, Mexiko, China, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten; in mehr als 70 Ländern gibt es Niederlassungen.

Die Internationalisierung der Geschäfte, zu der nicht zuletzt der globale Erfolg der Marke Capri-Sonne zählt, ist in erster Linie das Werk von Hans-Peter Wild. Was nicht von ungefähr kam: Schon als junger Abiturient zog es ihn in die Ferne. Anfang der sechziger Jahre unternahm er eine große Reise nach Übersee, um für die Firma, die damals noch keine Vertretungen oder Partner im Ausland hatte, neue Rohmaterialquellen zu erschließen. In Mexiko zum Beispiel durchforstete er Telefonbücher, um interessante Firmen ausfindig zu machen. Ebenso suchte er auf Jamaica nach ätherischen Ölen oder in Nordamerika nach anderen natürlichen Rohstoffen für die Lebensmittelindustrie.

Auch während seines Studiums an der Sorbonne sammelte er unternehmerische Auslandserfahrung. Zufällig war es eine französische Firma in Lyon, die das Patent an der Konstruktion jenes Beutels besaß, in den WILD die Capri-Sonne abfüllen wollte. "Dank meiner Sprachkenntnisse fiel mir neben meinem Studium und meiner Dissertation die Aufgabe zu, mit dieser französischen Firma Thimonnier die umfangreichen Verhandlungen zu führen", erinnert sich Hans-Peter Wild.

Das in zahlreichen Auslandsreisen gewachsene Verständnis für fremden Kulturen spiegelt sich auch in der Markenstrategie der Capri-Sonne wider – und ist vermutlich auch das Erfolgsgeheimnis der Marke. Der strategische Grundgedanke liegt darin, dass der Markenkern zwar weltweit identisch ist: Der Spaß am Produkt, die Beliebtheit von Trinkpack und Strohhalm, das praktische Erleben des Getränks sind überall gleich. Geschmacklich jedoch entspricht Capri-Sonne in Asien keineswegs dem gleichnamigen Produkt in Europa. "Unser Produkt Capri-Sonne hat sich international durchgesetzt, weil wir unseren Kunden mehr bieten als nur einen universalen Einheitsgeschmack", unterstreicht Wild. "Nicht wir geben vor, wie Capri-Sonne hier oder dort auf der Welt zu schmecken hat, sondern der einheimische Kunde sagt uns, wie er sich dieses Produkt in seiner wesentlichen Eigenschaft – im Geschmack – wünscht." Die damit erzielte Akzeptanz habe in vielen Ländern die lokale Marktführerschaft und schließlich den Aufbau der globalen Marke ermöglicht.

Die Internationalen Aktivitäten sind wichtig

Die Umsetzung dieser Markenstrategie beschreibt Wild in seinem 2001 erschienenen Buch "Capri-Sonne, Faszination einer Weltmarke" – unter anderm auch am Beispiel des Kirschgeschmacks: " Als in unserem Labor in Heidelberg die Sorte Kirsche für Japan kreiert wurde, war das keine leichte Aufgabe. Note für Note veränderten die Geschmacksentwickler das Kirscharoma, bis ihre Geschmacksnerven rebellierten. Doch genau an dem Punkt, als unsere Fachleute irritiert mit der Zunge über die Lippen fuhren und das Gesicht verzogen, begannen die Augen unseres japanischen Mitarbeiters Kurihara zu strahlen: Exakt so muss Kirsche in Japan schmecken!"

Zu den wichtigsten Erfahrungen des Eppelheimer Unternehmers zählt die Begegnung mit fremden Kulturen. "Die Achtung und Beachtung kultureller Unterschiede hat uns den Zugang zu fremden Märkten erleichtert", sagt er. "Eigenes unermüdliches Forschen und Weiterentwickeln, gepaart mit der intensiven Berücksichtigung von Erfahrungen aus anderen Ländern, bilden einen Erfahrungsschatz, der in die Zukunft weist."

Eine Erkenntnis, die sicher nicht nur für den Erfolg eines Wirtschaftsunternehmens zentral ist. Ausdrücklich begrüßt Hans-Peter Wild deshalb auch die internationalen Aktivitäten der Universität. Seit Jahren werde dieses Thema bei den Ehrensenatoren-Meetings besprochen. "Heidelberg hat einen hervorragenden Ruf in der Welt", konstatiert er, "und kann Zentrum für junge Wissenschaftler mit globalem Fokus werden."

Christian Deutsch ende

 

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Updated: 10.12.2003