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Mittealter-Forschung

Deutschsprachige Literatur im östlichen Europa
"Deutschsprachige Literatur des Mittelalters im östlichen Europa. Forschungsstand und Forschungsperspektiven" – unter diesem Titel tagten 31 Wissenschaftler aus Deutschland und Osteuropa in Heidelberg.

Auf dem Programm des Symposiums, das im Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg (IWH) stattfand, standen ganz unterschiedliche Themenbereiche: Medizinische Texte, geistliche Literatur und Lyrik oder auch die Überlieferung und Erschließung von Handschriften in den Bibliotheken. Veranstalter der Tagung war Professor Dietrich Schmidtke vom Germanistischen Seminar, zu dessen Sonderaufgaben die Erforschung der deutschen Sprache und Literatur im östlichen Europa gehört. Finanziert wurde die Tagung durch die Robert-Bosch-Stiftung und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Das Symposium war nicht nur international – mit Teilnehmern aus Ungarn, Polen, Russland, Lettland und Litauen -, sondern auch interdisziplinär besetzt: So nahmen neben vielen Philologen auch (Medizin-)Historiker, Buch- und Bibliothekswissenschaftler sowie ein Jurist teil. Schmidtkes Mitarbeiter Ralf Päsler betonte zunächst die Bedeutung der Germanistik in den östlichen Ländern: Das Symposium solle den ausländischen Teilnehmern eine Plattform für ihre Ergebnisse geben und sie in ihrer Arbeit vor Ort bestärken. Außerdem sei wichtig, dass die deutsche Literatur Osteuropas in die Germanistik, zugleich aber auch in die jeweiligen (National-)Literaturen integriert werde.

Schmidtke zufolge gehört die Erschließung der Breslauer Bibliothek, "die eine der wichtigsten Bibliotheken mit deutschsprachiger Literatur ist", zu den dringlichsten Aufgaben. Doch auch im übrigen Europa seien Handschriften aus östlichen Ländern zu finden. Lange Jahre war die Forschung dadurch erschwert, dass die Quellen nicht erreichbar waren. Erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann sich die Wissenschaft dieses Bereichs wieder verstärkt annehmen. Zur deren Freude finden sich in den Bibliotheken und Archiven viele verloren geglaubte Quellenbestände.

Über die bisher kaum erforschten Bestände der Bibliotheken des Baltikums und St. Petersburgs referierte die Nachwuchswissenschaftlerin Zivile Vagonyte aus Litauen. Aus Moskau berichtete Nikolai Bondarko, dass die politischen Hindernisse noch immer sehr hoch seien: Aus Angst vor deutschen Rückgabeforderungen würden einige Handschriften nicht bearbeitet. Für die Wissenschaftler ist jedoch ein freier Zugang wichtiger als die Besitzverhältnisse. Ein besonderer Brennpunkt auf der Tagung war die Literatur im Deutschen Orden: In diesem Bereich präsentierte u.a. eine Gruppe von Wissenschaftlern um die Regensburger Professorin Edith Feistner mit ihrem von der DFG geförderten Projekt die These, dass die Ausbildung einer korporativen Identität u.a. durch die Uminterpretation bereits bestehender Werke bewerkstelligt wurde. Doch blieb diese These nicht unwidersprochen, was die heftigen Einwände der Experten bezeugten. Umstritten blieb schließlich auch die Frage, ob eine Ausweitung der Forschung auf Drucke und damit auf die Frühe Neuzeit sinnvoll sei oder eine Beschränkung auf Handschriften erfolgen solle.

Anne Graser ende

 

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Updated: 10.12.2003