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Schon vor Goethe ein populärer Stoff

Die Bestände des Knittlinger Faust-Archivs werden von Heidelberger Wissenschaftlern aufgearbeitet
Goethes "Faust" ist ohne jeden Zweifel eine wirkungsmächtige Figur in der deutschen Literaturgeschichte. 1808 erschien der erste Teil, 1832 post mortem der zweite. Schon bei seiner Ankunft in Weimar hatte der Dichterfürst Fragmente der Tragödie im Gepäck, und bis zu seinem Tode ließ ihn dieser Stoff auch nicht mehr los.
Nach der Unterzeichnung ...

Von links: Knittlingens Bürgermeister Heinz-Peter Hopp, Prof. Dr. Helmuth Kiesel und Prof. Dr. Kühlmann vom Germanistischen Seminar, dazwischen Dezernent Karl-Heinz Zeller (3.v.l.) vom Landratsamt Enzkreis nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags. Foto : Fink

Im Gefolge Goethes brach eine Welle an Faust-Stücken über die deutschen Bühnen herein, die Zahl der dramatischen Bearbeitungen war schon bald kaum noch zu schätzen. Nicht zu Unrecht vermerkte Ludwig Tieck im Jahre 1800 also mit einigem Kopfschütteln: "Die deutsche Literatur ist mit Fäusten geschlagen ...". "Doch was heute oft übersehen wird", so Tim Lörke, "schon vor Goethe war der Faust ein europaweit bekanntes und literarisch in vielfältiger Weise bearbeitetes Motiv."

Seit 2002 leitet er im Auftrag des Germanistischen Seminars Heidelberg das Faust-Archiv im schwäbischen Knittlingen. Während die Stadt Knittlingen für das Museum verantwortlich ist, obliegt die wissenschaftliche Aufarbeitung der Bestände den Heidelberger Wissenschaftlern. Grob geschätzt lagern rund 9000 Bände im Archiv. "Bis dato gibt es noch kein Inventar, geschweige denn einen Katalog", bedauert Lörke. Doch er allein wird diese herkulische Aufgabe auch nicht schultern können, denn für zunächst nur drei Jahre bewilligte das Land ihm ein Forschungsstipendium. Danach wird ein neuer Stipendiat seine Arbeit fortsetzen.

Blick auf das Faust-Archiv in Knittlingen

Blick auf das Faust-Archiv in Knittlingen. Foto : Faustarchiv Knittlingen

Im Jahre 1480 soll es gewesen sein, dass der historische Faust in Knittlingen das Licht dieser Welt erblickte. Landauf, landab als Alchimist und "Schwartzkünstler" bekannt geworden, starb er auf mysteriöse Weise – vermutlich bei einem chemischen Experiment. Schnell macht die Geschichte vom Teufelspakt die Runde im Volk. Im Jahr 1587 erscheint das Volksbuch "Historia von D. Johann Fausten", das eine ganze Reihe von Erzählungen über den vermeintlichen Zauberer versammelt. 1604 schließlich taucht der Stoff des von unlöschbarem Erkenntnisdurst geplagten Faust sogar in England auf, "The Tragicall History of D. Faustus", lautet der Titel einer Tragödie von Christopher Marlowe.

Bei Gotthold Ephraim Lessing wurde Faust zum Aufklärer, bei den Stürmern und Drängern zum titanischen Genie, bei Thomas Mann schließlich zum Künstler. "Die in der Gestalt des Faust angelegte Doppeldeutigkeit, sein Grenzgängertum, die Radikalität, mit der er sich vom Glauben ab und den Naturwissenschaften zuwendet, hat die Schriftsteller von jeher fasziniert", resümiert Jungforscher Lörke. "Er ist zum Symbol für die Gefährdung und Ambivalenz geworden, in welcher der suchende und forschende Mensch von jeher stand." Die Vielheit dieser Stimmen zum Thema Faust zusammen zu fügen, wird Lörkes Aufgabe in den nächsten Jahren sein. Bücher, Illustrationen, Drucke und Statuen aus allen Epochen, Publikationen aus aller Herren Ländern beherbergt das Knittlinger Archiv. 1954 begründet durch den pensionierten Lehrer und Faustenthusiasten Karl Weisert, nun untergebracht in der besterhaltenen Barockschule Baden-Württembergs, sollen Museum und Archiv nun zu ihrem nahenden 50. Geburtstag deutlich mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. "Wir werden Ansprechpartner zugleich für Forscher wie für interessierte Bürger sein. Ersteren wollen wir einen reichen Fundus an Materialien bieten, welche sie sonst mühsam in Bibliotheken zusammensuchen müssten. Für die Bevölkerung möchten wir Kultur zum Anfassen bieten. Deshalb veranstalten wir Führungen durchs Museum, aber auch eine Vortragsreihe mit Namen ,jour fixe' im Archiv".

Die Resonanz für die in zweimonatigem Turnus stattfindende und sich kulturwissenschaftlichen Themen in einem weiten Sinne widmende Veranstaltung war von Anfang an gut. Die Gäste, teilweise eigens aus Stuttgart und Karlsruhe angereist, hörten bislang Vorträge über Salonkultur im 19. Jahrhundert, Humanismus bei Thomas Mann und Sigmund Freud oder das Faustmotiv im Sturm und Drang.

Johannes Schnurr ende

 

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Updated: 10.12.2003