Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel

Stifter und Sponsoren
"Die Astronomie fasziniert mich noch heute"

Physiker, SAP-Mitbegründer und Ehrensenator Dr. h.c. Klaus Tschira plädiert für eine "verständliche Wissenschaft"
Die "Unispiegel"-Serie "Stifter & Sponsoren" widmet sich jenen Privatleuten, die die Ruprecht-Karls-Universität nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützen. Nach Viktor Dulger, Manfred Lautenschläger, Curt Engelhorn, Friedrich Reutner, dem Ehepaar Heinz und Chica Schaller sowie Carl Heinrich Esser lesen Sie heute ein Porträt über Dr. h.c. Klaus Tschira.
Dr. h.c. Klaus Tschira. Gründete 1995 die nach ihm benannte Stiftung.
Dr. h.c. Klaus Tschira. Gründete 1995 die nach ihm benannte Stiftung. Sein Anliegen: möglichst viele Menschen für die Wissenschaft zu begeistern und sie verständlich zu präsentieren. Foto : Klaus Tschira Stiftung

Eigentlich dachte Klaus Tschira an eine wissenschaftliche Karriere, als er 1966 an der Universität Karlsruhe sein Diplom in Physik ablegte. Auch sein Professor bestärkte ihn darin. Der Universität fehlte jedoch das Geld für eine Anstellung – und so kam alles ganz anders. Sehr schnell fand der junge Wissenschaftler eine Stelle bei IBM in Mannheim, sechs Jahre später gründete er zusammen mit vier Kollegen die Firma "Systemanalyse und Programmentwicklung", aus der später die SAP AG hervorging. Heute beschäftigt der Walldorfer Software-Konzern rund 29.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern.

SAP-Erfolg eigentlich gar kein Geheimnis

Gefragt nach dem Erfolgsgeheimnis dieser atemberaubenden Entwicklung des Unternehmens, sagt Tschira heute: "Wir, die Gründer der SAP, haben an sich lauter Dinge getan, die uns natürlich und mehr oder weniger selbstverständlich erschienen. Insofern besteht das ,Geheimnis' aus unserer Sicht eher darin, wieso Erfolge wie der der SAP so selten sind." Und fügt hinzu: "Wir haben die Firma so aufgebaut, dass es uns selbst auch in der Rolle eines Mitarbeiters Spaß gemacht hätte, dort zu arbeiten. Offenbar haben wir dabei den Geschmack vieler tüchtiger Leute getroffen."

Bei SAP baute das Vorstandsmitglied Tschira unter anderem den Geschäftsbereich für Personalwirtschaftssysteme auf und war damit überaus erfolgreich: SAP wurde mit seinem Software-Modul in diesem Bereich Weltmarktführer. 1998 schied Tschira aus dem SAP-Vorstand aus und wechselte in den Aufsichtsrat der Firma.

Mit Bedacht hat sich Tschira auf diesen Zeitpunkt vorbereitet. "Wenn man aus dem Erwerbsleben ausscheidet und nichts Sinnvolles zu tun hat, steigt das Sterberisiko um das 15-fache", konstatiert er ganz nüchtern. Also suchte er beizeiten eine Beschäftigung, die sowohl ihm selbst Freude bereiten wie auch der Allgemeinheit Nutzen stiften sollte. Nach knapp drei Jahrzehnten unternehmerischer Tätigkeit besann er sich auf seine Liebe zu den Naturwissenschaften – und verband damit auch das Anliegen, möglichst viele Menschen hierfür zu begeistern. Das Ergebnis seiner Überlegungen ist die Klaus Tschira Stiftung GmbH, die das Ziel verfolgt, "die Forschung in der Informatik, den Naturwissenschaften und der Mathematik sowie das Verständnis der Öffentlichkeit für diese Fächer zu fördern".

Die Stiftung gründete Tschira bereits 1995, also noch während seiner Zeit als SAP-Vorstandsmitglied. Als sich 1995 die Gelegenheit bot, erwarb er für den Sitz der Stiftung die Villa Bosch im Heidelberger Schloss-Wolfsbrunnenweg, die er ebenso behutsam wie gründlich renovierte. Früher Vorstandsmitglied der SAP, heute Geschäftsführender Gesellschafter der Stiftung: das hohe – die Gesundheit erhaltende – Arbeitspensum hat sich Tschira bewahrt: "Eigentlich ist mein Terminkalender so voll wie früher, aber ich widme mich heute mehr Themen, zu denen ich ausdrücklich und längerfristig Ja gesagt habe."

Blick auf die Villa Bosch inmitten eines prächtigen Parks. In deren Studio (unten) finden zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen statt.
Blick auf die Villa Bosch inmitten eines prächtigen Parks. In deren Studio (unten) finden zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen statt. Foto : Klaus Tschira Stiftung/Thomas Dix
Im Studio der Villa Bosch (unten) finden zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen statt.

Schon zu SAP-Zeiten pflegte Tschira Kontakte zur Wissenschaft. Er übernahm Ehrenämter an Hochschulen und Forschungszentren. Die Universität Klagenfurt verlieh ihm 1995 die Ehrendoktorwürde, die Universitäten Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe machten ihn zum Ehrensenator. Klaus Tschira habe sich "auf vielfache Weise um die Förderung von Wissenschaft und Forschung verdient gemacht", sagte im Frühjahr 1997 der damalige Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Ulmer, bei der Verleihung der Ehrensenator-Würde.

An der Universität Heidelberg ist der Name Tschira vor allem im Geographischen Institut ein Begriff. In Zusammenarbeit mit Klaus Tschira und gefördert durch dessen Stiftung konnte dort Prof. Dr. Peter Meusburger die "Hettner-Lecture" aufbauen und zu einer der international interessantesten Veranstaltungen in der Humangeographie machen. Auch das Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie (IDF), das Universitätsarchiv und das Alfred-Weber-Institut profitierten von der Tschira Stiftung. Für das IDF förderte die Stiftung Entwicklung und Einsatz von multimedialen Lernprogrammen im Bereich "Deutsch als Fremdsprache". Eine erste Version des Programms ist seit August im Internet verfügbar (idf.uni-heidelberg.de/forschung/multimedia). Das Universitätsarchiv wird von der Stiftung dabei unterstützt, seine Bildbestände zu erfassen und in digitalisierter Form bereitzustellen, wodurch ein hervorragender Zugriff auf historische Bilder möglich geworden ist. Beim Alfred Weber-Institut profitierte der Heidelberger Finanzwissenschaftler Prof. Manfred Rose von der Stiftung, die Workshops und ein Buch zum Thema "Innovative Lösungen der Steuer- und Rentenprobleme" förderte.

Ein großes Anliegen ist für Tschira die verständliche Darstellung wissenschaftlicher Zusammenhänge und Ergebnisse: "Naturwissenschaftler sollten ein Gefühl dafür entwickeln, was ein technischer Laie gerade noch versteht, sich dann bemühen zu erklären, was ihnen selbst am Herzen liegt – und beharrlich an Formulierungen feilen, bis diese stimmen." So war es denn auch die erste Tat der Stiftung, einen "Klaus-Tschira-Preis für verständliche Wissenschaft" auszuloben. Der Preis wurde dreimal vergeben, bislang allerdings nur an der Universität Karlsruhe. Doch sollen sich bald auch Heidelberger Wissenschaftler bewerben können. "In naher Zukunft", so deutet Tschira an, werde der Preis bundesweit aufgelegt.

In Ergänzung zur Stiftung gründete Tschira 1997 das European Media Laboratory (EML). Es hat sich zum Ziel gesetzt, "neue informationsverarbeitende Systeme zu entwickeln, bei denen der Nutzer die Technik nicht mehr als Hindernis wahrnehmen soll". Das Institut, das seinen Sitz mit derzeit sechs Forschungsgruppen ebenfalls in der Villa Bosch hat, erhält seine Forschungsaufträge hauptsächlich von der Klaus Tschira Stiftung. Es arbeitet mit Universitäten, nationalen und internationalen Forschungsinstitutionen ebenso zusammen wie mit Partnern aus der Industrie. Auf vielfältige Weise kooperiert das EML auch mit der Universität Heidelberg, nämlich mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaft, dem Zentrum für Molekulare Biologie Heidelberg, dem Biochemie-Zentrum Heidelberg, dem Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen, dem Lehrstuhl für Computerlinguistik und dem Geographischen Institut.

Mit seiner Stiftungstätigkeit möchte Tschira das Ansehen der Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik fördern. "Wir achten bei allen geförderten Projekten darauf, dass der Nutzen vermittelbar ist, ohne allzu große komplizierte Erklärung", erläutert er. So zielten beispielsweise die Informatik-Projekte des EML auf die Entwicklung von Prototypen ab, "bei denen der Nutzen unmittelbar einsehbar ist, wie etwa bei dem elektronischen Touristenführer für Heidelberg". Mit seiner Stiftung will Tschira nicht in die Lücken springen, die von staatlichen Stellen aus Haushaltsgründen gelassen werden. "Stiftungen wollen Anstöße geben", sagt er. "Wir wollen zusätzlich etwas bewegen, am liebsten etwas initiieren, was dann später ein Anderer übernimmt."

In der Villa Bosch, mit prächtigem Park hoch über dem Neckartal gelegen, haben nicht nur Stiftung und EML ihren Sitz. Die an das Hauptgebäude angrenzenden früheren Rundfunk-Studios – Vorgänger in der Villa war die Wissenschaftsredaktion des heutigen Südwest-Rundfunks – baute Tschira in ein schmuckes, mit modernster Technik ausgestattetes Seminarzentrum um. Damit nicht genug: Der Kauf der Villa gab den Anlass, sich auch mit deren Namensgeber – dem Nobelpreisträger und einstigen Vorstandschef der BASF, Carl Bosch (1874-1940) – zu befassen. Entstanden ist daraus Heidelbergs einzigartiges Technik-Museum, das Carl Bosch Museum im Schloss-Wolfsbrunnenweg 46 (www.museum.villa-bosch.de). Direktorin ist Klaus Tschiras Ehefrau, Gerda Tschira, die das Museum auch konzipiert, gegründet und aufgebaut hat.

Ab und zu gönnt sich Tschira einen Blick zu den Sternen

Aufsehen erregt Tschira durch sein Engagement für die "International University in Germany", eine private Hochschule in Bruchsal. "Bei aller Wertschätzung für einige staatliche Universitäten, denen ich persönlich näher stehe, kann ich mich der These nicht verschließen, dass etliches besser sein sollte, aber unter den obwaltenden Umständen wohl nicht kann", führt er aus. "Es ist leider üblich, die staatlichen Hochschulen für die Unflexibilität des deutschen Hochschulsystems zu schelten. Dabei gebührt ein mindestens ebenso großer Teil der Kritik am System den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen einerseits und der einschlägigen Ministerialbürokratie andererseits." Mit der International University in Bruchsal solle erprobt und gezeigt werden, was eine Hochschule auf privatrechtlicher Grundlage vergleichsweise erreichen könne. Seit ihrer Gründung sei "deutlich mehr Bewegung" in die Hochschullandschaft gekommen. "Deshalb unterstütze ich die International University, wo und wie ich nur kann."

Ab und zu gönnt sich Tschira einen Blick zu den Sternen. Und so hat es ihn sehr gefreut, dass im Jahr 2000 ein Kleinplanet nach ihm benannt wurde. "Wir pflegen unsere Kinder schon früh mit astronomischen Schätzaufgaben wie ‚Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?' – Text von Wilhelm Hey, 1789 bis 1854 – zu konfrontieren", philosophiert er. "Insofern ist die Beschäftigung mit der Astronomie ein alter und natürlicher Teil unserer Kultur, zudem die Wiege aller naturwissenschaftlichen Betätigung. Mich hat die Astronomie seit meiner Kindheit fasziniert und tut dies heute noch." So lag es nahe, dass die Stiftung auch astronomische Projekte fördert. Und einer der beteiligten Astronomen kam dann auf die Idee, einen Asteroiden auf den Namen "Tschira" zu taufen.

Cristian Deutsch ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 17.10.2003