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Mit Charles Dickens in der Kaserne

Und einem kleinen Hang zum Abseitigen: Prof. Dr. Peter Paul Schnierer lehrt englische Literaturwissenschaft
Eigentlich hatte er eine Promotion über "Kannibalismus in der englischen Literatur" schreiben wollen. "Das kam meinem Hang zum Abseitigen und Extremen entgegen", sagt Prof. Dr. Peter Paul Schnierer lachend. Doch weil es zu diesem Thema bereits Berge von Büchern gab, entschied er sich für seine zweite Leidenschaft: das englische Drama. Es wurde nicht nur Inhalt seiner Promotion und eines Lehrbuchs, sondern stellt bis heute einen seiner Forschungsschwerpunkte dar. Seit Januar dieses Jahres hat Schnierer, Jahrgang 1962, einen Lehrstuhl für anglistische Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg inne.
Peter Paul Schnierer vor röhrendem Hirsch
Peter Paul Schnierer vor röhrendem Hirsch. Das eindrucksvolle Bild (300x200cm!) hat er bei dem jungem Graffiti-Künstler Niko Bardowicks in Auftrag gegeben. Foto : Fink

Dass er Englisch studieren würde, stand für ihn schon lange vor seinem Abitur fest. "Meine Mutter hatte Anfang der fünfziger Jahre in England gelebt. Ihre Begeisterung hat sich auch auf mich übertragen." Nach seiner Schulzeit in Göppingen, während der er eine Klasse übersprang, begann Schnierer 1980 sein Studium in Tübingen mit den Fächern Neuere englische Literatur, Linguistik des Englischen und Neuere deutsche Literatur. Ein Jahr später wechselte er "als Student ohne Verpflichtung und ohne Peilung" an das Goldsmith' College in London. Dort fing er an, mit seinen englischen Kommilitonen Theater zu spielen. Besonders das "rücksichtslose language coaching" ist ihm in Erinnerung geblieben – als Schlüssel für eine gute Aussprache. Ein weiteres Jahr verbrachte Schnierer als Lektor für Deutsch am Thames Politechnic, bevor er 1987 in Tübingen Examen machte. Wenige Tage später wurde er zur Bundeswehr eingezogen. "Ich habe die Zeit fast genossen – nach Jahren der intellektuellen Anstrengung", erinnert er sich. "Es war angenehm, sich um nichts kümmern zu müssen. Da habe ich dann Dickens' Gesamtwerk gelesen."

Anfang 1989 nahm Schnierer eine Stelle als Lektor an der University of Buckingham an. Rechtzeitig zum Mauerfall kehrte er jedoch nach Deutschland zurück: In Tübingen war ihm eine Assistentenstelle angeboten worden. "Gleichzeitig hatte ich die Aufgabe, einen Gastwissenschaftler aus der DDR zu betreuen. Das war für mich natürlich ideal", sagt Schnierer über den November 1989. Während der Arbeit an seiner Dissertation besuchte Schnierer eine Konferenz in den USA – ein "Schlüsselerlebnis", wie er sagt: "Das Land war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Diese Entspanntheit! Es gibt noch andere Möglichkeiten, als zu hupen und zu drängeln und zu versuchen, seinen Vordermann noch vor der nächsten Ecke zu überholen." Nach Abschluß seiner Promotion ging Schnierer 1993 als Gastprofessor an die Northern Arizona University, 1997 folgte ein Gastprofessur an der University of Maryland (College Park). Vier Jahre zuvor hatte er aus Tübingen das Angebot erhalten, sich zu habilitieren. "Da habe ich alles auf eine Karte gesetzt", sagt er. "Im Nachhinein bekomme ich eine Gänsehaut – ich hatte an jeder Stelle meines Berufslebens Glück."

Mit dem Thema "Entdämonisierung und Verteufelung: Zur Darstellung und Funktionsgeschichte des Diabolischen in der englischen Literatur seit der Renaissance" habilitierte sich Peter Paul Schnierer 1999. Anschließend war er als Hochschuldozent in Tübingen und als Gastprofessor in Wien tätig. "So habe ich viel Zeit im EC ‚Mozart' verbracht", sagt Schnierer, der verheiratet ist und einen fünfjährigen Sohn hat. Seit Herbst 2001 aber hat das Pendeln ein Ende: Bereits vor seiner Berufung 2003 übernahm Schnierer eine Lehrstuhlvertretung in Heidelberg.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören auch Hypertexte, also Literatur, die nur mit Hilfe eines Computers gelesen werden kann. Das Anglistische Seminar verlieh ihm in diesem Sommer zum zweiten Mal den "Excellence in Teaching Award". "Ich unterrichte unheimlich gern", sagt Schnierer und betont, dass er lebendigen und abwechslungsreichen Unterricht für sehr wichtig halte. Im vergangenen Semester organisierte er außerdem eine "Ulysses"-Lesung. Rund sechzig Studenten hatten sich bereit erklärt, einen oder mehrere Abschnitte aus dem leicht gekürzten Buch von James Joyce im Foyer des Anglistischen Seminars vorzulesen. "Morgens um acht haben wir begonnen. Um ein Uhr nachts waren wir fertig. Der Zuspruch war riesig." Für das kommende Semester plant Schnierer eine Exkursion nach Stratford. Doch auch in Heidelberg fühlt er sich "außerordentlich wohl – und das sage ich nicht so dahin."

ende

 

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Updated: 16.10.2003