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Vor 200 Jahren verschwand die Kurpfalz von der Landkarte

Auch für die Universität Heidelberg begann damit eine neue Zeit – Ausstellung im Kurpfälzischen Museum
In diesem Jahr wird vielfach an den Umbruch erinnert, der mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 verbunden war. Das Reich war im Krieg gegen das revolutionäre Frankreich unterlegen, Napoleon konnte ihm seinen Willen diktieren: die Rheingrenze für Frankreich, Neuordnung der Verhältnisse in Deutschland nach französischen Vorstellungen.
Friedrich Rottermann, Begebenheit auf dem Heidelberger Universitätsplatz, 1804.
Friedrich Rottermann, Begebenheit auf dem Heidelberger Universitätsplatz, 1804. Am 13. Juli 1804 zogen die Heidelberger Studenten nach einem Streit mit dem badischen Militär protestierend nach Neuenheim. Nachdem man die Händel am nächsten Tag in ihrem Sinne beigelegt hatte, kehrten sie triumphierend zurück und priesen auf dem Universitätsplatz die akademische Freiheit. Abb.: Kurpfälzisches Museum

Dazu zählte in Süddeutschland die Stärkung Badens, Württembergs und Bayerns, die zu Gegengewichten gegen die Habsburgermonarchie aufgewertet werden sollten. Die Rheingrenze hat sich Frankreich im Frieden von Lunéville 1801 gesichert. Für linksrheinische Gebietsverluste sollten die depossedierten Fürsten rechtsrheinisch entschädigt werden. Das bedeutete den Beginn eines großen Länderschachers, zu dessen Verlierern in erster Linie die Reichskirche zählte, deren Herrschaftsrechte und Besitz an die weltlichen Staaten übergingen. An diese "große Säkularisation" wird in diesem Jahr in mehreren Ausstellungen erinnert. Zu den Verlierern zählten aber auch alle, die nach französisch-aufgeklärter Lesart kein politisches Existenzrecht mehr hatten: Reichsstädte, Reichsritter, Ritterorden und kleinere Herrschaften.

In diesen Zusammenhang gehört das Ende der Kurpfalz. Schon die Ausdehnung Frankreichs bis zum Rhein hatte ihr Territorium erheblich beschnitten. Zur Verteilung stand 1802/3 noch der rechtsrheinische Teil mit den Städten Heidelberg und Mannheim. Dass die Kurpfalz als einziges größeres weltliches Territorium der "Flurbereinigung" zum Opfer fiel, lag primär an der Politik Frankreichs und Rußlands, die sich für die Interessen des Markgrafen Karl Friedrich von Baden einsetzten. Ihm fiel schließlich der überwiegende Teil der rechtsrheinischen Kurpfalz zu. Die Pfälzer Bevölkerung nahm den Herrscherwechsel mit Gelassenheit hin. Karl Friedrich hat die Gebiete schnell seinem vergrößerten badischen Staat eingegliedert und war in der ehemaligen Kurpfalz nicht unbeliebt. Zeugnis der probadischen Stimmung um das Jahr 1806 ist Clemens Brentanos "Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg und seinem Traum auf der Brücke". "So geht hervor ein' neue Zeit", dichtete er im Blick auf den Übergang der Kurpfalz an Baden und hob hervor, wie sehr vor allem die im 18. Jahrhundert heruntergekommene Universität von der badischen Herrschaft profitiere.

In der Tat bedeutete der Anfall der Kurpfalz an Baden für die Universität den Beginn einer neuen Zeit. Sie hatte auf dem linken Rheinufer den Großteil ihrer bisherigen Einkünfte verloren und musste neu dotiert werden. Den Anfang machte das 13. Organisationsedikt des badischen Geheimrats Friedrich Brauer vom 13. Mai 1803. Die Erneuerung der Universität wurde auf den Weg gebracht, indem die konfessionelle Bindung (außer bei den Theologen) aufgehoben und die staatliche Finanzierung eingeführt wurde. Das Inlandsstudium wurde verpflichtend für alle, die eine Anstellung im badischen Staats- oder Kirchendienst anstrebten. Karl Friedrich von Baden trat als Rektor an die Spitze der Universität, die künftig neben dem Namen des Universitätsgründers Ruprecht auch seinen Namen führte. Die organisatorische Neuordnung nahm freilich noch mehrere Jahre in Anspruch.

Dem Übergang der Kurpfalz an Baden 1803 und in diesem Rahmen auch der Geschichte der Universität ist eine in Kooperation mit dem Historischen Seminar konzipierte Ausstellung gewidmet, die vom 19. Oktober 2003 bis 18. Januar 2004 im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg zu sehen ist. Ein Begleitband mit wissenschaftlichen Beiträgen, Katalog und zahlreichen Abbildungen wird dazu erscheinen.

Armin Kohnle ende

 

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Updated: 16.10.2003