Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel

Wo sind denn nur meine Schuhe?

Wie eine Inszenierung von Stephen Sondheims Musical "Into the Woods" so langsam an Form gewinnt
Die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars hat für dieses Semester Stephen Sondheims Musical "Into the Woods" einstudiert. "Unispiegel"-Mitarbeiterin Anne Allmeling war bei den Proben dabei.
Die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars hat für dieses Semester Stephen Sondheims Musical "Into the Woods" einstudiert.

Je länger die Probe, desto ausgelassener die Stimmung. Foto : privat

"Okay, und jetzt küßt euch!" Sarah und Jan schlingen die Arme umeinander, schauen sich tief in die Augen, nehmen ihren ganzen Ernst zusammen – und brechen in lautes Gelächter aus. "Nochmal von vorne!" ruft Felix Rieckmann aus dem Zuschauerraum. Für "Into the Woods", der aktuellen Musical-Produktion der Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars, führt der 27jährige Regie. Legt die Schrittfolgen fest, kritisiert unsaubere Töne und bespricht mit den Darstellern jeden einzelnen Aufzug. Bis zur Premiere gibt es noch viel zu tun: Licht und Ton müssen eingestellt, Bewegungsabläufe auf die Bühnenmaße abgestimmt werden. Keine leichte Aufgabe bei 16 Darstellern und knapp 20 Quadratmetern Platz. "Die Choreographie ist eine echte Herausforderung", sagt Felix, während er aufmerksam das Geschehen auf der Bühne des Theaters im Romanischen Keller verfolgt.

Hinter den Kulissen bricht derweil Hektik aus: Simone Falk sucht ihre Schuhe. Im grünen Ballkleid hastet sie durch die Garderobe, zerrt an Taschen und Klamotten. Ihre Pumps sind nicht dabei. "Beeilung!" tönt Felix' Stimme. Doch ohne die Schuhe geht nichts: Simone spielt eine von Cinderellas Stiefschwestern in dem Musical, das verschiedene Märchen miteinander verquickt und weiterspinnt. Schließlich entdeckt sie das gesuchte Paar hinter einer Kolonie von leeren Cola-Flaschen und stürzt auf die Bühne. Die übrigen Darsteller haben bereits Position eingenommen. Felix gibt den Einsatz für das Klavier, und der Tanz beginnt: rhythmische Schritte, kleine Sprünge, akrobatische Hebungen, dazu Gesang. Dann das Chaos: Jan stößt gegen Ciara, Simone stolpert, Annika lacht los. Abbruch.

"Was macht ihr mit euren Beinen?" beschwert sich Jan bei den Mädchen, die – Felix' Anweisungen entsprechend – in ihren eleganten Kleidern auf dem Boden liegen. "Ich fall' über euch drüber!" Simone rollt sich auf die Seite und demonstriert den anderen, wie wenig Spielraum die Bühne bietet. "Vorher hat's doch auch geklappt!" mault jemand im Hintergrund. Felix bleibt gelassen. Monatelanges Proben haben die Studierenden bereits hinter sich, an diesem Abend stehen sie seit fünf Stunden auf der Bühne. Müdigkeit macht sich bemerkbar, einige Darsteller reagieren gereizt. "Ich mag Situationen mit Anspannung", sagt Felix, der vor seinem Anglistik-Studium in Hamburg und New York eine Ausbildung zum Musical-Darsteller absolviert hat. Ruhig und rücksichtsvoll gibt er Anweisungen, macht Verbesserungsvorschläge und lobt die erschöpften Schauspieler.

Simone steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Schon vor Beginn der Probe hatte sie einen Acht-Stunden-Tag hinter sich: Die 23-jährige gehört wie Felix zum Producer-Team und ist für das Bühnenbild verantwortlich. Die vergangenen Tage hat sie dazu genutzt, die Bühne in einen Wald zu verwandeln: mit Efeu-Pflanzen und Tannenzweigen, totem Holz und besprühtem Teppich. "Dabei konnte ich mich so richtig schön austoben", sagt sie müde, aber zufrieden. Ihre Rolle als Stiefschwester wird dabei beinahe zur Nebensache. Aufgeregt ist Simone nicht. "Aber das kommt mit Sicherheit noch", sagt sie.

Wenige Minuten später ist die Nervosität im Romanischen Keller greifbar. Das Licht ist ausgefallen – zwei Tage vor der Premiere! Felix beschließt, die Soundprobe vorzuziehen: Donnergrollen statt Gewitterblitze. Die Darsteller proben auf der düsteren Bühne weiter, während Simone sich in den Hintergrund verzieht und versucht, Telefonnummern zu entziffern. Irgendjemand muß jetzt helfen – kurz vor Mitternacht!

Eine Stunde später steht fest: Das Licht wird repariert, aber die Generalprobe muss verschoben werden. Felix hatte eigentlich einen freien Tag vor der Premiere eingeplant. Der fällt jetzt flach. Keiner beschwert sich. Der Aufwand für dieses Musical ist so groß, dass ein weiterer Termin kaum ins Gewicht fällt. Die meisten Darsteller haben im vergangenen Jahr ebenso viel Zeit in die Produktion gesteckt wie in ihr Studium. Für die kurzen Pausen zwischen den Szenen hat Julia ihr Französisch-Buch immer parat. Doch zu dieser späten Stunde wecken nur noch Tinas Butterkekse ihr Interesse. Je länger die Probe dauert, desto ausgelassener wird die Stimmung: Die Schauspieler albern zu den Soundeffekten herum, turnen in der Garderobe über Tische und Stühle und zaubern aus den herumliegenden Klamotten lustige Kostüme. Simone mahnt zur Eile: Bis zur Premiere gibt es noch viel zu tun. Felix gibt Regieanweisungen. Sarah und Jan schlingen die Arme umeinander, schauen sich tief in die Augen, nehmen ihren ganzen Ernst zusammen, und – "am Ende geht doch meistens alles gut".

Vorstellungen von "Into the Woods" noch am 23., 26., 27 und 28. Juni; jeweils 20 Uhr im Romanischen Keller.

Anne Allmeling ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 09.07.2003