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Unter Umgehung des Geschlechtsakts

Tagungsband zum Thema "Homunculus" – Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften
Die Idee, einen Menschen unter Umgehung des Geschlechtsakts herzustellen, gehört zu den ältesten Wunsch- und Angstträumen der Menschheit. Auch Goethes Dichtung kreist wiederholt um das Thema des künstlichen Menschen. Das gab die Anregung zu einem interdisziplinären Symposium, das von der Goethe-Gesellschaft Heidelberg im Februar 2002 anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften veranstaltet wurde. Jetzt liegt "Homunculus" als Buch vor.
Angsttraum "Homunculus" – Holzschnitt von Georg Netzband (1949). Abb. aus bespr. Buch

Angsttraum "Homunculus" – Holzschnitt von Georg Netzband (1949). Abb. aus bespr. Buch

Im Zeichen der Naturforschung Goethes, seiner ganzheitlichen Erfassung der Natur und des Menschen, sollte mit der "Homunculus"-Tagung ein Brückenschlag zwischen Natur- und Geisteswissenschaften versucht werden. Die Forschung am menschlichen Genom und ihre therapeutischen Anwendungen bildeten die Grundlage für die Erörterung ihrer religiösen, ethischen, sozialen und rechtlichen Implikationen.

Das Symposium bot Gelehrten der Universität Heidelberg aus fünf Fakultäten ein interdisziplinäres Diskussionsforum – ein glückliches und dem Universalismus Goethes gemäßes Ereignis. Leider enthält dieser Sammelband nur die Vorträge, nicht aber die lebhaften, die Fachgrenzen immer wieder überschreitenden Diskussionen der Tagung. So stehen die einzelnen Beiträge als etwas isolierte Festungen ohne die kommunikativen Brücken da, welche die Podiums- und Publikumsdebatten zwischen ihnen legten. Nicht zuletzt daher – und um in dem veröffentlichten Band das ganze Spektrum von Positionen, die heute zur Frage der Humangenetik vertreten werden, deutlicher zu machen – wurden einige Wissenschaftler, die der Goethe-Gesellschaft und der Universität Heidelberg angehören oder besonders nahestehen, gebeten, ihre Stellungnahme zu den auf dem Symposium behandelten Problemen in einem zusätzlichen Beitrag vorzustellen, der jene kommunikativen Brücken der Tagung auch für den Leser dieses Bandes sichtbarer zu machen sucht.

Die Diskussion zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern über die zentralen Fragen der Humangenetik steckt noch in den Kinderschuhen. Im Wintersemester 2001/2002, also zur gleichen Zeit wie die Tagung der Goethe-Gesellschaft, fand im Rahmen des Studium Generale der Universität Heidelberg eine (inzwischen veröffentlichte) Vorlesungsreihe unter dem Titel "Wider die Natur" statt, welche dem Missstand der Sprachlosigkeit zwischen den Fächern – zumal zwischen den beiden "Kulturen" der Natur- und Geisteswissenschaft – in unserem arbeitsteiligen, hoch spezialisierten Wissenschaftsbetrieb zu begegnen suchte. Eben das war auch das Ziel der Tagung der Goethe-Gesellschaft. Deren Dokumentation (mit den zusätzlichen Beiträgen) führt Wissenschaftler aus verschiedenen physikalischen, biologischen und medizinischen Disziplinen, aus Theologie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Jurisprudenz und Philologie zusammen, in der Hoffnung, damit eine wichtige Anregung für den interdisziplinären Dialog über eine zentrale Frage unserer Gesellschaft zu bieten.

Der Band, der von Letizia Mancino-Cremer und Dieter Borchmeyer herausgegeben wurde, enthält Beiträge von Manfred Osten, Antony D. Ho, Renato Paro, Christoph Cremer, Friedrich Vogel, Waldemar Schreckenberger, Adolf Laufs, Wolfgang Huber, Johannes Reiter, Ludwig Janus, Robert Weimar, Uta Gerhardt, Brigitta von Wolff-Metternich und Robert Spaemann.

L. Mancino-Cremer u. D. Borchmeyer (Hg.): Homunculus. Der Mensch aus der Phiole, Neckargemünd und Wien 2003.

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Updated: 09.07.2003