Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel

Ruinenromantik bei Mondenschein

Zweisprachige Ausgabe: Was der Dichter Victor Hugo 1840 bei seinem Aufenthalt in Heidelberg so alles erlebte
Als Victor Hugo 1840 eine Rheinreise unternahm, schaute er auch in Heidelberg vorbei. Acht Tage verbrachte der französische Dichter in dieser Stadt, literarischen Niederschlag fand der Aufenthalt in dem Brief XXVIII seines Buchs "Le Rhin". Nun ist dieses Kapitel in einer zweisprachigen Version als eigenständige Publikation erschienen.
"Einsamer Spaziergänger": Victor Hugo in Heidelberg.

"Einsamer Spaziergänger": Victor Hugo in Heidelberg. Unten: Schlossansicht von Charles de Graimberg. Abb.: bespr. Buch

Schlossansicht von Charles de Graimberg.

"Heidelberg, inmitten von Bäumen am Eingang des Neckartals, zwischen zwei bewaldeten Höhenrücken gelegen, die stolzer als Hügel sind und weniger schroff als Berge, hat seine wunderbaren Ruinen, seine beiden Kirchen aus dem 15. Jahrhundert, sein bezauberndes Haus aus dem Jahre 1595, mit roter Fassade und vergoldeten Statuen, das sich Gasthof zum Georgsritter nennt, seine alten Türme am Wasser, seine Brücke und vor allem seinen klaren, ruhigen und doch wilden Fluss, in dem es von Forellen wimmelt, wo Legenden wuchern, wo die Strömung, von Klippen gehemmt, ein unentwirrbares Netz von Strudeln und Gegenströmungen bildet, diesen bezaubernden ungebändigten Fluss, bei dem man sicher sein kann, dass nie ein Dampfschiff auf ihm herumstampfen wird."

In letztem Punkt freilich lag der Dichter falsch, doch im Großen und Ganzen hat sich Heidelberg, was seine äußere Gestalt angeht, tatsächlich weitergehenden Eingriffen einer Industrialisierung und Modernisierung widersetzt. Hugo wäre zwar bei einem Gang durch das Heidelberg des 21. Jahrhunderts letztlich wohl ein wenig enttäuscht, aber der heutige Betrachter kann aus eigener Anschauung immer noch gut nachvollziehen, warum diese Stadt und ihre Umgebung zum "romantischen Mythos" Anfang des 19. Jahrhunderts erhoben wurde. In dieser Tradition steht 1840 auch noch der französische Dichter: Als "einsamer Spaziergänger" wandert er durch den als geradezu heilig empfundenen Bezirk, liest die Landschaft wie ein Geschichtsbuch und gibt sich schließlich nächtlicher Ruinenromantik samt Mondenschein bereitwillig hin.

Dass dieses nicht allzu bekannte literarische Zeugnis der Heidelberg-Begeisterung nun auch wieder in Deutschland zugänglich gemacht wird, ist in erster Linie der Heidelberger Fremdenführerin Françoise Kloepfer-Chomard zu verdanken, die die Idee zu diesem Buch hatte. Bei der Verwirklichung erhielt sie tatkräftige Unterstützung des "Bureau de la coopération universitaire Heidelberg" (BCU), das dank der Unterzeichnung eines Vertrages zwischen der französischen Botschaft und der Ruperto Carola nun auch offiziell besteht.

Abgerundet wird das Projekt noch durch eine Art Vorwort, in welchem der zeitgenössische französische Schriftsteller Michel Butor sich Victor Hugo und seinem Heidelberg literarisch annähert. Mit wissenschaftlichem Besteck dagegen geht der Frankfurter Romanist Prof. Friedrich Wolfzettel, ein Spezialist für die Reiseliteratur im 19. Jahrhundert, in seinem Nachwort den Heidelberg-Text Hugos an. Er verdeutlicht vor allem die Schlüsselposition, die das Heidelberg-Kapitel innerhalb des Rheinbuchs einnimmt. Wolfzettel weist diesem eine "Scharnierfunktion" zu: Einerseits handele es sich um eine "Zusammenfassung" und den "Höhepunkt der Rheinreise", zum anderen markiere es schon das Ende der "romantischen Phase" des Dichters.

In der Ausgabe außerdem zu sehen sind Reproduktionen und Zeichnungen, zu denen Hugo bei seinem Aufenthalt am Neckar inspiriert wurde, zudem findet sich eine Auswahl zeitgenössischer Kupferstiche des Grafen Charles de Graimberg. Der deutsche Text beruht auf einer älteren Übersetzung, die inzwischen vergriffen ist. Prof. Jörn Albrecht und eine kleine Gruppe von Studierenden des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen der Ruperto Carola haben sie allerdings durchgesehen, verbessert und den Erfordernissen einer zweisprachigen Ausgabe angepasst.

Victor Hugo: Heidelberg. Mit einem Text von Michel Butor und einem Nachwort von Friedrich Wolfzettel. Hrsg. v. F. Kloepfer-Chomard und J. d'Yvoire. Frankfurt 2003.

Oliver Fink ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 09.02.2003