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Unterwegs im Grenzgebiet zwischen Biowissenschaft und Chemie

Prof. Dr. Andres Jaeschke hat seit dem Wintersemester 2002/2003 den Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie inne
Zum Wintersemester 2002/2003 hat ein neuer C4-Professor für Pharmazeutische Chemie seinen Dienst angetreten: Prof. Dr. Andres Jäschke. Er ist zugleich einer von drei Direktoren des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biologie.
Von der Spree an den Neckar gekommen: Prof. Dr. Andres Jaeschke

Von der Spree an den Neckar gekommen: Prof. Dr. Andres Jaeschke. Foto : Fink

Der Brauch von Mitgiften wird bei heutigen Eheschlüssen ja eigentlich kaum mehr praktiziert, in der universitären Berufungspolitik scheint er nach wie vor beliebt. Im Ernst: Der "BioFuture Award" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – im Bereich der Biowissenschaften höchstdotierter Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs – hat, wie Andres Jäschke erzählt, ihn schon mächtig weiter gebracht. Sein Projekt zum Thema "Einsatz von Ribozymen in der Wirkstoffsynthese" überzeugte 1998 die Jury und bescherte ihm damit hervorragende Bedingungen. Seine Arbeitsgruppe konnte "rasant" ausgebaut und die nötigen Sachmittel finanziert werden. Auf fünf Jahre ist das Projekt angelegt. Und da er zwischenzeitlich einen Ruf nach Heidelberg erhielt, hat er das Geld natürlich mitgebracht – "quasi als Mitgift", schmunzelt Jäschke.

1962 in Halle an der Saale geboren, studierte er in den späten achtziger Jahren Chemie an der Humboldt Universität in Berlin. Seine Doktorarbeit entstand zwar im Bereich organischer Chemie – es ging um die Synthese von modifizierten DNA-Fragmenten -, eröffnete ihm aber zugleich den Einstieg in das Grenzgebiet Chemie – Biowissenschaften. Eine Schnittstelle, die ihn seither fasziniert: "Zum einen, biologische Prozesse mit chemischen Methoden studieren zu können, zum anderen biologische Werkzeuge einzusetzen, um chemische Probleme zu lösen." Da wundert es kaum, dass der studierte Chemiker nach seiner Promotion 1993 als Postdoc am renommierten MIT in den USA eben nicht ans dortige Department of Chemistry ging, sondern sein Weg ihn schnurstracks ins Department of Biology führte. "Eine sehr schöne, aufregende Zeit", wie Jäschke resümiert. Er habe sich dort mit ganz unterschiedlichen Sachen beschäftigt: mit Strukturbiologie etwa, vor allem aber habe er "einfach viel biochemisches Handwerk" gelernt.

Zurück als Habilitand in Berlin – nun an der Freien Universität – baute er seine erste Arbeitgruppe auf und betrat "thematisch völliges Neuland". Es ging darum, neue Enzyme, Katalysatoren zu entwickeln. Seit etwa 1982/83, erläutert Jäschke, "kennen wir Ribozyme, also Enzyme, die nicht Proteinmoleküle, sondern Nucleinsäuremoleküle sind." Die Aufgabe seiner Arbeitsgruppe bestand nun darin, Techniken zu entwickeln, um künstliche Enzyme auf RNA-Basis zu generieren, die organisch-chemische Reaktionen katalysieren. Auch heute noch ist dieses Gebiet eines der "wesentlichen Äste" seiner Forschung.

Wie schon erwähnt, ist es vor allem das Grenzgebiet zwischen den Biowissenschaften und der Chemie, in dem er sich mit Vorliebe aufhält. Auch biotechnologische Fragestellungen fallen in diesen Bereich. Diese würden in der Pharmaforschung immer wichtiger. "Uns geht es darum, neue Werkzeuge für selektive Synthesen zu entwickeln. In der chemischen und der pharmazeutischen Industrie besteht ein erheblicher Bedarf an solchen Methoden zur Herstellung bestimmter Substanzen", erklärt Andres Jäschke den anwendungsorientierten Aspekt seiner Forschung: "Ganz konkret forschen wir an Ribozymen, die sich für Wirkstoffsynthesen einsetzen lassen. Aber im Moment sind wir noch im Stadium, in welchem wir die Werkzeuge entwickeln, der Einsatz kommt dann später." Und eine Forschungsrichtung, die Jäschke in den nächsten Jahren ebenso ausbauen möchte, sind Anwendungen, die in Richtung Nanotechnik gehen. Dafür ist, wie er betont, Heidelberg ein durchaus geeignetes Terrain.

Im Moment ist der neuberufene Professor allerdings auch noch stark mit eher profanen Dingen beschäftigt, zum Beispiel der Neuorganisation seiner Institutsabteilung – sein Lob gilt hier der Rücksicht seiner neuen Kollegen, die ihn dabei unterstützen. Abwechslungsreich auch die Lehre: Andres Jäschke ist neben der pharmazeutisch-chemischen Ausbildung auch im neuen Bachelor/Master-Studiengang "Molekulare Biotechnologie" involviert – er hält dort Vorlesung in organischer Chemie.

Und der Wechsel von der Spree an den Neckar? Fällt der einem, der bislang die meiste Zeit im Großraum Berlin verbracht hat, sehr schwer? "Nein, Heidelberg ist eine angenehme Stadt". Auch seine Familie – Jäschke ist stolzer Vater zweier Töchter – hat sich inzwischen gut eingelebt. Freie Zeit verbringt er am liebsten in deren Kreise. Doch hofft er, sich irgendwann auch mal wieder der "Nicht-Fachliteratur" widmen und vielleicht auch mal wieder Gitarre spielen zu können. "Das ist bei der momentanen Arbeitsbelastung einfach nicht drin."

Oliver Fink ende

 

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Updated: 09.02.2003