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Pro und Contra

Wie ein studentischer Debattierclub von sich reden macht
Wer gehört werden will, müsse reden – meint jedenfalls Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der es wissen muss. Debattierclubs, die diese These verinnerlicht und institutionalisiert haben, machen sich in Deutschland inzwischen immer stärker an den Universitäten bemerkbar. Seit Oktober letzten Jahres existiert ein solcher als studentische Initiative auch an der Ruperto Carola – er trägt den hübschen Namen "Die Rederei". Der "Unispiegel" traf sich mit den beiden Präsidenten, Ralf Lehnert und Christian Bechtel.
Rederei
Das bekannte Sprichwort hat nicht ganz Recht, wie man sieht und hört.
Abb.: Rederei

Zum vorläufigen Höhepunkt in der noch kurzen Clubgeschichte war es zu Semesterbeginn gekommen: das "Duell der Meister". Vier Professorinnen und Professoren der Universität – Frau Pucci (Physik), Herr Funke (Psychologie), Herr Pfeiffer (Jura) sowie Herr Schnierer (Anglistik) – trafen auf ein All Star Team des studentischen Reden- und Debattierclubs. Thema des Streitgesprächs: "Fortschritt ist eine Illusion". Erstere hatten die Rolle eines Anwalts übernommen, die Studierenden versuchten den Fortschritt als Trugbild zu entlarven. Christian Bechtel, Physikstudent und Vizepräsident der "Rederei", ist ehrlich: Der Gegner war uns überlegen und demonstrierte seine größere Spielpraxis eindrucksvoll – "uns fehlte ein wenig deren Cleverness". Aber eine tolle Erfahrung sei es dennoch gewesen, zumal auch das Publikum zahlreich erschienen war.

Die Initiative zur Gründung dieses Vereins war von Ralf Lehnert, einem Anglistik- und Politologie-Studenten und jetzigen Präsidenten der "Rederei", ausgegangen. Ein Studienaufenthalt in England und der damit verbundene Einblick in die dortige Debattierclub-Szene hatte ihn auf die Idee gebracht. Zurück in Heidelberg sprach er zunächst Christian Bechtel an, dann entwarf man ein Plakat und schon bald hatte man eine Gruppe von ca. 15 redehungrigen Studierenden beisammen – "Die Rederei" ward formiert, im Oktober 2001. Eine bunte Mischung, wie Ralf Lehnert erläutert: Fächer aus allen Bereichen sind vertreten, Studienanfänger und Fortgeschrittene – allerdings mehr Männer als Frauen. Das würde man gerne ändern. Warum es im Moment da noch ein Ungleichgewicht gebe? Dafür habe man leider keine Erklärung.

Die Gründung des Clubs hatte zunächst einen pragmatischen Hintergrund: Die rhetorischen Fähigkeiten, schließlich eine Art Schlüsselqualifikation für alle Studienfächer, sollten verbessert werden. Doch inzwischen geht es um viel mehr. Das für dieses Wintersemester erstmals vorgelegte Programm verdeutlicht dies: Wöchentlich trifft man sich, neben praktischen Rhetorikübungen stehen Debatten auf dem Stundenplan, die immer strikt nach dem Pro und Contra-Muster ablaufen. Die Themen sind aktuell (z.B. "Männer haben's leichter"), innerhalb eines Vier-Wochen-Rhythmus gibt es immer auch Platz für eine englischsprachige Debatte (z.B. "There is no just war").

Auch wenn man mit dem bisherigen Feedback zufrieden ist, über neue und weitere Mitstreiter (im wahrsten Sinne des Wortes) wäre man hocherfreut. "Wir sind keine geschlossene Gruppe, sondern offen für alle", betont Christian Bechtel. Und Ralf Lehnert ergänzt, dass "wir natürlich keine Profis sind und somit werden diesbezügliche Erfahrungen im Reden und Debattieren überhaupt nicht vorausgesetzt – wir sind Anfänger und Autodidakten." Natürlich bilde man sich weiter durch entsprechende Lektüre, aber in erster Linie gilt die Devise: Reden durch Reden lernen. Wie sehr das studentische Debattieren boomt, mag man daran ermessen, dass es inzwischen auch Hochschulturniere gibt samt Deutschen Meisterschaften. Christian Bechtel und Ralf Lehnert wollen nächstes Jahr eventuell in das Geschehen mit eingreifen. Und vielleicht heißt es dann ja nicht mehr nur: "Schweigen ist Silber, Reden sind Gold", sondern auch: "Gold im Reden." Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.

Kontakt: Ralf Lehnert, Im Neuenheimer Feld 133 (EG-001), 69120 Heidelberg, Tel. (06221) 47 37 19, E-Mail: die_rederei@web.de. Eine Homepage ist in Planung. Man trifft sich jede Woche mittwochs um 20.15 Uhr in Raum 2 des Marstallcafés im Dachgeschoss.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 08.12.2002