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Das Portrait
Kulturwissenschaftliche Perspektiven

Prof. Dr. Vera Nünning am Anglistischen Seminar der Ruperto Carola
Seit dem Sommersemester gibt es an der Ruperto Carola eine neue C4-Professorin für Anglistik. Prof. Dr. Vera Nünning übernahm als Nachfolgerin von Prof. Dr. Hans-Joachim Zimmermann den Lehrstuhl für Englische Philologie: Literaturwissenschaft (Renaissance bis Gegenwart).
Prof. Dr. Vera Nünning
Strebt nach einer Neuorientierung der Anglistik: Prof. Dr. Vera Nünning. Foto : Fink

Man muss ja nicht gleich das Rad wieder erfinden. Aber wichtig und zudem spannend ist es schon, wenn neu berufene Professorinnen oder Professoren sich kritisch mit dem aktuellen Zustand ihres Faches auseinandersetzen und schließlich Perspektiven für eine Neuorientierung entwickeln. Unterhält man sich mit Vera Nünning, kommt man sehr schnell auf das Thema Kulturwissenschaft zu sprechen. Zu einer solchen nämlich solle die Anglistik, ihrer Meinung nach, erweitert werden – interdisziplinär und mentalitätsgeschichtlich ausgerichtet. Das klingt gut. Doch ist das mit den aus den angelsächsischen Ländern übernommenen "cultural studies" nicht längst auch hier schon geschehen? Eben nicht.

Die "cultural studies", erläutert Nünning, sind ein ganz spezielles Phänomen in erster Linie der intellektuellen Landschaft Groß-Britanniens der letzten Jahrzehnte, das auf bestimmten Voraussetzungen beruht. Nicht dass diese Richtung von ihr gänzlich verworfen werde. Aber mit ihrer Auffassung von Kulturwissenschaft als einer spezifischen Ausrichtung des Fachs Anglistik dürfe man das nicht verwechseln. Nünning etwa weist deren alleinige Konzentration auf die zeitgenössische Populärkultur zurück und pocht dagegen auf einer philologischen Basis, verbunden mit der Ausbildung entsprechender Kompetenzen. Zuerst müsse ein klarer methodischer und theoretischer Rahmen entworfen werden, dann könne man sich interdisziplinär weiter orientieren. Ziel sei schließlich, so Vera Nünning, eine Einsicht in die britische und amerikanische Kultur von einem bewusst gewählten Standort der Fremdwahrnehmung aus; listigerweise, könnte man schlussfolgern, werden dabei die "cultural studies" dann ihrerseits zum Gegenstand einer Anglistischen Kulturwissenschaft gemacht, indem sie Aufschluss über den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand in den entsprechenden Ländern bieten.

Das Interdisziplinäre vereinigt Vera Nünning in einer Person. Nach ihrem Studium in Köln, wo sie 1961 geboren wurde und aufwuchs, promovierte sie 1989 zunächst im Fach Anglistik über "Die Ästhetik Virginia Woolfs". Ihre Habilitationsschrift "A Revolution in Sentiments, Manners, and Moral Opin-ions: Catharine Macaulay und die politische Kultur des englischen Radikalismus, 1760-1790" legte sie sechs Jahre später am Historischen Seminar der Universität Köln im Bereich der Neueren Geschichte vor, wo sie inzwischen eine Assistentenstelle innehatte. "Durchaus ungewöhnlich", meint Vera Nünning. Doch von einem kategorischen Fächerwechsel könne nicht die Rede sein. Abgesehen von inhaltlichen Affinitäten ihrer historischen Forschungen zur Anglistik habe sie in diesem Bereich auch weiterhin publiziert. Und so überrascht es nicht, dass der erste Ruf 1999 auf eine C3-Professur für Anglistische Literaturwissenschaft (an der TU Braunschweig) erfolgte; einen 2001 erfolgten Ruf auf eine C4-Professur in Osnabrück in Anglistik: Literaturwissenschaft lehnte sie zugunsten des Heidelberger Angebots ab.

Neben der Einführung und Institutionalisierung der Anglistischen Kulturwissenschaft sowie einer verstärkten Einbeziehung von Literatur und Kultur der Gegenwart liegt Vera Nünning die Lehre ganz besonders am Herzen. Eine Vielzahl von Monografien mit propädeutischem Charakter, die man in ihrem umfangreichen Schriftenverzeichnis findet, zeugt von einer ausgesprochen pädagogischen Ader. An Heidelberg gefällt ihr besonders die multikulturelle Atmosphäre. Und die architektonische Schönheit – von ihrem Arbeitszimmer aus hat sie einen wunderbaren Blick auf die Fassade der Jesuitenkirche und die Altstadtkulisse. Den schon beschlossenen Umzug an den Neckar, im Moment allerdings noch durch das Denkmalschutzamt verzögert, kann sie daher kaum erwarten. Dass sie im übrigen auch vom Anglistischen Seminar ganz hervorragend aufgenommen wurde, hat sie besonders gefreut. Angesichts der von ihr vertretenen und geforderten Strukturveränderungen ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Darauf lässt sich aufbauen.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 08.12.2002