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Mord mit der Harpune

Italienisches Theater im Romanischen Keller
Wer sich an diesem Abend in den Romanischen Keller begab, um italienisches Theater zu erleben, durfte sich auf eine amüsant-skurrile Darbietung freuen. Unter der Schirmherrschaft des Außenministeriums in Rom hatte die Theatergruppe der italienischen Abteilung des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) im dritten Jahr in Folge ein selbst erarbeitetes Theaterstück auf die Bühne gebracht.
Mord mit der Harpune
Surreale Geschichten hat das Stück "L'Albergo" viele auf Lager. Foto : Valensisi

"L'Albergo" – das Hotel – ist ein im Rahmen eines Literatur-Seminars am IÜD unter der Leitung von Luciana Palazzetti entstandenes Stück, das auf ausgewählten Texten zeitgenössischer italienischer Autoren basiert. Für die fachgerechte Inszenierung konnte auch in diesem Jahr wieder auf die professionelle Hilfe Simona Gonellas vom Mailänder Piccolo-Teatro zurückgegriffen werden.

"L'Albergo" erzählt die surreale Geschichte Carmelas, die sich vor einer riesigen Welle in ein Hotel flüchtet und dabei ihr Gedächtnis verliert. Das vermeintliche Hotel entpuppt sich jedoch bald als Irrenhaus, in das Carmela von ihrem Mann abgeschoben wurde. Hier trifft sie auf verschiedene Gestalten mit den unterschiedlichsten Psychosen, von denen jede eine ganz eigene rührende, bisweilen tragische Geschichte zu erzählen weiß.

Da ist zum Beispiel der Muränenfänger Lucas, der gesteht, eines Tages seine Geliebte mit seiner Harpune erstochen zu haben. Oder die schizophrene Diva Eulalia, die völlig im Banne eines Unbekannten in ihrem Spiegel steht. Schließlich auch Sirena Barberis, die Lehrerin aus einem lombardischen Bergdorf, die alles daran setzt, den anderen Insassen ihren Dialekt beizubringen, damit sich der größte Fehler ihres Lebens nicht wiederholt. Als Marianna, gehörlos und ebenfalls verrückt, schließlich die einzige Zeugin des geplanten Mordkomplotts gegen Carmela wird und diese vergeblich vor dem Vorhaben der Anstaltsleiterin zu warnen versucht, spitzt sich die Lage endgültig zu.

Eine gelungene Verflechtung vieler einzelner Geschichten konnte bestaunt werden, deren Protagonisten in Anlehnung an Figuren von Tabucchi, Capriolo, Maraini und Pariani entstanden sind. Dieses Patchwork der Charaktere und ihre fast professionell anmutende Verkörperung ist zugleich die Seele des Stücks, das mit schlichten Requisiten und ganz ohne Bühnenbild auskommt.

Das aussagekräftigste Urteil jedoch gab das Publikum ab: herzliches Gelächter, knisternde Stille und schließlich – trotz brütender Hitze und ersten Anzeichen von Sauerstoffmangel im übervollen Romanischen Keller – ein nicht enden wollender Applaus. Nach der Heidelberger Aufführung gab es am 8. November in Mailand noch eine Zugabe, und im Dezember wird "L'Albergo" noch in Bologna zu sehen sein. Es soll sogar noch Karten geben.

Judit Trombitàs/Frank Schmierer ende

 

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Updated: 08.12.2002