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Anfangszeit von Lehre und Forschung an der Ruperto Carola

Der neueste Band des "Heidelberger Gelehrtenlexikons" von Dagmar Drüll umfasst die ersten 250 Jahre der Universität
Seit 1986 erscheint das auf mehrere Bände angelegte "Heidelberger Gelehrtenlexikon", die jüngste Lieferung umfasst den Zeitraum von 1386 bis 1651. Der "Unispiegel" bat Prof. Dr. Reinhard Düchting vom Seminar für Lateinische Philologie des Mittelalters um eine kritische Lektüre.
Kurfürst Ruprecht I.
Stiftete 1386 die Universität Heidelberg: Kurfürst Ruprecht I.
Abb.: Archiv

Zum 600-jährigen Universitätsjubiläum 1986 war der erste (und zeitlich dritte) Band des Heidelberger Gelehrtenlexikons für den Zeitraum 1803-1932 erschienen, also von der Reorganisation durch Großherzog Karl (Friedrich), wodurch erst die alte Pfälzer rupertinische Universität eine Ruperto Carola wurde, bis zum fatalen Einschnitt 1933; umfassend das reiche und glänzende 19. und frühe 20. Jahrhundert der historischen und der Naturwissenschaften – eine Registrierung von rund 750 Professoren auf über 300 Seiten. 1991 wurde der (auch zeitlich) zweite Band der Jahre 1652-1802 vorgelegt: von der Wiederaufnahme des Universitätsbetriebs nach dem Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende der Kurpfalz mit dem des Alten Reichs – etwas über 200 Seiten mit rund 275 Professoren, davon über 100 Jesuiten. Nun legt Dr. Dagmar Drüll vom Universitätsarchiv den dritten (und zeitlich ersten) Band des Heidelberger Gelehrtenlexikons vor. Dieser umfasst von der kurfürstlichen Stiftung 1386 bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs über 250 (nicht, wie im Vorwort fälschlicherweise angegeben, 150) Jahre. Mit der erstellten Liste von über 900 Magistern und Professoren auf 650 Seiten ist er der umfangreichste Band. Jetzt lassen sich die Daten für die Professoren-Biographien von den Anfängen der Ruperto Carola bis 1933 über knapp 550 Jahre verfolgen.

Der jetzt erschienene Band dürfte höchstes Interesse finden, dokumentiert er doch die Anfangsjahre von Lehre und Studium vor und nach 1400, also des ersten Rektors Marsilius von Inghen, seiner Kollegen und Nachfolger; dann besonders die humanistische Blütezeit unter Kurfürst Philipp dem Aufrichtigen (1476-1508) und Kanzler und Bischof Johann von Dalberg (1480/82-1503) und die Theologen, Juristen, Mediziner, Historiker, Bibliothekare (und Dichter) der pfälzischen Reformation und Renaissance von spätestens 1556 bis 1623 -insgesamt ein Lehrkörper bedeutender, größtenteils hoch reputierter Fachgenossen (einschließlich der "Kohorten nahezu unbekannter Lehrkräfte im Magisterrang", wovon im Vorwort die Rede ist).

Jeder Artikel ist gleich aufgebaut: Jahre der akademischen Tätigkeit in Heidelberg, Fakultät; Lebensdaten, Konfession; Eltern, gegebenenfalls Ehestand, Kinder, Verwandtschaft; akademische Karriere, besonders in Heidelberg; Ehrungen; Quellen (gelegentlich mit Zitaten), Werke, Literatur (Grabschrift, Porträt). Welche Daten hier von der Bearbeiterin aus den Heidelberger Rektorats- und Fakultätsakten gehoben und penibel registriert worden sind, wird jeder Benutzer bald und für immer spüren und anerkennen müssen (wie sie selbst dankbar die Vor- und Zuarbeiten der Archivkollegen und Historiker Keßler, Lutzmann, Miethke, Weisert und Wolgast genutzt hat). Freilich sollten die Benutzerhinweise der Einleitung gründlichst studiert werden und allezeit im Kopf sein: k unter c, j und y unter i wie etwa Grynaeus weil eigentl. Griner vor Grundtler (zu dessen Frau Olympia Fulvia Morata 598).

Die Entscheidung, die Lehrenden vor 1500 unter Vor/Taufname (+ Familienname) anzusetzen, die nach 1500 unter dem Familiennamen, wird namengeschichtlich begründet, ist aber sehr gewöhnungsbedürftig: also Wimpfeling unter Jakob; getrennt wird so Adam (Wernher von Themar) von seinen drei Neffen Adam, Johann und Peter, die unter Wernher zu finden sind. Den Gräzisten Micyllus (eigentl. Moltzer) wird man wie üblich gräzisiert erwarten und auch finden, ebenso den Gräzisten und Bibliothekar Xylander (eigentl. Holtzmann) oder den Latinisten Pithopoeus (eigentl. Helm); dagegen den berühmten Mediziner und Neulateiner Petrus Lotichius Secundus unter Lotz oder Petiscus unter Petisch, weil keine Übersetzungen, sondern bloße latinisierte Endungen erfolgten; Vigilius = Wacker, doch weil vor 1500 tätig unter Johann (Wacker/ Vigilius) von Sinsheim erfasst usw. Verweisungen von allen in den Akten vorkommenden orthographischen Abweichungen helfen in jedem Fall weiter; so beginnt das Lexikon schon mit Verweisungen zu acht Einträgen. Zu beachten außerdem das ausgeklügelte Klammersystem, dem etwa zu entnehmen ist, wann ein Dozent vom Kurfürsten an die Universität berufen wurde.

Willkommen sind verschiedene Beigaben: das Chronologische Verzeichnis der amtierenden Magister und Professoren nach Fakultäten (569ff) sowie die Übersicht über die konfessionelle Zugehörigkeit der Professoren nach Fakultäten seit 1522 (593ff), auch die Liste der Pestzeiten in Heidelberg und die damit verbundene Verlegung der Universität (XLIf). Das ausgewählte und doch so reiche Quellen- und Literaturverzeichnis wird jedem an der Historie der Ruperto Carola Interessierten nützlichste Dienste tun (600-650); Karl Hartfelder scheint in jedem Fall ausgewertet zu sein, nicht bibliographiert (?) ist die Sammlung seiner "Studien zum pfälzischen Humanismus" durch W. Kühlmann und H. Wiegand (1993). Willkommen, weil bequem zu handen, sind die Wichtigen Daten zur Universitätsgeschichte 1386 bis 1651 (XXXIIIff), noch mehr das Glossar (XXVff) akademischer Grade, Gremien und Einrichtungen.

Der Springer-Verlag (Berlin – Heidelberg – New York) hat auch diesen Band, für 65 Euro im Buchhandel erhältlich, bestens betreut und ausgestattet. Die Bearbeiterin Dagmar Drüll(-Zimmermann) hat schon längst ihren Namen mit dem Heidelberger Gelehrtenlexikon verbunden. Sie wird den Dank aller, die mit den drei Lexikonbänden recherchierend arbeiten, entgegennehmen. Das Rektorat hat Dank und Anerkennung bereits darin dokumentiert, dass es ihr auch den vierten Band für die Jahre 1933 bis zum Jubiläum 1986 anvertraut hat.

Reinhard Düchting ende

 

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Updated: 08.12.2002