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Baumeister eines weltweiten Pharma-Konzerns

Die Universität Heidelberg verdankt Curt Engelhorn ein Seminarzentrum und eine Professur für Amerikanische Geschichte
Die "Unispiegel"-Serie "Stifter & Sponsoren" widmet sich jenen Privatleuten, die die Ruprecht-Karls-Universität nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützen. Nach Viktor Dulger und Manfred Lautenschläger folgt nun in dieser Ausgabe ein Porträt über den Ehrensenator Curt Engelhorn.

In den Museumsführern für Deutschland wird künftig ein neuer Name stehen: Die Stadt Mannheim hat in diesem Frühjahr das bisherige Reiß-Museum in "Reiß-Engelhorn-Museum" umbenannt. Anlass für die Namensänderung war eine ungewöhnlich großzügige Stiftung für das Museum in Höhe von 20 Millionen Euro. Dem Stiftungskuratorium gehören Vertreter renommierter Museen und Museumsverbände aus Berlin, Frankfurt, Wien, Paris und Zürich an. Keine Frage: Die internationale Kultur-Szene wird mit der Kurpfalzmetropole Mannheim rechnen müssen.

Der Mäzen, der die Mannheimer mit diesem Geschenk überraschte, ist Curt Engelhorn, langjähriger geschäftsführender Gesellschafter der Pharmagruppe Boehringer Mannheim und Ehrensenator der Universität Heidelberg. Die Stiftung hat auch einen familiären Hintergrund: Engelhorn ist mit der Museums-Gründerfamilie Reiß verwandt. Sein Urgroßvater Friedrich Engelhorn, der einst die in Ludwigshafen ansässige BASF gründete, war der Vater von Berta Reiß, der Ehefrau des Stifters Carl Reiß. Engelhorn selbst, mittlerweile 76 Jahre alt, hatte 1960 die Leitung von Boehringer Mannheim übernommen und das Familienunternehmen zum multinationalen Konzern ausgebaut, bevor er es 1997 an den Schweizer Pharma-Riesen Roche verkaufte.

"Seit über vierzig Jahren mit der Universität Heidelberg verbunden"

Mit der Universität Heidelberg ist der heute auf den Bermuda-Inseln lebende Unternehmer seit über 40 Jahren verbunden. "Meine Kontakte zur Universität Heidelberg begannen mit dem 100-jährigen Jubiläum der Boehringer Mannheim GmbH im Jahr 1959", erinnert sich Engelhorn. "Wir haben der Universität eine Million Mark – damals viel Geld – gestiftet."

Curt Engelhorn
Verantwortunsgbewusstes Mäzenatentum: Curt Engelhorn. Foto : privat

Zwischen dem forschungsintensiven Pharma-Unternehmen Boehringer Mannheim und der Universität im benachbarten Heidelberg bestanden mehr als 100 Jahre lang vielfältige Kontakte. So erhielten mehrere Wissenschaftler von Boehringer Mannheim Professuren an der Universität. Als 1967 die damalige Rektorin, Frau Prof. Gmelin, dem Forschungsleiter des Unternehmens, Dr. Erich Haack, eine Professur verlieh, wurde dieses Ereignis mit einem Empfang in Curt Engelhorns Haus in Oberflockenbach gefeiert. Engelhorn ahnte damals noch nicht, dass er 33 Jahre später sein Wohnhaus – ursprünglich von Catarina Valente in einem Landschaftsschutzgebiet im Odenwald erbaut – der Universität übereignen würde. Mitte der 80er Jahre verließ Engelhorn nämlich nach mehr als 20 Jahren sein Zuhause in Oberflockenbach, nachdem er die Leitung der Obergesellschaft seines Unternehmens, der Corange Limited in Bermuda, übernommen hatte. Die engen Beziehungen zur Universität Heidelberg brachten ihn auf die Idee, das Haus nun für Studierende und Forscher der Universität zur Verfügung zu stellen – als Ort für Seminare und wissenschaftliche Kolloquien jenseits des normalen Lehrbetriebs. Die Universität griff diesen Gedanken gerne auf, und so entstand aus dem Engelhornschen Haus ein exklusives Seminarzentrum. Es kann 25 Teilnehmer beherbergen und ist dank seiner Ruhe und idyllischen Lage hervorragend geeignet für den intensiven wissenschaftlichen Austausch.

Im Frühjahr 2000 schenkte Engelhorn der Universität das Seminarzentrum, das von da an den Namen "Curt Engelhorn-Seminarzentrum der Universität Heidelberg" trägt. Dass dieses Haus mit mehr als 60 Veranstaltungen pro Jahr eifrig genutzt wird und im Geschehen der Universität heute eine wertvolle und wichtige Rolle spielt, freut den Mäzen außerordentlich: "Darüber bin ich natürlich sehr glücklich."

"Mäzenatentum ist in Deutschland und Europa leider sehr dünn gesät"

Von einer weiteren Spende profitieren seit dem Wintersemester 1999/2000 vor allem die Studentinnen und Studenten, die am Historischen Seminar amerikanische Geschichte studieren: Rund 750.000 Euro stellte Engelhorn für dieses Fach zur Verfügung und finanziert damit für die Dauer von zehn Jahren eine Stiftungsprofessur – ein Novum in Baden-Württemberg, wo es bislang keinen Lehrstuhl für amerikanische Geschichte gab.

Der frühere Rektor der Universität, Prof. Dr. Jürgen Siebke, sprach von einer "Lücke in Forschung und Lehre", die dank der Spende beseitigt werden konnte. Nach Ablauf der zehn Jahre werde das Land Baden-Württemberg die Kosten des Lehrstuhls übernehmen. Den Ruf für die "Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte" erhielt Prof. Dr. Detlef Junker, Professor für Neuere Geschichte und Direktor des Deutschen Historischen Instituts Washington D.C.; der Wissenschaftler war bereits von 1975 bis 1994 an der Ruprecht-Karls- Universität in Heidelberg als Professor für Neuere Geschichte tätig. Ziel des neuen Lehrstuhls ist es, die US-amerikanische Geschichtsforschung unter Einschluss von Kanada zu intensivieren.

"Ich hatte erfahren, dass die Pflege der amerikanischen Geschichte an der Universität Heidelberg im Argen lag", erläutert Engelhorn das Motiv für seine Spende. Im Vergleich dazu sei die deutsche Geschichte an den US-Universitäten weit besser entwickelt gewesen. "Da meine Mutter Amerikanerin war und da bekanntlich ein amerikanischer Senator nach dem ersten Weltkrieg die ‚Neue Universität' in Heidelberg gestiftet hat, empfand ich diesen Zustand als sehr bedauerlich." Hieraus sei dann die Idee für die Stiftungsprofessur am Historischen Seminar entstanden. Engelhorn: "Dieser Impuls hat offensichtlich zu einer wesentlichen Verbesserung geführt, wofür ich Professor Detlef Junker äußerst dankbar bin."

Curt Engelhorn war ein sehr erfolgreicher Unternehmer. Nachdem er 1947 das Abitur in München abgelegt hatte, siedelte er mit Mutter und Schwester nach Texas über und wurde zum Chemie-Ingenieur ausgebildet. Mit 34 Jahren trat er 1960 als geschäftsführender Gesellschafter an die Spitze des Familienunternehmens Boehringer Mannheim, aus dem er einen multinationalen Pharma-Konzern machte. Aus einer mittelständischen Firma mit einem Umsatz von 50 Millionen Mark formte er einen internationalen Gesundheitskonzern mit jährlichen Verkäufen von über sechs Milliarden Mark. Boehringer hatte traditionell Arzneimittel hergestellt. Curt Engelhorn besaß den Weitblick und das Gespür, dass sich künftig vor allem mit Diagnostica und diagnostischen Geräten Geld verdienen lässt. Der Einstieg in dieses wachstumsträchtige Geschäftsfeld erwies sich als richtige Entscheidung, die sich auch heute noch – unter dem neuen Eigentümer Roche – für das Mannheimer Unternehmen auszahlt.

Als im Mai 1997 völlig überraschend der schweizerische Pharmariese Roche bekannt gab, er wolle für 18 Milliarden Mark die traditionsreiche Boehringer-Mannheim-Gruppe übernehmen, schlug die Nachricht in Mannheim und der Region wie eine Bombe ein. Sprachlosigkeit und Ängste machten sich breit. Viele der rund 6000 Boehringer-Mitarbeiter in Mannheim fürchteten um ihren Arbeitsplatz. Zu Unrecht, wie sich herausstellte: Die Familie Engelhorn hatte ein kerngesundes und für den neuen Eigentümer – gerade im Bereich der Diagnostica – hochinteressantes Unternehmen verkauft. Seit der Übernahme investiert Roche kräftig am Standort Mannheim und schafft auch neue Arbeitsplätze. Die vielfältigen Beziehungen, die Boehringer Mannheim zu den wissenschaftlichen Einrichtungen der Region aufgebaut hat, werden weiterhin gepflegt und gelten heute für Roche als wertvoller Standortvorteil.

"Persönliches Engagment und Verantwortung"

"Auch bei den Mitarbeitern lässt man nach wie vor nichts auf den einstigen Unternehmenschef kommen", beobachtet Gert Goebel, Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion des Mannheimer Morgen. "Selbst die Tatsache, dass Engelhorn vor fünf Jahren zustimmte, die Traditionsfirma an Roche zu verkaufen, haben ihm wohl die meisten verziehen. Die Mitarbeiter wissen auch, dass ihr einstiger Chef mit dem Geld viele gute Dinge auf den Weg bringt."

Neben seinem Engagement in Mannheim und Heidelberg sind hier vor allem auch Stiftungen in Basel und Luxemburg zu nennen. In Basel rief Engelhorn die European Foundation for the Advancement of Medicine ins Leben, "die ganz gezielt Initiativen ergreift oder Projekte fördert, die sonst zu kurz kommen würden", wie der Stifter erklärt. Aus einer solchen Initiative entstand die Engelhorn Foundation Database for Rare Diseases in Luxemburg. Ziel dieser Datenbank ist eine weltweite elektronische Dokumentation seltener Krankheiten, auf die Forscher, Ärzte und Patienten Zugriff haben (www.engelhorn foundation.org). Das Projekt wird unter anderem vom National Institute of Health, der weltweit größten Gesundheitsorganisation, und vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt.

"Das Mäzenatentum ist in Deutschland und Europa leider sehr dünn gesät", sagt Engelhorn. Allzusehr bestehe die Neigung, alles dem Staat zu überlassen, was angesichts hoher Steuern auch kein Wunder sei. Dennoch ermuntert der Mäzen, diesem Trend entgegen zu wirken: "Mehr persönliches Engagement und persönliche Verantwortung wären wirklich zu begrüßen."

Christian Deutsch ende

 

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Updated: 23.10.2002