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Moot, Meet & Compete

Wie aus Jura-Studenten Rechtsanwälte werden
"Ihr hättet ins Kino gehen, Bücher lesen, Freunde treffen und Nächte durchzechen können; ihr hättet Urlaub machen, wandern oder Sport machen können; aber ihr hattet euch dazu entschlossen, euch selbst zu bestrafen und an diesem Moot Court teilzunehmen", so die Worte des Präsidenten der European Law Moot Court Society, Antonio Santos, bei Bekanntgabe der Ergebnisse des Regional Final in Lissabon.

Treffender hätte man die Vorbereitungszeit für diesen Wettbewerb nicht beschreiben können: Nächte in der Bibliothek auf der Suche nach geeigneter EuGH-Rechtssprechung, stärkster Kaffeekonsum während hitziger Diskussionen über die "richtige" Lösung des Falles und zu guter Letzt der Endspurt zur Post, um den Schriftsatz noch rechtzeitig abzusenden. Und als ob die sechs Wochen noch nicht aufreibend genug gewesen wären, wurde es mit der mündlichen Phase erst richtig anstrengend. Fast jeden Tag musste mindestens einmal das Plädoyer vorgetragen werden. Und auch wenn das Wort Stress bald mehr Lebensauffassung als kurzweilige Überbelastung zu sein schien, so hatte man trotz allem doch immer die Belohnung vor Augen, nämlich in Lissabon oder San Francisco auftreten zu dürfen, um seinen Mandanten (den Nirvana Regional Development Fund oder das Imperian Office of Overseas Aid) zu verteidigen.

Auch diesmal waren wieder Heidelberger dabei am internationalen European Law Moot Court, einem Wettbewerb auf dem Gebiet des Europarechts, welcher alljährlich ausgetragen wird; der "Unispiegel" hatte darüber bereits vor einem Jahr informiert. In einer ersten Phase erarbeiten die Teams (drei bis vier Personen) Schriftsätze, in welchen ein fiktiver Fall für die jeweiligen Parteien gelöst werden muss. Beide Ansichten sollen in getrennten Schriftsätzen argumentiert werden, was oft zu abenteuerlichen Ausführungen führt, hat doch eine Partei meist die schlechteren Karten. "Amtsprache" des Moot Courts sind gleichermaßen Englisch und Französisch, wobei man bei den Schriftsätzen noch frei wählen darf.

Moot, Meet & Compete
Statt ins Kino zu gehen oder sich anderweitig zu vergnügen, nahmen diese jungen Juristen im Moot-Court Wettbewerb teil – so etwas wie die Olympiade für Jura-Studierende. Foto : privat

Die zweite Phase stellt das eigentliche Highlight dar: in vier Universitätsstädten, die alljährlich wechseln, stehen sich je 10 Universitäten im Wettstreit der Worte gegenüber: jetzt darf jeder seine anwaltlichen Qualitäten beweisen. Auf Englisch und Französisch wird plädiert, argumentiert, taktiert und den hartnäckigen, manchmal verschlagenen oder ganz einfach nur fiesen Fragen der Richterbank (alles ehrenamtlich agierende Praktiker) Paroli geboten. Die Richter haben dabei eine bemerkenswert nachdrückliche aber freundliche Art, Informationen aus den "Anwälten" zu kitzeln; abgesehen natürlich von den Fangfragen, die dazu gedacht sind, einfach nur aufs Glatteis zu führen. Mit jeder weiter erreichten Runde werden die Argumente extravaganter und ausgefeilter, um bei der Jury keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass alleine der eigene Mandant Recht bekommen müsse.

Auf die Sieger der vier Regionalfinale wartet dann die ganz besondere Ehre: ein Auftritt am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg, diesmal vor den wirklichen "Hütern der Verträge", welche den Gesamtsieger küren. Doch kommt es auf einen Sieg gar nicht so sehr an. Schon die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb ist ein unvergessliches Erlebnis. Nicht selten formten sich in den Mannschaften Freundschaften fürs Leben. Es werden interessante Kontakte zu Studierenden aus anderen Ländern und auch zu der ein oder anderen Kanzlei geknüpft. Und über Angst vor mündlichen Präsentationen und Prüfungen kann ein "Mootie" vermutlich nur noch leise lächeln. Dafür sorgt nicht zuletzt die sorgfältige Vorbereitung vor dem großen Auftritt. In nahezu täglichen Probeläufen werden die Teilnehmer durch den Betreuer und ihre fachlich natürlich am besten qualifizierten Mitstreiter durch ständiges Nachhaken in ihrer Argumentation gefestigt und lernen, schlagfertig zu antworten. Auf Englisch und Französisch, versteht sich!

An der Universität Heidelberg betreut seit Jahren der Lehrstuhl von Prof. Dr. Peter-Christian Müller-Graff mit gutem Erfolg die Teilnehmer an diesem Wettbewerb. Durch tatkräftige finanzielle Unterstützung der Universitätsstiftungen, des DAV sowie renommierter Kanzleien wie z.B. Linklaters Oppenhoff & Rädler, Hengeler Müller, Shearman & Sterling und den Heidelbergern Melchers Schubert Stocker Sturies, gelingt es in der Regel, für Unterkunft und Anreise (in diesem Jahr sogar nach San Francisco) in vollem Umfang aufzukommen, was eine Teilnahme natürlich noch ein wenig interessanter macht. In diesem Jahr konnten sogar zwei Teams ins Rennen geschickt werden, welche sich hervorragend schlugen. Ein Team musste sich gar erst im Finale gegen eine britische Bar-School geschlagen geben. Doch wie schon gesagt: für diesen Wettbewerb gilt mehr denn je die alte Parole: dabei sein ist alles! Oder im "Mootie-Jargon": Moot, Meet & Compete!

J. Lenk / K. Look / B. Müller ende

 

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Updated: 23.10.2002