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Das Portrait

History und HerStory: Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick am SAI
Zum ersten Juli hat am Südasien-Institut (SAI) der Universität Heidelberg eine neue C4-Professorin ihren Dienst angetreten: Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick übernimmt als Nachfolgerin von Prof. Dr. Dietmar Rothermund den Lehrstuhl für Neuere Geschichte Südasiens.

Mit Deutschland kam Gita Dharampal-Frick schon als Schülerin in Kontakt. In Mussoorie (Uttar Pradesh) geboren, erfuhr sie ihre Grundschulausbildung zunächst in Indien, ehe sie nach England übersiedelte und in London das Gymnasium besuchte. Noch heute schwärmt sie von ihrer damaligen Deutschlehrerin, die, obwohl jüdische Emigrantin, ihren Schützlingen die deutsche Kultur und Sprache mit vorurteilsfreier Begeisterung nahe brachte. Kein Zufall also, dass Dharampal-Frick sich an der Universität zunächst für das Hauptfach Germanistik (neben Romanistik und Philosophie) entschied.

Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick
Europäischer Blick auf Indien: Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick. Foto : Fink

Ihren ersten Sanskrit-Unterricht erhielt sie ausgerechnet während eines Auslandsstudiums an der Universität Leipzig. Was nicht ohne Folgen blieb. Denn ein zunehmendes Interesse für ihre Herkunftskultur bewog sie schließlich doch, sich (über die Zwischenstation eines Ethnologie-Studiums in Cambridge) der Neueren Geschichte Indiens zuzuwenden – und nicht im Fach Germanistik zu promovieren.

Ein Schwerpunkt ihrer historischen Beschäftigung mit Indien in der Folgezeit war die Geschichte der europäischen Kontakte mit dem südasiatischen Subkontinent. Ihre an der Pariser Sorbonne eingereichte Doktorarbeit ("La religion des Malabars. Tessier de Quéralay et la contribution des missionaires chrétiens à la naissance de l'indianisme", 1980) galt Missionarsberichten und deren Rolle für die Frühgeschichte der europäischen Indologie. Die Freiburger Habilitationsschrift von 1992 ("Indien im Spiegel deutscher Quellen der Frühen Neuzeit, 1500-1750. Studien zu einer interkulturellen Konstellation") erweiterte diese Ansätze zu einem Gesamttableau der deutschen Wahrnehmung Indiens in der vor- und frühkolonialen Ära. Als Heisenberg-Stipendiatin der DFG, Privatdozentin in Augsburg und Gastdozentin in Stanford wandte sich Dharampal-Frick verstärkt Fragen der indischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts zu und beschäftigte sich u.a. mit Auswirkungen des europäischen Kolonialismus, fundamentalistischen Strömungen in Südasien und regionalen Aspekten der Globalisierung.

Wie wichtig die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem südasiatischen Subkontinent generell ist, wird Gita Dharampal-Frick nicht müde zu betonen. Immerhin handele es sich hier um eine der ältesten Zivilisationen der Welt, zudem komme diesem Raum, in dem fast ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, im Zeitalter einer zunehmenden Globalisierung eine herausragende Bedeutung zu. Und schließlich verweist sie auf den (in diesen Tagen mit Recht heftig diskutierten) Nachholbedarf gerade der deutschen Historikerzunft im Bereich der Außereuropäischen Geschichte.

Dem Studium und der Erforschung der südasiatischen Geschichte will sie, in der Kontinuität der bedeutenden Leistungen ihres Vorgängers, auch einige neue thematische und methodische Impulse verleihen. So bietet sie im jetzt beginnenden Wintersemester u.a. einen Lektürekurs zum Thema "Frauen und Geschichte in Südasien" an. "HerStory" nennt sie – verschmitzt lächelnd – ihren Beitrag zur gender-Forschung; auch eine fächerübergreifende Vortragsreihe dazu schwebt ihr vor. Vorlesung und Hauptseminar widmen sich Mahatma Gandhi, dessen Anstöße für die indische Gesellschaft (und möglicherweise auch für den Westen) Dharampal-Frick noch nicht erschöpft scheinen. Und auch in der Abteilung für Neuere Geschichte am SAI hat sie einiges vor: Mehrere Symposien sind geplant, der Kontakt zu indischen Wissenschaftlern soll intensiviert werden, der Aufbau eines interdisziplinären und internationalen Netzwerks zur modernen Südasienforschung ("South Asian Modernity", kurz: SAM) ist im Gang.

In Heidelberg hat sie sich inzwischen schon gut eingelebt, jetzt freut sie sich auf ihr erstes Semester hier. Vor allem wünscht sie sich einen regen Austausch mit ihren neuen Studierenden, nicht nur denen am SAI, sondern auch den Geschichtsstudentinnen und -studenten aus der Altstadt. Von den Kollegen des dort beheimateten Historischen Seminars der Universität wurde sie jedenfalls, wie Gita Dharampal-Frick erfreut berichtet, schon sehr herzlich aufgenommen.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 23.10.2002