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Noch Volk der Dichter und Denker?

Studium Generale beschäftigt sich im Wintersemester mit Bildungsfragen
Die Ergebnisse der Pisa-Studie haben unser Land aufgeschreckt. Überall wird nach Ursachen und Schuldigen gesucht. Auch an Reformvorschlägen herrscht kein Mangel. Zwar betrifft das schlechte Abschneiden bei der Pisa-Studie den Schulbereich, doch gehen die Selbstzweifel weit darüber hinaus. Eine ganze Nation fragt sich: Sind wir noch das Volk der Dichter und Denker?

Es war schon immer das Ziel der Vortragsreihe "Studium-Generale", solche oft mit mehr Emotion als Sachverstand geführten Diskussionen wissenschaftlich zu begleiten und zu vertiefen. Gleichwohl bekräftigt Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger, dass die titelgebende "Frage auch bewusst provozieren soll."

Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar
Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar. Foto : Archiv

In zehn Vorträgen werden im Wintersemester prominente Vertreter der Bildungswelt zu Wort kommen. Natürlich wird die Pisa-Studie selbst ein Thema sein: Am 18. November wird die Kultus-Ministerin des Landes Baden-Württemberg, Dr. Annette Schavan, über "Pisa und die Folgen" referieren, am 3. Februar ihre Ministerkollegin aus Thüringen, Prof. Dagmar Schipanski, über "Fluchtlinien der Bildungspolitik" (und dabei insbesondere den Hochschulbereich betrachten). Alle sind sich einig, dass die Bildungsmisere auch finanzielle Gründe hat, doch "Was ist uns unsere Bildung wert?", fragt der Heidelberger Politologe Prof. Manfred Schmidt am 2. Dezember. Überhaupt wird immer deutlicher, dass der Schlüssel für die Lösung der Probleme in der Entscheidung für eine andere Wertehierarchie liegt. So geht es zum Beispiel um eine neue Bewertung der Kulturwissenschaften, so etwa der Geschichtswissenschaften. Das Thema des Eröffnungsvortrags von Prof. Luise Schorn-Schütte, Frankfurt, am 11. November lautet entsprechend: "Wozu noch Geschichtswissenschaften? Überlegungen zu einem Thema des 20. Jahrhunderts." Für die Hochschulen geht es um die Gültigkeit des Humboldtschen Bildungsideals. Vor diesem Hintergrund ist der Vortrag von Dr. Brigitta-Sophie von Wolff-Metternich, Heidelberg, am 9. Dezember zu sehen: "Was heißt heute: sich im Denken orientieren? Kritische Anmerkungen zur Standardisierung des Wissens."

Als eine der häufigsten Ursachen des Scheiterns in Schule und Beruf hat sich mangelnde sprachliche Kompetenz und Sensibilität erwiesen. Mit der Rolle der Sprache beschäftigen sich gleich drei Vorträge: Prof. Wolfgang Frühwald, Präsident der Humboldt-Stiftung, wird über "Kulturenstreit oder Von der Rolle der Sprache in der Wissenschaft" (26. November) referieren, Martin Walser über "Vokabular und Sprache" (13. Januar) und Dr. Erhard Eppler, Bundesminister a.D., sich schließlich die Frage stellen: "Was verrät unsere politische Sprache?" (20. Januar).

Um der Gefahr der Nabelschau vorzubeugen, kommt auch eine ausländische Wissenschaftlerin zu Wort. Am 27. Januar spricht die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Prof. Liliane Weissberg über das Thema "Von der Einfachheit zu dichten und zu denken, und der Schwierigkeit, ein Volk zu sein". Die Außenperspektive kennzeichnet auch den Abschlussvortrag am 10. Februar. Um Wert und Geltung der deutschen Kultur und Sprache in der heutigen Welt geht es Prof. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts Inter Nationes, in ihrem Vortrag über "Die Aufgabe der Kultur- und Sprachvermittlung". Fazit: Ein hochinteressantes Programm, bei dem übrigens unter den Referenten die Frauen erstmals in der Mehrheit sind.

Alle Vorträge 19.30 Uhr (Aula der Neuen Universität) – Ausnahmen: 26.11. und 3.2.; Rücksprache: (06221) 542370.

 

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Updated: 23.10.2002