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Todesursache: Euthanasie

Eine Ausstellung in der Sammlung Prinzhorn
In den Jahren 1940 bis 1945 wurden über 200 000 Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Anstalten und Pflegeheimen ermordet. Das Leben der Menschen mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung galt deutschen Rassefanatikern als "lebensunwert".

Auch wenn die Dunkelziffer höchstwahrscheinlich weitaus höher liegt, von den rund 430 Patienten-Künstlern der Sammlung Prinzhorn wurden mindestens neunzehn Opfer der NS-Mordfabriken. Das ist Anlass, eine Auswahl ihrer Bilder zu zeigen und ihre Biografien nachzuzeichnen, die um Ausschnitte der Anstaltsgeschichten ergänzt sind. Was alle eint, ist somit das gleiche Todesschicksal und nicht Gemeinsamkeiten auf ästhetischer Ebene. Dr. Thomas Röske, einer der Ausstellungsmacher, betont denn auch, dass es vor allem darum gehe, die "Nähe zu den Menschen" herzustellen. Ausgangspunkt der interdisziplinär erarbeiteten Ausstellung ist eine kurze Darstellung über die "Euthanasie" im Nationalsozialismus.

Zu den Ermordeten zählen u.a. namhafte Künstler wie Franz Karl Bühler, der Ende des 19. Jahrhunderts eine glänzende Karriere als Kunstschmied gemacht hatte, Paul Goesch oder Joseph Schneller. Aber auch unbekannte, selten oder nie gezeigte Künstler werden vorgestellt wie etwa Eva Bouterwerkon ("Ich liebe die Kunst über alles"), von der bunte Blumen-Stilleben zu sehen sind, oder Margarete Kuskop, die ihr zeichnerisches Talent mit einer Pastellzeichnung andeutet.

Die künstlerischen Arbeiten sowie Briefe und Dokumente geben Einblick in das Denken und Empfinden dieser meist als "schizophren" hospitalisierten Menschen. Sie lassen ihre individuellen Schicksale, Traumata und Träume deutlich werden, mit denen sie eines Tages auffällig, psychiatrisiert und von den Nazis schließlich als "tote Menschenhülsen" getötet wurden. Mit Bussen, deren Fensterscheiben grau zugemalt waren, wurden die als "arbeitsunfähig" Selektierten aus Einrichtungen in ganz Deutschland und den besetzten Gebieten geholt und – zur Verschleierung meist über Zwischenstationen – in eine der sechs Tötungsanstalten gebracht: Grafeneck (Württemberg), Brandenburg (Havel), Hartheim (Linz), Sonnenstein (Pirna), Bernburg (Saale) oder Hadamar (Limburg). Tötete man in den ersten Jahren mit Gas und Gift, betrieb man nach öffentlichen Protesten ab 1941 die Vernichtungsmaschinerie unauffälliger durch Misshandlung, Vernachlässigung, Hunger und daraus folgenden Krankheiten.

Vom 3. Oktober 2002 bis 2. März 2003. Geöffnet: Di – So 11 bis 17 Uhr, Mi bis 20 Uhr, Adresse: Voßstr. 2. Öffentliche Führungen: Mittwoch 18 und Sonntag 14 Uhr; Sonderführungen nach Vereinbarung. Homepage: www.prinzhorn. uni-hd.de. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Kurzbiografien aller Künstler und zahlreichen Abbildungen erschienen.

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Updated: 22.10.2002