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Stifter & Sponsoren
Von der Altstadtkneipe zur Konzernzentrale im Emmertsgrund

MLP-Mitbegründer Manfred Lautenschläger fördert die Spitzenfoschung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Welche Privatleute unterstützen die Ruperto Carola in verdienstvoller Weise nicht nur ideell, sondern auch materiell? Die Unispiegel-Serie "Stifter & Sponsoren" stellt sie vor. Nach Viktor Dulger in der letzten, folgt in dieser Ausgabe ein Porträt über Manfred Lautenschläger.
Manfred Lautenschläger
Streben nach Unabhängigkeit: Manfred Lautenschläger
Foto : Ortner

Zwei Professoren der Universität erhalten eine traumhaft schöne Villa, damit sie von dort aus in Ruhe forschen und die Gesellschaft verändern können. Kaum zu glauben, doch so geschehen in Heidelberg: Der Unternehmer Manfred Lautenschläger – einst Student der Universität, heute Aufsichtsratsvorsitzender der MLP AG – stellte zwei renommierten Steuerexperten ein Anwesen im Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim zur Verfügung, verbunden mit dem Auftrag, von dort aus die Reform des deutschen Steuersystems voranzutreiben.

Die "Heidelberger Steuervilla" ist inzwischen zu einem Begriff geworden. Sie beherbergt zum einen das Team um Prof. Dr. Paul Kirchhof, der als Bundesverfassungsrichter maßgeblich an einigen Aufsehen erregenden Urteilen in steuerrechtlichen Angelegenheiten beteiligt war. Die zweite Forschergruppe um den Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Manfred Rose arbeitet an einem "Einfachsteuersystem", das der Heidelberger Wissenschaftler entwickelt und bereits in Kroatien und Rumänien in der Praxis getestet hat. "In der Steuervilla wird einiges bewegt", freut sich Lautenschläger, der das Haus im Juni 2000 der Universität kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

Neben der Steuervilla verdankt die Universität ihrem Ehrensenator Manfred Lautenschläger weitere großzügige Spenden: Um die Spitzenforschung zu fördern, stiftete er einen der höchstdotierten deutschen Forschungspreise. Fast 14 Millionen Euro spendet er zudem für einen dringend notwendigen Neubau der Heidelberger Kinderklinik. Und mit fünf Millionen Euro initiierte er ein Diabetes-Forschungszentrum, das im Oktober seine Arbeit aufnehmen wird.

Erfolgsstory beginnt in der "Destille"

Manfred Lautenschläger, 1938 in Karlsruhe geboren, studierte Jura in Heidelberg, Freiburg und Hamburg. Nach kurzer Tätigkeit als Rechtsanwalt gründete er 1971 – zusammen mit Eicke Marschollek – die Marschollek, Lautenschläger und Partner KG. Das Unternehmen wurde später in eine GmbH und 1984 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Vorstandsvorsitzender Lautenschläger wurde, bis er sich am 19. Mai 1999 aus dem operativen Geschäft zurückzog und den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm. MLP ist heute der führende europäische Finanzdienstleister für anspruchsvolle Privatkunden und Akademiker. Mit insgesamt 3700 Mitarbeitern betreute das Unternehmen zum Jahresende 2001 rund 453.000 Kunden, 82.500 mehr als im Vorjahr.

Ihren Anfang nahm die Erfolgsstory MLP in der Altstadt-Kneipe "Destille", dem heute noch existierenden Lokal mit dem Baum in der Bar. Dort saßen Lautenschläger und sein Freund, der Versicherungsvertreter und Betriebswirt Eicke Marschollek, beim Bier beisammen und beschlossen, sich mit einem eigenen Unternehmen selbständig zu machen. Wenig später, am 1. Januar 1971, wurde MLP aus der Taufe gehoben – mit dem Geschäftsziel, Hochschulabsolventen finanziell zu beraten. "Begonnen haben wir mit einer Zielgruppe von ungefähr 400 Leuten, nämlich den Juristen, die in Baden-Württemberg das zweite Staatsexamen ablegten", berichtet Lautenschläger. "Hier gelang es, bereits in den ersten beiden Jahren eine große Versicherungsgesellschaft aus dem Feld zu schlagen und einen fast hundertprozentigen Marktanteil zu erringen. Von dieser ganz kleinen, aber sehr soliden Basis aus ging es dann weiter. Zuerst wurden Mediziner, später Betriebswirte, Volkswirte, Ingenieure und inzwischen immer weitere akademische Zielgruppen ins Visier genommen."

Die 68er-Generation und ihr Widerstand gegen die verkrusteten Institutionen der Wiederaufbauzeit hatten den jungen Lautenschläger geprägt und bestimmten auch sein Handeln beim Aufbau des Unternehmens. "Ich hatte den Wunsch, frei zu sein von Hierarchien und Bevormundung, hatte also ein Streben nach Unabhängigkeit, das ich für mich und mein zu gründendes Unternehmen in Anspruch nahm. Ganz praktisch und keineswegs theoretisch fing ich also an, die Grundstrukturen von MLP so zu basteln, dass auch ich mich an jedem einzelnen Platz wohl gefühlt hätte – es ging um Selbstverwirklichung, es ging, wenn überhaupt, um sehr flache Hierarchien."

Von anderen Versicherungsgesellschaften unterschied sich MLP in einem weiteren entscheidenden Punkt: Das Unternehmen verstand sich als unabhängiger Makler, das seinen Kunden den bestmöglichen Versicherungsschutz und Vermögensaufbau anbieten wollte. "Begriffe wie Kundennähe und Kundenbindung sind erst viel später populär geworden, wurden von uns aber von Anfang an praktiziert", sagt Lautenschläger. Nur konsequent war es da, nicht mit klassischen Versicherungsvertretern, sondern mit jungen Akademikern zu arbeiteten. Lautenschläger: "Berater und Kunde verstanden einander, beiden hatten unter den gleichen Zwängen und Notwendigkeiten und Freuden ihr Studium absolviert, beide sprachen die gleiche Sprache und dachten in gleicher Weise – eine entscheidende Voraussetzung für unsere Markterfolge."

Die Erfolge ließen nicht auf sich warten. 1978 eröffnete MLP einen neuen Firmensitz in Heidelberg-Handschuhsheim (die heutige "Heidelberger Steuervilla" der Universität). Es folgten Umzüge zunächst nach Heidelberg-Rohrbach und dann in das weithin sichtbare Hochhaus, Wahrzeichen Heidelbergs im Stadtteil Emmertsgrund. 1974 wurde MLP zu einer GmbH und 1984 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, Börsengang war im Juni 1988. Fünf Mal ernannte das "manager magazin" in den 90er Jahren MLP zum "Unternehmen des Jahres".

Teamarbeiter, kein einsamer Entscheider

Den schlimmsten Rückschlag erlitt Lautenschläger, als 1978 sein Partner Eicke Marschollek bei einem Schlittenunfall tödlich verunglückte. "Von einem Tag auf den anderen fehlte mir mein Counterpart", sagt Lautenschläger. "Ich bin eigentlich ein Teamarbeiter, kein einsamer Entscheider. Ich musste mich umorientieren, alleine führen – natürlich in Abstimmung mit den damals schon vorhandenen Führungskräften, den Geschäftsstellenleitern. Es fehlte mir aber derjenige, mit dem ich mich in die Stube zurückziehen und besprechen konnte."

14 Millionen für Neubau der Kinderklinik
Manfred Lautenschläger (Mitte) spendet fast 14 Millionen Euro für den Neubau der Kinderklinik. Ministerpräsident Erwin Teufel, Rektor Prof. Peter Hommelhoff, Prof. Eike Martin, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, und Wissenschaftsminister Prof. Peter Frankenberg (von links) freuen sich über das wertvolle Geschenk.
Foto : Rothe

Seit seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft von MLP engagiert sich Lautenschläger verstärkt als Mäzen. Ende 1999 gründete er die Lautenschläger-Stiftung, um über sie – neben kulturellen und sozialen Zielen – auch Forschung und Wissenschaft zu fördern. Die Stiftung ist mit 350 Millionen Euro ausgestattet und zählt damit zu den zehn größten Privatstiftungen Deutschlands. Die Universität Heidelberg verdankt dem Mäzen vor allem drei bedeutsame Projekte:

  • Mit 255.000 Euro zählt der "Lautenschläger-Forschungspreis" zu den höchstdotierten seiner Art in Deutschland. Mit dem Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird, möchte der Stifter Erfolg versprechenden Ideen an der Universität Heidelberg zum Durchbruch verhelfen und zugleich die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit ebenso wie die Ausbildung von Nachwuchskräften fördern. Erstmalig ging die Auszeichnung im Dezember 2001 an die Physikerin Johanna Stachel. "Mit ihr hat eine erstklassige Wissenschaftlerin das Geld genau zum richtigen Zeitpunkt erhalten, um ihre Forschungsarbeiten kurzfristig weiterführen und voranbringen zu können", sagt Lautenschläger. Damit sei das Ziel des Preises genau getroffen.
  • Mit einem Etat von fünf Millionen Mark initiiert Lautenschläger zurzeit ein Diabetes-Forschungszentrum, das seinen Sitz im Neuenheimer Feld haben wird. Der Einrichtung, die am 1. Oktober ihre Arbeit aufnehmen soll, "kommt zumindest in Deutschland einmalige Bedeutung zu", sagt der Stifter. Drei renommierte Wissenschaftler, unterstützt von sechs jungen Ärzten plus Hilfskräften, werden fachübergreifend am Thema Diabetes forschen. Ein Beirat mit weltweit anerkannten Fachleuten stellt sicher, dass das Zentrum auf höchstem Niveau arbeitet und die Forschung maßgeblich voranbringt – denn, so Lautenschläger, es gebe bei dieser Krankheit "noch viel zu tun".
  • Eine Spende in Höhe von 13,8 Millionen Euro ermöglicht den dringend erforderlichen Neubau der Heidelberger Kinderklinik. Nach der Finanzlage des Landes wäre ein Neubau erst in etwa zwölf Jahren möglich gewesen. Bis dahin hätte man sich mit "Flickschusterei" begnügen müssen, so Lautenschläger, die den Anforderungen eines modernen Kinderkrankenhauses in keiner Weise gerecht geworden wäre. Mit der Spende wird nun eine Finanzierungslücke geschlossen, die den Neubau erst möglich macht. Das neue Krankenhaus soll bis 2007 fertiggestellt sein. Lautenschläger: "Meine Erwartung ist, dass Heidelberg damit eine zeitgemäße und schöne Kinderklinik erhält."

Der Wahl-Heidelberger Manfred Lautenschläger fühlt sich der Stadt und ihrer Universität seit seiner Studienzeit verbunden. Am 10. November 1998 verlieh ihm die Universität die Ehrensenatorwürde. Darüber hinaus wirkt er als Mitglied des Universitätsrates und als Aufsichtsrat des Universitätsklinikums an den Entscheidungen der Universität mit. Heidelberg, die "zauberhafteste deutsche Stadt", habe heute "etliche Weltklasse-Wissenschaftler" zu bieten und genieße internationales Renommee, konstatiert Lautenschläger und fügt hinzu: "Wenn ich mit gezielten Mitteln einen Beitrag zum guten Ruf der Stadt leisten kann, tue ich das gerne."

Großes Vermögen hat für Lautenschläger zunächst die Funktion, dass es Unabhängigkeit schafft – ein Ziel, das ihn Zeit Lebens begleitet und vor über 30 Jahren auch dazu bewogen hat, sein eigenes Unternehmen zu gründen. "Reichtum bedeutet für mich aber auch, einen Teil davon an die Gemeinschaft, in der ich mich so gut positionieren konnte, zurückzugeben." Mit den Spenden für die Universität Heidelberg hat Lautenschläger bewiesen, dass ein Mäzen, wenn er seine Mittel mit Geschick einsetzt, viel bewegen und erreichen kann – sei es in der Physik, der Medizin oder bei der Suche nach einem gerechteren Steuersystem.

Christian Deutsch ende

 

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Updated: 15.07.2002