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Wettlauf gegen die Zeit

Ausbau der Autobahn A6 setzt Atzelbuckel-Ausgrabungen unter Druck
"Schon lange lag der Atzelbuckel in meinem Interesse, denn es ist einer der wichtigsten Fundplätze aus der Spätphase der Jungsteinzeit überhaupt", erläutert Prof. Dr. Joseph Maran, Dekan der Fakultät für Orientalistik und Altertumswissenschaften. Mit bis zu 18 Studenten der Ur- und Frühgeschichte gräbt er nun schon seit Mitte Februar in der Nähe von Ilvesheim. Unterstützt wird er dabei von ehrenamtlichen Helfern – für die Studierenden ist es eine verpflichtende Lehrgrabung, auf die sie während des Semesters in Seminaren unter der Leitung von Mitarbeitern des Instituts für Ur- und Frühgeschichte vorbereitet wurden.
Atzelbuckel-Ausgrabungen unter Druck
Heidelberger Studenten beim Freilegen einer spätbronzezeitlichen Urnenbestattung
Foto : Casselmann

Die im Seminar erworbenen Kenntnisse, wie das Vermessen und Zeichnen der Funde, werden während der Grabung in die Praxis umgesetzt. "Der Atzelbuckel ist ein ideales Gebiet für eine Lehrgrabung, denn es gibt dort keine Schichtbildung, wie man es als prominentestes Beispiel aus Troja kennt. Dass alle Befunde vom Neolithikum bis zur Römerzeit auf ungefähr einem Niveau liegen, macht die Arbeit für die Studenten weniger kompliziert", sagt Maran und zeigt einen römischen Mahlstein und Ziegelreste.

In einer Abfallgrube wurden diese Stücke gefunden, die zu einer römischen Villa gehörte, welche in der Nähe gelegen haben muss. Doch nicht wegen der Funde aus der römischen Antike ist der Atzelbuckel so bedeutend, sondern wegen seiner Gruben aus der Endphase der Jungsteinzeit (2800-2200 v. Chr.). Denn im Gegensatz zu früheren Phasen der Jungsteinzeit kennt man aus dem Endneolithikum nur sehr wenige Siedlungsplätze. Und so sind die am Atzelbuckel gefundenen Abfallgruben die Nummern drei und vier in Deutschland – sogar eine Keramikgattung trägt nach dem Fundort den Namen "Ilvesheimer".

"Durch die Funde erhoffen wir uns Hinweise, warum es aus der Endphase des Neolithikums so wenige Siedlungsplätze gibt", erläutert Maran, als er die Überreste eines Gefäßes der Schnurkeramik fotografiert, der typischen Keramik am Ende der Jungsteinzeit. Die Scherben sind nicht die einzigen Funde, es wurden auch Pfostenlöcher entdeckt, in denen Überreste von Holzpfählen der Behausungen der Schnurkeramiker erhalten sind. Die Holzreste bieten gute Möglichkeiten zur Datierung der Siedlung, denn mit der C14- Methode, der Messung des radioaktiven Kohlenstoffes, kann das Alter recht genau bestimmt werden.

Weiteren Aufschluss über die Lebensweise in der ausgehenden Jungsteinzeit können Erdproben bringen, die von Experten archobotanisch auf Pflanzenreste untersucht werden. So kann man herausfinden, was man damals angepflanzt hat. Aber es ist nicht nur wichtig, die Funde zu bergen, sondern auch alles genau zu dokumentieren. Das wurde bei der ersten Grabung in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts versäumt, so dass man nur die Fundstücke besitzt, aber über den Kontext, in dem sie gefunden wurden, kaum etwas sagen kann. Damals wie heute wird die Grabung wegen des Baus bzw. des Ausbaus der A6 durchgeführt. Und somit stehen die Ausgräber unter gehörigem Zeitdruck. Maran bedauert, dass in Baden-Württemberg, anders als in den neuen Bundesländern, nicht das Verursacherprinzip gilt, denn dann müsste das Land die Grabung finanzieren und durchführen. So kann es sein, dass beim Ausbau der Autobahn wertvolle Erkenntnisse verloren gehen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass möglichst viele ehrenamtliche Helfer noch bis Ende Juni bei der Grabung mithelfen, um so viel wie möglich vor der unwiederbringlichen Zerstörung zu bewahren.

Katinka Krug ende

 

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Updated: 15.07.2002