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Das Portrait

Junge Probanden gesucht!

Die Psychologin Prof. Dr. Sabina Pauen erforscht, was in Babyköpfen so alles vor sich geht
Seit dem Wintersemester 2001/2002 ist Prof. Dr. Sabina Pauen neue Ordinaria (C4) für Bio- und Entwicklungspsychologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Der neu gegründete Lehrstuhl ist in dieser Kombination der einzige in ganz Deutschland.
Prof. Dr. Sabina Pauen
Allein unter Männern: Sabina Pauen (Foto : Schwabe)

"Stellen Sie sich vor, Sie sind das Baby und ich habe hier elf Plastikspielzeuge – Miniaturobjekte, die aber ganz realistisch aussehen. Zehn davon sind Tiere und eins ist ein Möbelstück. Ich würde Ihnen die zehn verschiedenen Tiere geben, immer für zwanzig Sekunden. Dann kommt als elftes Objekt ein Stuhl. Die Erwartung wäre: Wenn Sie eine Kategorie ,belebt – unbelebt' im Kopf haben, die aktiviert wird durch das Material, das Ihnen gegeben wird, dann sollte die Zeit, in der Sie den Gegenstand untersuchen (Explorationszeit), abnehmen, weil Sie immer denken: ,Schon wieder etwas von der Sorte.' Die Langeweile sollte also immer größer werden. Wenn dann aber ein Objekt aus der anderen Kategorie kommt, sollte die Explorationszeit wieder hochschnellen.", erläutert Sabina Pauen und verweist auf ihre Untersuchungen im Rahmen eines DFG-Projekts, die gezeigt haben, dass Kinder ab sieben Monaten diese Unterscheidung schon auf der Spielzeugebene treffen.

Mitgebracht hat sie diese Fragestellungen von ihren vorherigen Stationen Tübingen und Magdeburg. In Heidelberg soll nun untersucht werden, woran Kinder die Unterscheidung ,belebt – unbelebt' festmachen. Über die Bewegung der Objekte, ob durch externe oder interne Kraft, ob linear oder ungerichtet, machen sich offenbar bereits Babys Gedanken. Die zunehmende Technisierung und Vielfalt der Beweglichkeit von Objekten erfordert jedoch heute feinere Unterscheidungen als die uns von der Evolution in die Wiege gelegten.

Mit großer Begeisterung schildert Pauen, was sie vorhat: Studentische Hilfskräfte wurden eingestellt und gemeinsam wird in den kommenden Monaten ein biopsychologisches Labor neu im Psychologischen Institut eingerichtet. Darin sollen nun während verschiedenster Experimente Gehirnströme, Herzschlag und Atemfrequenz der Säuglinge gemessen werden, um neben Verhaltensdaten auch physiologische Daten über das Interesse und die Reaktionen der Kinder zu erhalten. "Das größte Problem wird sein, den Müttern zu erklären, dass die Kabel am Kopf des Kindes nichts reinleiten, sondern nur etwas ableiten.

Ich hoffe, dass viele Mütter mit ihren Kleinen kommen. Wir haben auch ein Wartezimmer, in dem man das Baby ungestört stillen und wickeln kann. Als Dank fürs Mitmachen gibt's übrigens eine Urkunde und ein Foto. In Magdeburg kamen viele Mütter sogar mehrmals mit ihren Kindern, weil es ihnen so großen Spaß bereitet hat." Und Spaß bereitet es auch Sabina Pauen, das merkt man ihr an. Sie freut sich auf das im Sommersemester beginnende Projekt und ist gespannt auf die Ergebnisse. Die sind allerdings erst in etwa einem Jahr zu erwarten – bis dahin müssen noch viele Babys bei den Psychologen einkehren.

Vorbild dieses neu in Heidelberg eingerichteten und in Deutschland einzigartigen Lehrstuhls für Bio- und Entwicklungspsychologie ist die amerikanische Forschung. Nach ihrem Studium in Frankfurt und Marburg sowie der Dissertation zum Thema "Mißkonzepte und falsche Analogien: Kindliche Vorstellungen über das Zusammenwirken von Kräften" (Frankfurt 1992) ging Pauen im Rahmen eines DFG-Stipendiums für ein Jahr an die Cornell-University (Ithaca, New York). Dort wurde ihr Interesse für die Säuglingsforschung geweckt. "Warum machen wir so etwas Spannendes nicht auch in Deutschland?", fragten nach ihrer Rückkehr die Studenten – und gemeinsam setzte man diese Anregung in die Tat um. Daraus erwuchs an der Universität Tübingen 1999 ihre Habilitation über kognitive Entwicklung im Säuglingsalter. Gemeinsam mit dem damals dreijährigen Töchterchen Helena und ihrem Mann, der eine Philosophie-Professur in Magdeburg erhielt, zog Pauen anschließend in die neuen Bundesländer und war bis zu ihrem Ruf nach Heidelberg an der dortigen Universität tätig.

Wie vereinbart sie eigentlich Beruf und Familie, zu der vor einem halben Jahr noch die kleine Hannah dazukam? "Sehr viel Energie braucht man schon. Es ist wunderschön, aber auch unglaublich anstrengend. Für mich ist es genau der richtige Weg, auch wenn ich manchmal gerne meinen Hobbys nachgehen würde, wie Sport, Singen im Chor oder Malen. Doch die liegen zur Zeit alle brach, haben im Arbeitstag von sechs Uhr morgens bis elf Uhr abends leider keinen Platz." Andererseits, auf Familie würde sie nicht verzichten wollen. Pauen hofft, dass noch mehr Frauen sich für beides entscheiden, in Amerika sei man auch in diesem Punkt schon viel weiter. An der Ruperto Carola ist sie im Wintersemester die einzige neuberufene Professorin gewesen – neben fünfzehn neuen männlichen Kollegen!

In der Frankfurter Gegend aufgewachsen, kannte Sabina Pauen den Rhein-Neckar-Raum bereits vor ihrer Berufung recht gut. Von Heidelberg und dem renommierten Institut hatte sie bislang nur geträumt. Nun blickt sie aus ihrem Arbeitszimmer auf die Hauptstraße, ein alt-ehrwürdiges Haus gegenüber und davor das Bunsen-Denkmal auf dem kleinen Vorplatz: "Ein wunderschöner Ausblick – und mitten drin, wenn mir auch kaum Zeit bleibt, durch die Stadt zu bummeln." Doch wenigstens wird sie demnächst viel Besuch von Müttern mit ihren Kindern erhalten, ganz sicher.

Uta Schwabe ende

 

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Updated: 12.05.2002