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Das Portrait
"Im Herzen bin ich halb Engländer und halb Deutscher"

 
Portrait des Theologen Professor Dr. Christoph Schwöbel

Wer das Ökumenische Institut betritt, sieht im Foyer eine große Weltkugel an der Decke hängen. Ein Sinnbild für das Selbstverständnis des neuen Direktors: Interreligiosität, Internationalität und Interkulturalität.

Prof. Schwöbel
Foto : Sonja Vollmer

Seit dem letzten Frühjahr ist Prof. Dr. Christoph Schwöbel neuer Leiter des Ökumenischen Instituts und Professor für Systematische Theologie. Der gebürtige Frankfurter interessierte sich schon früh für philosophische Sinnfragen. Daher entschied er sich 1973 für das Studium der Theologie und Philosophie. An der Universität Marburg beendete er 1978 sein Studentenleben mit Examen und gleichzeitiger Promotion. Gegenstand seiner Dissertation war eine Gesamtdarstellung der Theologie von Martin Rade. Anschließend arbeitete er als Stipendiat der Thyssenstiftung und der DFG, später als Hochschulassistent in Marburg. Schon damals waren sich die Eheleute Schwöbel einig, dass sie ihre beruflichen Horizonte gerne im Ausland erweitern würden. Diese Chance ergab sich 1986 für Christoph Schwöbel "eigentlich völlig unerwartet". Er erhielt einen Ruf ans Londoner King's College. Den Tag seines Vorstellungsgesprächs erinnert er noch sehr genau: "Um 11 Uhr hatte ich mein Interview und vier Stunden später die Zusage." In London war er zunächst als Lecturer für Systematische Theologie tätig. Um die große Zahl an Doktoranden gezielt zu fördern und zur internationalen Forschungskooperation gründete Schwöbel 1988 das Research Institute in Systematic Theology, das er fünf Jahre als Direktor leitete. Die Zeit in England war für ihn persönlich wie auch beruflich außerordentlich prägend. Er knüpfte viele internationale Kontakte und lernte den interkulturellen Kontext schätzen. Schwöbel betreute wissenschaftlichen Nachwuchs aus dem gesamten ehemaligen British Empire. Die Schwöbels sahen ihre weitere Zukunft eigentlich in Großbritannien. Seine Frau arbeitete in ihrem Beruf als Pastorin, die damals drei Kinder lernten auf englisch lesen und schreiben. Nur auf Drängen von Freunden sicherte sich Christoph Schwöbel ein Standbein in der deutschen Heimat. Er habilitierte 1990 für Systematische Theologie an seiner Heimatuniversität Marburg mit der Studie "God: Action and Revelation" (1992). Drei Jahre später folgte Schwöbel dem Ruf an die Universität Kiel, wo er bis 1999 den Lehrstuhl für Systematische Theologie innebehielt.

In Heidelberg schätzt der Vater von vier Kindern besonders das bereits durch seine Vorgänger etablierte Netz internationaler Kontakte. Daran will er anknüpfen und es durch seine eigenen Erfahrungen noch erweitern. Interkonfessionalität und Interdisziplinarität sind kennzeichnend für die wissenschaftlichen Themen, denen er sich widmet: Der Mittvierziger beschäftigt sich vor allem mit der Frage nach den Chancen einer pluralistischen Ökumene. Grundtenor seiner Arbeit ist die theologische Wirklichkeitsdeutung im interdisziplinären Gespräch. Ein Beispiel dafür ist die Frage, wie das christliche Menschenbild und Gottesverständnis die Gesellschaftsverfassungen prägt. Dazu gehört auch das Verhältnis von Literatur und Theologie, das er in den letzten Jahren besonders im Werk Thomas Manns betrachtet hat. In den nächsten Jahren möchte Schwöbel die internationale wissenschaftliche Kooperation ausweiten. Weiterhin plant er mit Fachkollegen, im Bereich der theologischen Doktorandenförderung in Heidelberg eine deutsche "Graduate School" nach angelsächsischem Vorbild zu etablieren.

Auf die Frage nach der Freizeit lacht der Neu-Heidelberger: "Da bleibt nicht viel, schließlich ist mein Beruf mein Hobby!" Trotzdem bemüht er sich, keine Probe der Studentenkantorei der Heiliggeistkirche zu versäumen. Eine weitere Leidenschaft ist die Literatur: "Ohne mindestens drei englische Krimis komme ich nicht heil durch die Woche." Zum Teetrinker ist er in England übrigens nicht geworden. Statt dessen lernten seine Kollegen in London bald die deutsche Antwort auf die Frage, ob er Kaffee oder Tee trinken möchte: "Kaffee? – Immer!"

Sonja Vollmer

 

 

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Updated: 14.06.2000