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Willkommenes Kultursponsoring

Dresdner Bank schenkt der Universitätsbibliothek zwei wertvolle Autographen
Bei der festlichen Einweihung des neugestalteten Filialgebäudes der Dresdner Bank überreichte Filialdirektor Rolf Mahnkopf dem Rektor Professor Dr. Jürgen Siebke zwei wertvolle Briefe, die die Bestände der Universitätsbibliothek bedeutsam bereichern. Aus diesem Anlass sprach der UniSpiegel mit Professor Dr. H. Peter Schwake vom Romanischen Seminar.

UniSpiegel: Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit Briefschaften der Herzogin Elisabeth-Charlotte von Orleans, den Kurpfälzern besser bekannt als ‚Liselotte von der Pfalz'. Eine umfangreiche wissenschaftliche Ausgabe des aus 47 Briefen bestehenden sogenannten "Ludre-Korpus" aus dem Bestand der Universitätsbibliothek soll in diesem Jahr im Winter-Verlag erscheinen, ebenso die Edition 52 unveröffentlichter Briefe aus dem fürstlich schaumburg-lippischen Hofarchiv in Bückeburg. Welche Bedeutung kommt der jetzigen Schenkung zu?

H. Peter Schwake: Lassen Sie mich zunächst dem Sponsor danken. Da die Ankaufetats der Bibliotheken in den letzten Jahren durch Kürzungen beschnitten wurden, ist – bei steigenden Anforderungen – schon die Grundversorgung bei Neuanschaffungen und die Pflege der Bestände nicht mehr im nötigen Umfang gewährleistet. An Geld für Kleinodien ist da überhaupt nicht zu denken. So kann sich die Universitätsbibliothek glücklich schätzen, wenn sie solch kulturbewußte Mäzene findet wie jetzt erneut die Dresdner Bank, die zum wiederholten Male erhebliche Mittel für den Ankauf wertvoller Autographen zur Verfügung gestellt und damit für die wissenschaftliche Erforschung erschließbar gemacht hat. Ein dringender Wunsch, den ich als nachdrücklichen Appell äussern möchte, ist, dass solche Beispiele breiteste Nachahmung finden mögen. Bei den beiden Raritäten handelt es sich um einen besonders gut erhaltenen und kalligraphisch gestalteten Brief, den Kurfürst Friedrich V., Großvater Liselottes, am 27. April 1615 an den Regensburger Bischof Albrecht schrieb sowie ein eigenhändig französisch geschriebener und unterzeichneter Brief Liselottes an eine bisher nicht bekannt gewesene Adressatin (es handelt sich, nach dem Inhalt zu schließen, um eine Edelfrau am lothringischen Hof von Liselottes Tochter). Beide Briefe sind besonders wertvoll im doppelten Sinne des Wortes. Es bedarf nämlich auf dem kargen Markt für Autographen nicht nur eines Kaufwilligen, sondern auch eines Verkäufers. Gerade Originalbriefe Liselottes werden offiziell nur sehr selten angeboten!

UniSpiegel: Kennt man in diesem Falle die Herkunft?

H. Peter Schwake: Das ist eine heikle Frage, die größte Diskretion erfordert. Natürlich gibt es einen Verkäufer, der den Eingeweihten auch namentlich bekannt ist. Diese Persönlichkeit aus angesehenem europäischen Adel, die in absoluter Seriosität in unregelmäßigen Abständen zum Teil aus eigenem Besitz, zum Teil wohl in ungenannt bleiben wollendem Auftrag – seltene Autographen gezielt anbietet, hat eine äußerst wertvolle und über viele Jahre hindurch gewachsene Verbindung zur Universitätsbibliothek. Dabei gilt als stillschweigend vereinbarte Geschäftsgrundlage, dass keine weiteren Nachforschungen bezüglich der ursprünglichen Herkunft angestellt werden. Immerhin verdankt die Universitätsbibliothek dieser Verbindung unter anderem das umfangreiche Ludre-Korpus und hofft auf Weiteres.

UniSpiegel: Wie stufen Sie als Fachmann auf diesem Gebiet den wissenschaftlichen Wert der Autographen ein?

H. Peter Schwake: Natürlich kann angesichts eines so monumentalen Briefcorpus wie der Liselotte-Korrespondenz, die nach seriösen Schätzungen (der größte Teil muss als unwiederbringlich verloren gelten) 60 000 Briefe und mehr umfasst haben dürfte, von denen "nur" etwa ein Zehntel erhalten ist, ein einzelner, zudem noch an eine ‚Nebenfigur' ihres Briefkosmos, kaum mehr als ein winziger Mosaikstein sein. Aber die Forschung setzt ihre ‚Bilder' ja aus solchen Partikeln zusammen. Ohne hier näher auf Einzelheiten einzugehen (eine wissenschaftliche Auswertung hoffe ich in Kürze an anderer Stelle geben zu können), kann man festhalten, dass unser Wissensstand über die Vorgänge am lothringischen Hof präzisiert wird. Über eine andere, herzergreifende Passage, in der die über 50 Jahre an den Pariser Hof mit Auslandsreiseverbot ‚gefesselte' Großmutter die Sehnsucht äußert, ihre Enkeltöchterchen kennenzulernen, kann die interesserte Öffentlichkeit sich ein eigenes Bild machen. Beide Schenkungen zeigt die Universitätsbibliothek in ihrer großen Ausstellung "Kostbarkeiten gesammelter Geschichte", die noch bis zum 28. Oktober in den Räumen der Universitätsbibliothek zu sehen sein wird.

VD

 

 

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Updated: 14.06.2000