Der Weg ist frei für das neue Hochschulgesetz des Landes

Heidelberger Rektor und Professoren hatten erneut Änderungen verlangt

Der baden-württembergische Landtag verabschiedete Ende November gegen die Stimmen der SPD und der Grünen das umstrittene neue Hochschulgesetz von Wissenschaftsminister Klaus von Trotha. Damit ist der Weg frei für ein Gesetz, das vom 1. Januar 2000 an die baden-württembergischen Hochschulen angeblich wettbewerbsfähiger und autonomer machen soll. Starken Widerstand gab es bis zuletzt aus der Universität Heidelberg, die im Gegenteil zu der politischen Rhetorik aus Stuttgart ihre Autonomie bedroht sieht.

In einer letzten Unterschriftenaktion stellten sich Mitte November 200 Heidelberger Professoren hinter Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke, der in zahlreichen öffentlichen Auftritten seine Ablehnung wichtiger Teile des Gesetzes begründet hatte, so zum Beispiel in seinem Bericht bei der Jahresfeier 1999 oder während des "Heidelberger Abends" vor Vertretern der Wirtschaft. In ihrem Schreiben an die Abgeordneten des baden-württembergischen Landtags forderten die Heidelberger Professoren, dass in dem Hochschulgesetz "Rücksicht genommen wird auf die Belange der Autonomie der Universität". Vor allem wandten sie sich gegen die Hie-rarchisierung der Hochschulen und gegen eine Beschneidung der Selbstverwaltungskompetenzen durch einen Hochschulrat mit Entscheidungskompetenzen.
In letzter Stunde vor Verabschiedung der Novelle "wenden sich Professoren der ältesten deutschen Universität mit der dringenden Bitte und Aufforderung an Sie, sich Ihrer Verantwortung für die Universitäten des Landes bewusst zu sein und der Novelle in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen", hieß es in dem Heidelberger Protestschreiben. Alle Gruppen der Universität Heidelberg "haben, unterstützt durch die Presse, seit Monaten ihre Bedenken und Verbesserungsvorschläge zum Entwurf vorgetragen, ohne dass die Landesregierung in irgendeiner Weise darauf eingegangen wäre". Jetzt liege die Aufgabe bei den Abgeordneten, der Universität ihre gewachsenen demokratischen Strukturen zu erhalten, statt sie durch autoritäre Führungsprinzipien zu ersetzen.
"Es ist nicht wahr, wenn immer wieder behauptet wird, die Universität Heidelberg habe sich der Modernisierung verschlossen", schrieben die 200 Professoren weiter. Der Heidelberger Universität sei es gelungen, in einer Reihe von Fächern die durchschnittliche Studiendauer deutlich zu senken. Die mit Unterstützung der VW-Stiftung eingeführte dezentrale Ressourcenverantwortung zeige, dass modernes Management und Effizienzdenken durchaus ihren Platz in Heidelberg gefunden haben. "Wir weisen auch darauf hin, dass die Universität Heidelberg sich ganz bewusst dem Wettbewerb zwischen den Universitäten stellen will." Voraussetzung dafür sei jedoch eine wesentlich größere Freiheit bei der Ausgestaltung ihrer Leitungsstrukturen.
Die Professoren um Reinhard Muss-gnug, Eike Wolgast und Heinz-Dietrich Löwe appellierten an den Landtag, "zu verhüten, dass der schadensträchtige Irrtum, eine Bildungsanstalt vom Range und vom internationalen Ansehen der Universität Heidelberg könne wie ein Industrieunternehmen geleitet werden, der Universität irreparable Schäden zufügt."

Wie die Entscheidung im Landtag zeigt, ließ sich die Mehrheit der Abgeordneten nicht von den Argumenten aus Heidelberg überzeugen. Harsche Kritik gab es anschließend selbst in der Frankfurter Allgemeinen. Die Landesregierung tue so, als ob vereinheitlichende Vorgaben und Selbstbestimmung miteinander zu vereinbaren wären, kritisierte Kurt Reumann in seinem Kommentar "Verordnete Autonomie".

Michael Schwarz


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Updated: 31.01.00