VMI-Preis an Heidelberger Japanologin und Soziologin Katja Stoll
Der diesjährige Förderpreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs des Verbandes der Metallindustrie Baden-Württemberg ging an Katja Stoll, M.A., Japanologie- und Soziologiestudentin aus Heidelberg. Mit dem Preis werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten prämiert, die die Bedeutung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in ihren möglichen Auswirkungen auf die industrielle Arbeitswelt erkennen lassen. Der Preis ist mit 10.000 Mark dotiert und wurde am 1. Dezember in Ulm überreicht.
Katja Stoll

Die ausgezeichnete Magisterarbeit trägt den Titel "Die gewerkschaftlichen Branchenföderationen in Japan" und wurde betreut von Prof. Dr. Wolfgang Seifert vom Japanologischen Seminar.
In der japanischen Arbeitswelt übernehmen dort, wo es überhaupt Gewerkschaften gibt, so genannte "Unternehmensgewerkschaften" auf Ebene des einzelnen Unternehmens die Interessenvertretung der Kernbelegschaften. Es gibt jedoch so gut wie keine Untersuchungen zu den Föderationen von Unternehmensgewerkschaften, die auf der Ebene eines Industriezweiges organisiert sind. Auch in der industriesoziologischen Forschung in Japan selbst führen sie ein Schattendasein. In letzter Zeit zeigen sich jedoch zaghafte Versuche, die Kompetenzen dieser Branchenföderationen in Fragen der Lohnfindung und sonstiger Arbeitsbedingungen zu erweitern. Sollten also in Japan – im Gegensatz zum Trend in der Bundesrepublik, wo von verschiedenen Seiten das System der flächendeckenden Tarifverträge in Frage gestellt wird – zukünftig verbindliche Eckdaten für unternehmensübergreifende Tarifverträge eingeführt werden?
Katja Stoll konnte aufzeigen, dass sich das japanische Modell im Umbruch befindet, ohne dass von einer Nachahmung der deutschen Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen gesprochen werden kann. Die Resultate entfalten ihre Bedeutung, wenn man bedenkt, wie nahe uns die japanische Wirtschaft inzwischen gekommen ist – sei es als Konkurrent, sei es als Partner.

sj / Foto: Privat


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Updated: 31.01.00