Perfektes Sehen für jeden

Prof. Dr. Josef Bille für den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert

Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke zeigt sich "sehr erfreut": "Die Nominierung ist ein großer Erfolg für die Universität Heidelberg und belegt eindrucksvoll, wie sich die Beharrlichkeit universitärer Grundlagenforscher durchsetzen kann und die Basis für Innovationen bildet." Prof. Billes Arbeiten ermöglichen perfektes Sehen für jedermann.

Der Heidelberger Physiker Prof. Dr. Josef Bille ist für den Deutschen Zukunftspreis 1999 des Bundespräsidenten nominiert. Der mit großem Erfolg und breiter öffentlicher Resonanz durch den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufene Preis hat zum Ziel, die besondere Bedeutung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik für eine erfolgreiche Weiterentwicklung Deutschlands stärker in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Eine hochkarätige Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft bestimmt den Preisträger oder die Preisträgerin aus dem Kreis der Vorschläge, die von führenden Einrichtungen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Forschung eingereicht werden. Die gesicherte Anwendungsmöglichkeit, uneingeschränkte Marktfähigkeit sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen bei der Umsetzung sind herausragende Kennzeichen der mit 500 000 Mark prämierten Leistung.

Menschliches Auge an sich fehlerhaft

Prof. Bille

Der bedeutende Physiker und Physiologe Herrmann von Helmholtz, damals Direktor für Physiologie an der Universität Heidelberg, hat vor 150 Jahren in einer Publikation über das menschliche Auge gesagt: "Wollte mir jemand ein optisches Gerät mit derartigen Fehlern anbieten, würde ich es in aller Deutlichkeit zurückweisen."

Ausgehend von Grundlagenuntersuchungen im Institut für Angewandte Physik der Universität Heidelberg sind in den vergangenen zwanzig Jahren neue adaptiv-optische Messverfahren entwickelt worden, die eine hochpräzise automatisierte Vermessung der Refraktion des menschlichen Auges ermöglichen. Damit können – im Vergleich zur heutigen Praxis – Fehlsichtigkeiten viel genauer erfasst und möglicherweise korrigiert werden.

Fortschritte in Mikro- und Produktionstechnik weicher Kontaktlinsen erlauben die Herstellung neuartiger "Super-Kontaktlinsen" zur bestmöglichen Ausnutzung der individuellen Sehfunktion. Durch innovative refraktive Laserchirurgie auf der Basis von Ultrakurzpulslasern, die ebenfalls in den vergangenen Jahren an der Universität Heidelberg demonstriert wurden, ist eine dauerhafte Korrektur der von Helmholtz beklagten Abbildungfehler des menschlichen Auges erstmals möglich.

Operationstechnik auf viele chirurgische Disziplinen übertragbar

In den vergangenen fünf Jahren wurde zudem an der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, der Klinik für Neuroonkologie und Stereotaxie an der Universität zu Köln und der neugegründeten Firma MRC Systems Medizintechnik GmbH, Heidelberg, ein neuartiges Operationsverfahren zur Resektion bisher inoperabler Hirntumore mit der stereotaktischen Laser-Neurochirurgie entwickelt. Durch den Einsatz von Ultrakurzpulslasern und neu entwickelten adaptiv-optischen Mikrooptiken wird zum Beispiel die Operation beim Parkinson-Syndrom ungefährlicher als bisher. Die feineren und genauer gerichteten Lasersonden zerstören oder entfernen nur ein kleines Zielvolumen, das allerdings in der Regel in der Nähe sensibler Hirnareale liegt.

Diese minimal-invasive Operationstechnik lässt sich über die Neurochirurgie hinaus als intelligentes Mikro-Laserskalpell auf viele chirurgische Disziplinen anwenden.

Die erforderlichen mikrooptischen und mikroelektronischen Bauelemente werden in Zusammenarbeit mit den beteiligten Hochtechnologie-Unternehmen und dem Institut für mikroelektronische Systeme IMS in der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt und hergestellt. Im Bereich der bahnbrechenden Neuentwicklung zur Vermessung und Korrektur der Refraktion des menschlichen Auges ("Super-Vision") gibt es mehrere Patentanmeldungen, die Mitte Mai 1999 dem amerikanischen Patentamt zugestellt wurden.

Forschungserfolge nur mit langem Atem zu erreichen

Prof. Bille legte vor 20 Jahren die Basis dafür, dass die Einschränkungen des menschlichen Sehens aufgrund mangelnder optischer Perfektion des Auges überwunden werden könnten.

"Im Jahr 1999 stehen durch die im Wesentlichen an der Universität Heidelberg durchgeführten Forschungsarbeiten diagnostische und therapeutische Methoden zur Realisierung des perfekten Sehens zur Verfügung", resümiert Rektor Siebke. "Der Durchbruch hat 20 Jahre gebraucht. Nur mit langem Atem lässt sich in der Forschung etwas erreichen."

Ob der nominierte Forscher für seine bahnbrechenden Innovationen im Bereich der Laserforschung den Deutschen Zukunftspreis 1999 erhält, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Stefanie Joh / Foto: Pudenz


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Updated: 31.01.00