Verordnete Autonomie

Reu. Baden-Württemberg ist gesegnet mit überdurchschnittlich guten Hochschulen. Aber das Gute bleibt nur gut, wenn es sich ständig bemüht, noch bes-ser zu werden. Die Frage ist, ob Hochschulen das freiwillig betreiben oder ob sie dabei nach Richtlinien von oben ver-fahren müssen. Die Landesregierung tut so, als ob vereinheitlichende Vorgaben und Selbstbestimmung miteinander zu vereinbaren wären. Unter den "Leitbegriffen" Autonomie, Leistung, Qualität und Wettbewerb präsentiert sie eine Gesetzesnovelle, die den Hochschulen keineswegs die Freiheit gibt, sich so zu organisieren, wie sie es aus jeweils eigener Tradition zur Steigerung ihrer Leistung für ratsam halten. Vielmehr müssen sie alle Leitungsstrukturen einführen, welche die Landesregierung für vor-teilhaft hält, und der Landtag hat ihr, allen Protesten zum Trotz, nachgegeben. Wie übereilt das Gesetz ist, geht zumal aus den Einzelheiten hervor: Die erste Berufung auf eine Professur "wird grundsätzlich befristet". Das wäre womöglich sinnvoll, wenn es gelänge, vor-her das Berufsalter zu senken. Aber war-um sollen vierzig Jahre alte Kandidaten einen Ruf annehmen, wenn sie woanders unbefristet eingestellt werden?

Kommentar aus der FAZ, 26.11.99


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Updated: 30.01.00