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Vorsicht Fälschung!

Eine Ausstellung rund um den Algenschrank des Biologen Franz Moewus
Den Titel "Bei Licht betrachtet " trägt eine Ausstellung im Kurpfälzischen Museum über Fälschungen in der Wissenschaft, die in Kooperation mit der Universität entstanden ist. Neben vielen Kuriosa stößt man dabei auch auf die Geschichte des Algenforschers Franz Moewus.
Lichtschrank
Der Lichtschrank, den Prof. Schnepf Mitte der siebziger Jahre vom Sperrmüll rettete – Franz Moewus sprach gerne seiner "künstlichen Sonne". Foto : Museum

Prof. Eberhard Schnepf ist eine kritische Natur – und besitzt darüber hinaus einen ausgeprägten Sinn für Humor. Der emeritierte Biologe trägt ein hintergründiges Lächeln auf den Lippen, wenn er von dem Thema erzählt, das ihn schon immer beschäftigt habe: Fälschungen in der Wissenschaft. So griff er 1975 zu, als das Heidelberger Max Planck-Institut für Medizinische Forschung einen Lichtschrank los werden wollte, den ein gewisser Franz Moewus ca. 25 Jahre zuvor zur Aufzucht von Algen verwendet hatte: Ein auf vier langen Beinen stehendes Möbelstück mit vielen Spiegeln im Innern, das der Laie vielleicht dem Fundus eines Magiers zurechnen würde. Ganz falsch läge er damit nicht, denn die Experimente, die Moewus darin durchgeführt hat, waren nicht immer ganz sauber.

Chlamydomonas sind einzellige, zweigeißlige Grünalgen. Mit ihnen experimentierte Moewus bevorzugt. Genauer: Er demonstrierte das Sexualleben dieser Mikroorganismen und verwendete sie somit als Modellobjekte der Genetik. Rein theoretisch eine hervorragende, geradezu innovative Idee. Schon in seiner Promotion (1933) hatte sich der 1908 in Berlin geborene Moewus mit dieser Thematik beschäftigt. Ab 1937 arbeitete er im Heidelberger Kaiser-Wilhelm-Institut (dem späteren Max Planck-Institut) für Medizinische Forschung bei Richard Kuhn, der 1938 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Bei Kuhn und mit Kuhn wurde Moewus berühmt.

Nicht alle Kollegen freilich fanden die Ergebnisse und Methoden von Moewus' Experimenten einleuchtend. Auf den kritischen Einwand etwa, wie er denn bei einer Alge an einem Tag 1600 Klone in 9600 Kombinationen geprüft haben wolle, soll er geantwortet haben, dass er eben als Linkshänder besonders schnell arbeite. Allenthalben Misstrauen, Skepsis, Zweifel machten sich breit. 1958 erhielten George Beadle und Edward Tatum den Nobelpreis dafür, dass sie 1941 den Grundstein für eine biochemische Genetik der Mikroorganismen gelegt hatten, und dafür, dass sie zeigen konnten, wie Gene die Reaktionen in der Zelle steuern: über Enzyme (sog. "Ein Gen – ein Enzym-Hypothese"). Eigentlich aber hatte Moewus in beiden Fällen die Priorität – eigentlich, denn Wahrheit, Irrtum, Fälschung gingen bei ihm eine nur schwer durchschaubare Verbindung ein.

Wie kommen Wissenschaftler auf die Idee zu fälschen? In vielen Fällen mag eitles Karrieredenken Antrieb unlauteren Handelns sein, in der Industrie stößt man nicht selten auf unmoralische Sparzwänge, wenn unangenehme Forschungsergebnisse mögliche Kosten – etwa in Form von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen – nach sich ziehen könnten. Doch die Grenzen zwischen Irrtum und Fälschung sind fließend, Risiken und Nebenwirkungen von Fall zu Fall unterschiedlich und dementsprechend schwankt auch das Maß der Verurteilung.

Moewus und Frau
Franz und Lieselotte Moewus
Foto : Museum

Im Fall Franz Moewus vermutet Professor Schnepf pathologische Gründe. Geradezu vernarrt müsse er in seine Theorie gewesen sein – wie großartig wäre es, wenn sie sich auch beweisen ließe! Als es nicht klappte, hat der Algenforscher eben nachgeholfen. Jedoch fliegt jede Fälschung letztlich auf. In verschiedenen Laboratorien auf der ganzen Welt wurden peu à peu die Ergebnisse seiner Experimente widerlegt. 1951 beurlaubte die Ruperto Carola Franz Moewus. Er ging zunächst nach Sydney, wo er als Research Fellow am Botany Department arbeitete, 1953 wurde er noch an die Columbia University (USA) als Visiting Researcher eingeladen. Man gab ihm immerhin die Chance, die Angriffe gegen seine Forschungen zu entkräften. Das aber misslang. Er bestritt noch einige Vorlesungen und publizierte sogar weiter, hielt sich aber ansonsten mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Als schließlich seine Algenkulturen durch den Ausfall eines Thermostaten praktisch zerstört wurden, starb Franz Moewus im Mai 1959 – an "gebrochenem Herzen", wie seine Witwe zu Protokoll gab.

Die kleine Studioausstellung im Kurpfälzischen Museum ist noch bis zum 29. April zu besichtigen. Von Eberhard Schnepf stammt eine informative Begleitbroschüre.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 08.05.2001