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Brüderchen und Schwesterchen

Theaterstück von Klaus Mann im Romanischen Keller aufgeführt
Seit 1995 und mittlerweile in der vierten Generation hat sich die studentische Theatergruppe "Die Anstifter" höchst erfolgreich der Bühnenarbeit verschrieben – so heimste man 1999 immerhin den "Heidelberger Theaterpreis" ein. Die jüngste Produktion konnte jetzt im Romanischen Keller begutachtet werden: Klaus Manns "Geschwister", 1930 in München mit Erika Mann und Therese Giehse uraufgeführt, standen auf dem Programm.
Theater
Foto : Utz

Jean Cocteau hatte mit seinem Roman Les enfants terribles (1929) die Vorlage für dieses Schauspiel geliefert, das aufgrund der angedeuteten inzestuösen Beziehung der beiden Hauptfiguren Paul und Elisabeth damals einen veritablen Theaterskandal auslöste. Ein merkwürdiges Paar sind die beiden schon. Sie zanken und beschimpfen, belügen und betrügen sich – und können doch nicht ohne einander. Was sie eint, ist die verlorene Kindheit, die durch magische Rituale ins Gedächtnis zurückgeholt und zugleich beschworen wird. Die sie umgebende Umwelt kann da schon mal sehr aufdringlich werden.

Insbesondere der Umgang mit den anderen Figuren des Stücks demonstriert die fortschreitende Entfremdung Pauls und Elisabeths gegenüber der Welt da "draußen". Etwa wenn die Schwester sich gegen den Willen ihres Bruders einen amerikanischen Millionär angelt, der gleich einen Tag nach der Hochzeit mit Elisabeth unter mysteriösen Umständen tödlich verunglückt – die Trauer hält sich nicht nur bei Paul in Grenzen.

Irrungen und Wirrungen auch im Verhältnis der Geschwister zu den beiden Freunden Agathe und Gérard. So scheint Pauls verkündete Liebe zu Agathe, die Elisabeth schließlich vereitelt, zumindest halbherzig zu sein – denn in Agathes Antlitz sieht er vor allem auch die Ähnlichkeit zu Dargelos. Dieser hatte ihn einst als Schüler mit einem Schneeball niedergestreckt und genießt dessen ungeachtet seitdem die volle Bewunderung Pauls. Zieht man die komplexe Gefühlslage ab, die sich dahinter verbirgt, so kann man sich hier auch – so ging es jedenfalls dem Rezensenten – an George Herrimans Comic-Klassiker "Krazy Kat" erinnert fühlen: Eine Katze ist nicht von ihrer Liebe zu einer Maus abzubringen, obwohl die Maus die Katze ständig mit einem Ziegelstein traktiert. Was heißen soll: Pauls Schneeball-Geschichte hat auch ihre komischen Seiten und endet dennoch – das unterscheidet sie vom Comic – katastrophal. Karin Polit und Raphael Utz ist eine bündige Inszenierung dieses Kammerspiels in vier Akten gelungen. Matthias Dietl als Millionär kam an, Alexandra Zalibera als schwätzendes "Faktotum" Marietta mit einigen Lachern aus dem Publikum. Carmen Fehrenbach als Agathe und Martin Sturm als Gérard voll überzeugend. Die Krone freilich gebührt den beiden Hauptdarstellern (siehe Foto): Judith Hufnagel als Elisabeth im Verlauf des Stücks immer besser, Jan Schulte Holthausen als erstaunlich souveräner angry young Paul – weiter so! Als nächstes – so ist von den "Anstiftern" zu hören – sei eine Komödie geplant. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 08.05.2001