Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel > April-Mai 2001 >

Einfach umwerfend

Vom Steinzeitjäger zum Olympiasieger
Wie 400 000 Jahre alte Speere eigentlich fliegen, wollte der Heidelberger Sportwissenschaftler Prof. Dr. Hermann Rieder wissen und kam bei dem Experiment zu "phänomenalen" Ergebnissen – mit einem Nachbau, versteht sich. Ein Film dokumentiert jetzt das Unternehmen.
Foto : Alex
Foto : Alex

Eine kleine Sensation war es schon, als der Archäologe Hartmut Thieme Mitte der neunziger Jahre bei Grabungen im niedersächsischen Braunkohletagebau Schöningen auf mehrere vollständig erhaltene Holzspeere aus paläolithischer Zeit stieß (ca. 400 000 Jahre zurückliegend). Es handelte sich damit nämlich um die ältesten Exemplare ihrer Art, ja die ältesten Jagdwaffen der Menschheit überhaupt, die man bislang gefunden hat. Gefertigt sind die Speere aus Fichtenholz, auf der Basis von Stämmchen, deren Astansätze von unseren Vorfahren sorgfältig abgearbeitet wurden. Soweit die Erkenntnisse des Archäologen.

Dass diese Funde einen wichtigen Einblick in altpaläolithische Arbeits- und Lebensweisen bieten, liegt auf der Hand. Auf die Idee, die Effektivität dieser Jagdgeräte einmal in der Praxis zu testen, konnte aber eigentlich nur ein begeisterter Speerwerfer kommen wie Hermann Rieder, der nicht nur auf eigene Wettkampferfolge in dieser Disziplin verweisen kann, sondern auch als Trainer berühmte Speerwerfer wie beispielsweise den Olympiasieger von 1970 Klaus Wolfermann ausgebildet hat. Also ließ der Sportwissenschaftler die Speere nachbauen und engagierte einen Testwerfer. Das Ergebnis war erstaunlich: "Wir können heute die Speere zwar normen, aber nicht besser machen!", urteilte Rieder begeistert.

In etwa entsprechen die technischen Daten des Oldies dem heutigen Damenwettkampfspeer. Und braucht sich hinter diesem nicht zu verstecken: Die nachgebauten Speere sind geeignet für kurze und direkte Würfe mit maximaler Kraft, aber auch für lange Bogenwürfe auf große Entfernung – die nicht so glatte Oberfläche und die leichten Krümmungen scheinen jedenfalls keine negativen Auswirkungen auf die Zielsicherheit zu haben – gute Voraussetzungen also für die Jagd. Wer solche Speere herstellen konnte, so Prof. Rieder, muss hervorragende Wurffähigkeiten gehabt haben und einen Erfahrungsschatz des Werfens, der wohl schon über viele Jahrtausende tradiert wurde. Der vom Sportinstitut produzierte Film zeigt diese Wurfübungen, die im Mai 2000 anläßlich eines Archäologenkongresses zum Thema "Frühe Menschen in Mitteleuropa – Chronologie, Kultur, Umwelt" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vorgenommen wurden. Ein orangefarbener Gelatineblock (siehe Foto) simulierte dabei den Tierkadaver, in welchen der eingedrungene Holzspeer nur um wenige Zentimenter vom heutigen Metallspeer übertroffen wurde.

Zu sehen ist der Film übrigens demnächst in einer Ausstellung bei MVV Mannheim (K1 Breite Strasse 5-6) mit dem Titel "(Speer)Werfen. Vom Steinzeitjäger zum Olympiasieger heute". Kontakt: Prof. Dr. Hermann Rieder, Institut für Sportwissenschaft, Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg.

Oliver Fink ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 08.05.2001