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"Universität muss auf Wettbewerb deutlich besser ausgerichtet werden"

Gespräch mit dem designierten Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff
Der designierte Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Peter Hommelhoff, hatte dem Senat vor seiner Wahl Mitte Februar eine Art "Regierungserklärung" vorgelegt – ein Positionspapier unter dem Titel "Das Rektorat 2001 – 2007: Zwölf Leitpunkte". Das Papier löste zahlreiche Diskussionen aus und führte zu Anregungen von außen wie innen. Als im März der Universitätsrat tagte, dem Prof. Hommelhoff als stellvertretender Vorsitzender angehört, standen auch die Struktur- und Entwicklungspläne der Fakultäten auf der Tagesordnung. Vor diesem Hintergrund habe er seine Sicht des gegenwärtigen Zustands der Universität Heidelberg ändern müssen, sagt der zukünftige Rektor im Gespräch mit dem Unispiegel.
Rektor Prof. Jürgen Siebke gratuliert seinem Nachfolger Prof. Peter Hommelhoff
Rektor Prof. Jürgen Siebke gratuliert seinem Nachfolger Prof. Peter Hommelhoff
Foto : Garcia

Hat sich Ihr Bild über die Universität Heidelberg in den letzten Wochen geändert?

Hommelhoff: Im Grundsatz nicht, aber in Tendenzen sehr wohl. Die Universität Heidelberg stellt sich ein bisschen weniger strahlend dar, als ich zuerst dachte. Das macht konsequent erforderlich, dass die Initiativen der Fakultäten und Einrichtungen noch stärker ermutigt und angeregt werden. Auch müssen wir ihre Pläne und Aktivitäten kontinuierlich und systematisch nachverfolgen.

In Ihren "Zwölf Leitpunkten" hatten Sie an erster Stelle die Positionierung der Universität Heidelberg im internationalen Wettbewerb angesprochen. Wie sehen Sie die Lage heute?

Hommelhoff: In den nächsten Jahren wird Wettbewerb national und international das Verhältnis der Universitäten zueinander immer stärker prägen – das gilt auch für ihre Fakultäten und Einrichtungen. Auf diesen Wettbewerb muss die Ruprecht-Karls-Universität trotz mancher Erfolge dennoch in vielen Bereichen deutlich besser ausgerichtet werden. Deshalb muss sich die Ruperto Carola breitflächig modernisieren und weiter internationalisieren, um nicht im Wettbewerb zurückzufallen, aber auch um durchaus vorhandene Mängel zu beseitigen.

Sie haben eine Reihe konkreter Punkte für ein Programm in den Blick gefasst, durch das Sie diese Ziele erreichen wollen. Bitte schildern Sie unseren Lesern, in welche Richtung sich die zukünftige Entwicklung hier in Heidelberg vollziehen soll.

Hommelhoff: Die vorhandenen Inseln der Exzellenz sind zahlenmäßig zu erhöhen und vor allem auf größere Einheiten auszudehnen. In zahlreichen Einzelfächern wird das eigenständige Heidelberger Profil zu schärfen sein – in der Forschung ebenso wie auch und vor allem in der Lehre. Die internationalen Kooperationen werden auf Instituts- und Fakultätsebene vornehmlich in den englischsprachigen Raum hinein auszubauen sein, um den Wettbewerb mitgestalten zu können. Darüber dürfen allerdings die vorhandenen Beziehungen nicht vernachlässigt werden, namentlich wenn sie darauf abzielen, Umstrukturierungsprozesse in Ostmittel- und Osteuropa, Asien, am Mittelmeerrand und in Südamerika zu unterstützen. Initiiert werden sollten englischsprachige Studiengänge, vornehmlich für ausländische Studierende – für sie werden daneben allgemeine Deutschkurse obligatorisch sein müssen. Bachelor-Abschlüsse werden überlegt in vorhandene Studiengänge einzubauen sein. Zusätzliche Master-Abschlüsse kommen vornehmlich für Aufbaustudiengänge in Betracht. Ob sie hier und da vielleicht sogar an die Stelle von Diplom-Abschlüssen gesetzt werden können, wird sorgfältig von Fall zu Fall zu erwägen sein, um herausragende Ergebnisse aus den bisherigen Systemen nicht zu gefährden.

Im Bereich der Forschung sind Forscher-Netzwerke vornehmlich in den Geisteswissenschaften, aber auch auf Zeit verfestigte Forschungsorganisationen zu ermutigen.

Die Prozesse der Modernisierung und Internationalisierung werden betont von den Instituten und Fakultäten her ausgehen müssen. Deren Struktur- und Entwicklungspläne sind Grundlage der Materialisierung und Konkretisierung. Die Universitätsspitze wird sich auf die Stimulierung solcher Prozesse zu konzentrieren haben. Allerdings sind konkrete Anstöße dort, wo nötig, gewiss nicht ausgeschlossen.

Die finanziellen Gestaltungsspielräume der Universität in Zukunft werden auch zu dem Zweck zu nutzen sein, Ideen und Erfolge sichtbar zu prämieren. Das schließt Evaluierungen im Rahmen eines umfassenden Controlling von Forschungs- und Lehrerfolgen mit ein. Innerhalb der Universität werden die Prozesse und Verfahren zur Information und Konsultation, zum Interessenabgleich und zur Entscheidungsfindung zu gestalten, einzuführen und aus praktischer Erfahrung heraus zu optimieren sein. Dazu gehören unmittelbare Begegnungen zwischen dem Rektorat und den Akteuren in Forschung und Lehre auf Fakultäts- und Institutsebene, aber auch mit den Studierenden. Darüber hinaus werden die Stätten der Begegnung zwischen Lehrenden und Lernenden zu verbessern sein. Das Verhältnis zwischen der Universität und der Politik auf allen Ebenen wird in institutionalisierten Treffen weiter auszubauen und zu optimieren sein.

Herr Professor Hommelhoff, der Unispiegel wünscht Ihnen Durchsetzungsvermögen, Erfolg und auch eine Portion Freude an der neuen Arbeit – trotz der Hindernisse, die Ihnen vielleicht in den Weg gestellt werden.

Die Fragen stellte Michael Schwarz magenta

 

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Updated: 08.05.2001