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Jüdische Reminiszenzen

Ein interdisziplinäres Symposium zu Ehren von Saul Friedländer
Seit einer Bayreuther Tagung über das Thema "Richard Wagner und die Juden" besteht ein enger Kontakt zwischen dem Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Dieter Borchmeyer und dem Historiker Prof. Dr. Saul Friedländer, der an den Universitäten Tel Aviv und Los Angeles lehrt. Dem israelischen Kollegen "zu Ehren" – Friedländer zählt zu den renommiertesten Vertretern seiner Zunft – veranstaltete Borchmeyer nun ein zweitägiges Symposium mit dem Titel "Das Judentum im Spiegel seiner kulturellen Umwelten".
Heereszug der Kinder Israel
Unsere Abbildung stammt aus Julius Wilhelm Zincgrefs "Emblematum Ethico-Politicorum Centurio" (Ausgabe 1664) und zeigt die Feuersäule mit dem Jahwe-Namen vor dem Heereszug der Kinder Israel mit Bundeslade.

Zumindest geheimes Thema nahezu aller Vorträge war die Auseinandersetzung mit Antijudaismus und Antisemitismus. Der Heidelberger Ägyptologe Prof. Jan Assmann zeigte, dass der Antijudaismus schon vor dem Christentum zu beobachten sei, Wurzeln fänden sich etwa in der ägyptischen Ablehnung des jüdischen Monotheismus. Assmanns Kollege Prof. Klaus Berger von der Theologischen Fakultät beantwortete im Anschluss daran die Frage nach den vermeintlich biblischen Ursprüngen des Antisemitismus mit einer genauen Lektüre des Neuen Testaments negativ - unterstellte antijudaistische Tendenzen beruhten vor allem auf falscher Auslegung bzw. Missverständnissen. So handele es sich bei vielen Invektiven um Binnenkritik, die Juden gegenüber ihrem eigenen Volk äußerten.

Abgesehen von diesen beiden Ausflügen in die Frühgeschichte stand ansonsten das 19. und 20. Jahrhundert im Mittelpunkt. Überblicke gab es von Prof. Helmuth Kiesel (Germanistisches Seminar), der sich dem Thema Judentum und deutsche Literatur der Moderne stellte, sowie von der Heidelberger Soziologin Prof. Uta Gerhardt, die das Verhältnis von Judentum und Soziologie behandelte. Hochinteressant und nicht jedermann bekannt die Pläne für ein "sowjetisches Zion" auf der Krim, das schließlich von Stalin bekämpft und vereitelt wurde - Frank Grün vom Seminar für Osteuropäische Geschichte referierte.

Gewissermaßen in den Händen eines einzigen Lehrstuhls lag schließlich die Interpretation dreier literarischer Werke. Prof. Dieter Borchmeyer nahm sich Grillparzers "Die Jüdin von Toledo" vor und widmete sich insbesondere der darin agierenden Figur Rachel. Sein Assistent Dr. Wolf-Daniel Hartwich beschäftigte sich mit E.T.A. Hoffmann und dem romantischen Antisemitismus. Borchmeyers studentischer Mitarbeiter Marius Meller schließlich, der gerade seine Magisterarbeit fertig gestellt hat, konnte das Publikum durch eine minutiöse Lektüre von Kafkas "Strafkolonie" verblüffen, deren jüdische Quellen er aufdeckte.

Und Saul Friedländer? Nachdem am Morgen des ersten Tages Prof. Hans Rudolf Vaget (Smith College, Northampton) dessen Werk im Kontext der Gedächtnisdebatte in den U.S.A. beleuchtet hatte, oblag es dem mit dieser Veranstaltung Geehrten, am Abend den öffentlichen Vortrag in der Aula der Alten Universität zu halten. Friedländer beschäftigte sich mit der auch moralischen Rolle des Historikers angesichts des Holocaust: Nur die Eingliederung des individuellen Schicksals in die historische Argumentation könne die Dichotomie zwischen unbeschreiblicher Dimension der Verbrechen und der Historisierung auflösen. Eine Veröffentlichung seines und der anderen Vorträge des Symposiums ist zu wünschen.

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Updated: 04.02.2001