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"Das Erforschliche erforscht zu haben"

Erinnerung an Richard Kuhn (1900-1967)
Anfang Dezember 2000 wäre der Heidelberger Chemiker und Nobelpreisträger Richard Kuhn 100 Jahre alt geworden. Gelegenheit, einen Blick zurück zu werfen auf eine bewegte Wissenschaftlerkarriere in politisch unruhigen Zeiten.
Prof. Dr. Richard Kuhn
Foto : Universitätsarchiv

Geboren wurde Kuhn am 3. Dezember 1900 in Wien. Nach zwei Semestern an der dortigen Universität widmete er sich dem Chemie-Studium an der Universität München unter Richard Willstätter, der 1915 den Nobelpreis in diesem Fach erhalten hatte. Willstätter muss von seinem Schüler Kuhn sehr angetan gewesen sein, jedenfalls sprach er von ihm als seiner "größten Entdeckung". Mit der Arbeit "Über Spezifität der Enzyme" wurde Richard Kuhn nach vier Jahren Studium zum Dr. phil. promoviert und habilitierte sich schließlich 1925 als Privatdozent für Chemie. Zum Professor für Allgemeine und Analytische Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich wurde er schon ein Jahr später ernannt.

1928 heiratete Kuhn – der Ehe entstammten sechs Kinder. Er verließ 1929 die Schweiz und wirkte fortan als Professor an der Universität Heidelberg. Zugleich leitete er die Abteilung für Medizinische Chemie am dortigen Kaiser-Wilhelm-Institut, aus dem das heutige Max Planck-Institut für medizinische Forschung hervorging. Die zahlreichen Aufgaben hinderten ihn nicht daran, sich voll und ganz der Forschung zu widmen. Bei seinen Schülern und Mitarbeitern war er beliebt. Er ging kameradschaftlich mit ihnen um und verstand es, ihre schöpferische Phantasie anzuregen – eine Methode, die heute noch erfolgreich unter dem Namen "Brainstorming" firmiert.

Neben seinen Arbeiten über die Enzyme interessierte sich Kuhn insbesondere für die in der Natur vorkommenden Pigmente. Er bestimmte die chemische Zusammensetzung der Karotine (Familie der gelben, orangefarbenen oder roten Pigmente), diejenige der Lykophine (rotes Pigment der Tomate) und der aus dem Krokus isolierten Krokeine. Er zeigte auf, dass die Farbe der Pigmente von ihrer chemischen Struktur bestimmt wird.

Riboflavin
Vitamin B2 ist von orange-gelblicher Farbe und ein fluoreszierendes Pigment. Es spielt in der menschlichen Ernährung eine wichtige Rolle und ist auch unter dem Namen Vitamin G bekannt.
Abbildung : Universitätsarchiv
Kuhn erweiterte sein Forschungsgebiet und begann sich für Vitamine und chemische Sexualstoffe zu interessieren. 1936 gelang ihm die erste teilweise Synthese des Vitamins B2 (Struktur siehe Abbildung) – besser bekannt unter dem Namen Vitamin G. Er klärte die vollständige Struktur des Vitamins B6 auf, bevor er einige Jahre später das Vitamin synthetisierte. "In Anerkennung dieser Arbeiten über die Vitamine und die Karotinoide" erhielt er 1938 den Nobelpreis für Chemie, den er aber nicht annehmen konnte, denn die Deutsche Regierung verbot ihm, das Land zu verlassen. Erst am Silvesterabend 1948 bekam Kuhn den Bescheid aus Stockholm, dass ihm der verliehene Nobelpreis nachträglich ausgehändigt werden solle.

Seine politische Rolle unter den Nationalsozialisten läßt sich aus den Akten des Universitätsarchivs nicht eindeutig bestimmen. Eine Beurteilung der Dozentenschaft aus dem Jahre 1936 stuft ihn als "politisch nicht durchsichtig" und "politisch sehr zurückhaltend" ein. Wie dem auch sei, Kuhn wurde nach dem Krieg von den Siegermächten bestätigt, dass er nicht Mitglied der NSDAP oder in anderer Weise für das Regime politisch tätig war. Er ging zunächst in die USA und lehrte mehrere Jahre an der Universität von Pennsylvanien, ehe er 1953 nach Deutschland zurückkehrte.

Durch seine weit über 700 Publikationen zu Problemen der Stereochemie und der Enzymforschung, durch seine Arbeiten über die Isolierung zahlreicher Karotinoide gelangte Richard Kuhn weit über seine eigene Fachdisziplin hinaus zu internationalem Ansehen. Mindestens 50 Ehrungen und Auszeichnungen wurden ihm in seinem produktiven Forscherleben zuteil – so wurde er Ende der fünfziger Jahre auch in den Orden Pour le mérite aufgenommen. "Das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren", nannte er einmal mit Goethe das Glück, welches das schönste für den Menschen sei.

Richard Kuhn starb 1967 im Alter von 66 Jahren in Heidelberg nach langer Krankheit. Die nach ihm benannte Goldmedaille, die seit 1968 von der Gesellschaft Deutscher Chemiker vor allem an junge Wissenschaftler verliehen wird und von der BASF gestiftet wurde, erinnert noch heute an seine Forschertätigkeit.

Georg Sposny

 

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Updated: 04.02.2001