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Pflanzliche Biotechnologie

Chancen und Risiken diskutiert
Zum Thema "Pflanzliche Biotechnologie" fand in der Stadtbücherei Heidelberg eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Umweltverbände, der Verbraucherschützer sowie der Lebensmittel- und Saatgutindustrie statt. Eingeladen hatte die "Arbeitsgemeinschaft Chancen und Risiken der grünen Biotechnologie", eine Gruppe von Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität Heidelberg, welche seit eineinhalb Jahren ökonomische, ökologische und juristische Aspekte der gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen untersucht.

Berichterstattung oft unsachlich

"Die öffentliche Diskussion", so Diplom-Biologin Elke Baumann, "ist nicht zuletzt auf Grund der Berichterstattung in den Medien größtenteils alles andere als sachlich. Ziel unserer Veranstaltung ist es, dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, sich über die bisher gewonnenen wissenschaftlichen Fakten zu informieren, um sich eine eigene Meinung über diese neuartige Technologie bilden zu können." Eine erste Gelegenheit dazu boten den über 80 Besuchern die großformatigen Poster im Foyer, auf denen die Veranstalter ihr umfangreiches Material anschaulich dargestellt hatten.

Im Anschluss an einen kurzen Vortrag von Aletta Wilhelm, in dem sie wichtige Begriffe der Biotechnologie erläuterte, diskutierten die Podiumsteilnehmer dann unter der Leitung von Elke Stehfest und Nina Grunze mögliche Vorteile und Risiken. Dr. Rainer Zawatzky vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Heidelberg wies zu Beginn darauf hin, dass viele Anwendungen der Gentechnik bei Nutzpflanzen letztlich eine Fortsetzung der heutigen intensiven Landwirtschaft darstellten, die seine Organisation grundsätzlich ablehne. Stattdessen sei ein generelles Umdenken und eine Rückbesinnung auf traditionelle Anbauweisen vonnöten, um die Umwelt wirkungsvoll zu schonen. Allerdings seien im Einzelfall gentechnische Anwendungen aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll, so z.B. das Einbringen eines Resistenzgens gegen Fadenwürmer in Zuckerrüben.

Dem Vertrauensverlust begegnen

Im Zusammenhang der Tatsache, dass sich heute 75% der deutschen Bevölkerung gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel aussprechen, hob Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen den Vertrauensverlust der Bürger gegenüber den Chemieunternehmen hervor. Es sei völlig nachvollziehbar, dass die Konzerne, die beispielsweise in den 60er Jahren die Gesundheitsrisiken der Chlorchemie verharmlost hätten, heute bei dem Versuch, gentechnisch veränderte Lebensmittel oder Saatgut zu vermarkten, zunächst auf breite Skepsis stießen. Dem hielt Prof. Dr. Markwart Kunz von der Südzucker AG entgegen, dass gerade bei der Pflanzenbiotechnologie die Verhältnisse genau umgekehrt lägen: Noch nie zuvor seien bereits vor der Einführung einer neuen Technologie so umfangreiche Studien unternommen worden, um eine genaue Risikoabschätzung durchführen zu können. Simone Neddermann ergänzte als Vertreterin des größten deutschen Saatgutherstellers, der KWS Saat AG Einbeck, dass zusätzlich zu den freiwilligen Versuchen der Unternehmen strenge staatliche Kontrollen existierten. Dies habe letztlich zur Folge, dass über die Eigenschaften transgener Pflanzen wesentlich umfangreichere Daten verlangt und erhoben würden als für Sorten, die man durch klassische Züchtung erhalte.

Der weitere Verlauf machte deutlich, dass die Teilnehmer beispielsweise die Frage nach einem erhöhten Allergierisiko beim Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel, die Kennzeichnungsproblematik oder die Folgen der Übertragung von in Nutzpflanzen eingebrachten Genen auf andere Organismen recht unterschiedlich bewerteten. Auch im Hinblick auf die Möglichkeit, "optimierte" Pflanzen in Entwicklungsländern oder bei der Rohstoffgewinnung einzusetzen, waren die Standpunkte verschieden. Einigkeit herrschte jedoch größtenteils über die Notwendigkeit, jeden transgenen Ansatz einzeln zu prüfen, anstatt die gesamte Technologie pauschal zu beurteilen.

Dass trotz engagiert vorgetragener Argumente die rund dreistündige Diskussion überwiegend sachlich blieb, war nicht zuletzt das Verdienst der beiden Moderatorinnen – zum Nutzen der zahlreichen Besucher, die so mit reichlich Informationen zu diesem komplexen Thema versorgt wurden. Für Interessierte noch ein Tipp: Die Poster sind bis auf weiteres im Zoologischen Institut (INF 230) zu sehen.

Markus Schirmer

 

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Updated: 04.02.2001