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Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel > Januar, 1 / 2000

Kennzeichen : unbequem und nimmt die Macht unter die Lupe

 
Ausstellung zu Leonardo Sciascia in der Alten Universität
Sciascia ist vor allem durch seine im Milieu der sizilianischen Mafia angesiedelten Kriminalromane bekannt geworden. Die Ausstellung war bereits in Rom, Mailand, Paris, Grenoble, Salamanca und Madrid zu sehen.

"Name: Leonardo Sciascia. Beruf: Schriftsteller. Heimat: Sizilien. Besondere Kennzeichen: ist unbequem, nimmt die Macht unter die Lupe wie der Kriminalist das Verbrechen." Knapper und präziser hätte man die Person Leonardo Sciascia nicht präsentieren können, wie dies der Italien-Kenner Peter Kammerer getan hat.

1921 in Racalmuto (Provinz Agrigent) auf Sizilien geboren, war Sciascia nicht nur ein erfolgreicher Schriftsteller, dessen Gesamtwerk von einer thematischen und ideellen Kontinuität gekennzeichnet ist, sondern auch Politiker, der 1975 als Unabhängiger auf der Liste der (ehemaligen) Kommunistischen Partei Italiens in den Stadtrat von Palermo zog und von 1979 bis 1983 unabhängiger Abgeordneter im Italienischen und Europäischen Parlament des Partito Radicale von Marco Panella gewesen ist.

Die Affäre Aldo Moro

Als Mitglied des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der sich mit der Entführung und Ermordung des Generalsekretärs der Christdemokratischen Partei Aldo Moro beschäftigte, legte er 1978 mit seinem Buch Die Affäre Moro einen Abschlussbericht vor, dessen Hauptthese, Aldo Moro sei von seinen eigenen Parteifreunden aus politischem Kalkül bewusst geopfert worden, einen regelrechten Wirbelsturm in Italien auslöste. Als "Kassandra von Racalmuto" war Sciascia ein unbeugsamer Kämpfer für Gerechtigkeit, Toleranz und Vernunft, zugleich moralische Instanz in einem Land, das sich erst in letzter Zeit angeschickt hat, mit seiner verbrecherischen Vergangenheit abzurechnen.

Ausstellungsmacher Sandro Moraldo

Der Ausstellungsmacher Sandro Moraldo mit einem Foto von Leonardo Sciascia.

Sciascia ist aber vor allem durch seine im Milieu der sizilianischen Mafia angesiedelten Kriminalromane bekannt geworden, die von so berühmten Regisseuren wie Damiano Damiani, Francesco Rosi, Elio Petri und Gianni Amelio verfilmt wurden. Die bedrohliche Atmosphäre dieses Systems, in dem Kirche, Staat, Politik und organisiertes Verbrechen unlöslich miteinander verbunden sind, wird in Büchern wie Der Tag der Eule, Tote auf Bestellung, Tote Richter reden nicht, Todo Modo oder das Spiel um die Macht und Man schläft bei offenen Toren meisterhaft in Szene gesetzt: einfache Geschichten von Aufklärung und Verschleierung eines Verbrechens, Intrigen und Korruption, Wirtschafts- und Parteiinteressen, der Niederlage der menschlichen Vernunft und Gerechtigkeit und dem Triumph des Bösen. "Der Schriftsteller", so der Sizilianer in einem Interview, "misst sich immer mit der Realität. Was ihn zum Schreiben bringt, ist der Zusammenstoß mit der Realität. Einer, der mit sich und der Welt zufrieden ist, wird schwerlich seine Tage hinter der Schreibmaschine verbringen." Sciascias Werke sind die moralische und literarische Abrechnung mit einer Gesellschaftsordnung, die schon seit langem längst über Sizilien hinausreicht und die auch heute nichts von ihrer traurigen Aktualität verloren hat.

Gesellschaftspolitisches Engagement

Neben gesellschaftspolitischem Engagement gehörten aber ebenso Bescheidenheit und Zurückhaltung zur Persönlichkeit des einstigen Volksschullehrers, der aus armen Verhältnissen stammte, kurzzeitig für das italienische Erziehungsministerium arbeitete und nach dem Erfolg mit seinen beiden ersten Romanen, dem autobiographischen Werk Die Gemeinden von Regalpetra und dem Mafia-Roman Der Tag der Eule, sich Anfang der 60er Jahre ganz der Schriftstellerei und später auch der Politik widmete. Vor gut zehn Jahren, am 20. November 1989, erlag Sciascia einer schweren Krankheit.

Erstmals in Deutschland

Zahlreiche Veranstaltungen in Italien gedachten des verstorbenen Schriftstellers, darunter auch die Ausstellung mit dem Titel La Sicilia, il suo cuore. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Leonardo Sciascia (Racalmuto) und der Stiftung Whitaker (Palermo) kommt auf Initiative des Italienischen Kulturinstituts (Stuttgart), des Universitätsarchivs und -museums Heidelberg die Wanderausstellung zum ersten Mal nach Deutschland.

Nach Luigi Pirandello ist Leonardo Sciascia der zweite große sizilianische Autor, der mit einer Ausstellung in Heidelberg geehrt wird. Sein umfangreiches literarisches Werk, das in der Ausstellung in den Originalausgaben und zahlreichen Übersetzungen in Erstausgaben zu sehen ist, wird durch eine Fotoausstellung ergänzt. Die Schwarzweiß-Fotografien, Momentaufnahmen aus dem Leben des Sizilianers, stammen zumeist von Ferdinando Scianna, dem berühmten Fotografen und Freund Sciascias. Die Ausstellung ist bis zum 2. März dienstags bis freitags von 10.00 bis 16.00 Uhr zu sehen.

Sandro M. Moraldo / Foto : Rothe

 

 

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Updated: 09.02.00