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Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel > Januar, 1 / 2000

Das Portrait
Prof. Dr. Hannah Monyer
"Heidelberg kannte ich von einer Postkarte"

 
Prof. Dr. Hannah Monyer Nein, die Blumen seien nicht mehr von der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, sie schenke sich jede Woche selber einen Strauß, lacht die schlanke Frau und streicht sich ihren Rock glatt. "Schließlich verbringe ich die meiste Zeit hier im Labor." Die ausgebildete Medizinerin besetzt seit Mai vergangenen Jahres eine der bundesweit vier Hermann und Lilly Schilling-Stiftungsprofessuren für Klinische Neurobiologie und leitet die Abteilung für Klinische Neurobiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Die besondere Brückenfunktion zwischen Klinik und Grundlagenforschung komme ihren bisherigen Forschungsschwerpunkten sehr entgegen.

Von klein auf habe sie gewusst, dass sie in die medizinische Forschung wolle. Deshalb verließ sie 1975 ihre Heimat Rumänien, in der damals eine wissenschaftliche Laufbahn nur schwer möglich gewesen wäre. Mit knapp 18 Jahren reiste sie allein mit einem Gastvisum in die Bundesrepublik, ließ die Familie zurück und beendete die Schule in Heidelberg. Nicht dass die eingebürgerte Spätaussiedlerin hier Verwandte oder Freunde gehabt hätte, aber Heidelberg sollte unbedingt ihre neue Heimat werden, denn das kannte sie von einer Postkarte und von seinem internationalen Ruf. Die ersten Jahre waren natürlich von Heimweh geprägt, aber an eine Rückkehr habe sie nie ernstlich gedacht. Ihre Eltern, selber einfache Leute, unterstützten sie auch von klein auf in ihren ehrgeizigen Wünschen, sei es mit der Entsendung auf die ferne englische Schule oder mit der Anschaffung eines Flügels, den der Vater auf Drängen der Sechsjährigen kaufte. Noch heute spielt die disziplinierte Frau fast täglich Klavier.

Als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte sie bis 1982 Medizin an der Universität Heidelberg und untersuchte in ihrer Doktorarbeit "Das Phänomen 'Eifersucht' bei Marcel Proust und in der Psychiatrie seiner Zeit". Nach der Approbation als Ärztin arbeitete sie in Mannheim in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, aber im Alter von damals 24 Jahren sei sie noch viel ungeduldiger gewesen als heute. "Die Arbeit mit den Patienten ging mir viel zu langsam", gesteht die energiegeladene Wissenschaftlerin. Deshalb bewarb sie sich um ein Postdoc-Stipendium in den USA. Die drei Jahre in Stanford wurden entscheidend für ihren weiteren Lebensweg, denn neben der klinischen Forschung arbeitete sie dort auch intensiv in der Grundlagenforschung.

Grundlagenforschung ist herausfordernder

"Bis dahin hatte ich nie gedacht, dass ich die klinische Forschung je aufgeben würde." Die Dankbarkeit der hilfsbedürftigen Patienten und das Gefühl, etwas Gutes zu tun, hätten sie in ihrer Arbeit sehr gestärkt. Grundlagenforschung sei natürlich herausfordernder, auch wenn man immer unter sehr großem Druck stehe, sehr gut zu sein und noch dazu Glück zu haben. Es sei ein andauernder Balanceakt zu entscheiden, wie lange man weitersucht, wenn sich bislang nichts gefunden hat. Das Einwerben von Drittmittel habe bislang einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Zeit eingenommen. "Die Schilling-Stiftungsprofessur ist von daher ein unwahrscheinlicher Luxus: Mit den sechs festen Assistentenstellen kann ich auch risikoreichere Projekte unternehmen. Ansonsten ist die Forschung an grundsätzlich Neuem nicht so leicht zu finanzieren", erklärt die dynamische Frau, die nach ihrer Rückkehr aus Stanford am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg arbeitete und sich 1993 für das Fach Biochemie habilitierte.

Die Berufung auf den Lehrstuhl hielt sie in ihrer Wahlheimat Heidelberg. Den Ruf nach Wien hatte sie schon angenommen, als begeisterte Musik- und Theaterliebhaberin freute sie sich sehr auf die österreichische Metropole, zumal das Temperament dort dem ihrer Heimat Siebenbürgen auch nicht unähnlich sei. Doch mit dem Ruf auf die Stiftungsprofessur habe sie sich innerhalb von drei Stunden entschieden: Heidelberg sei von der Forschung her der optimale Stützpunkt, gerade jetzt wo das Interdisziplinäre Zentrum für Neurowissenschaften aufgebaut werde und der neue Sonderforschungsbereich Molekulare Neurobiologie angelaufen sei. "Hier ist es wesentlich leichter, gute Arbeit zu leisten, zumal ich auch auf dem sozialen und akademischen Parkett in Deutschland eingespielter bin."

Den Rat ihres amerikanischen Mentors, sich nicht in Vielfältigkeit zu verlieren, sondern auf ein Gebiet zu konzentrieren, befolgt die beharrliche Professorin bis heute. Für tägliches Klavierspiel und Jogging reicht der fünfsprachigen Frau die Zeit, aber die Ruhe, gut zu kochen, und die Muße für Literatur und Philosophie wird sie sich in den nächsten Jahren kaum gönnen. "Jetzt gilt es erst einmal, das Institut aufzubauen, Nachwuchsgruppen einzurichten und den Mittelbau zu fördern", freut sie sich.

VD / Foto : privat

 

 

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Updated: 09.02.00