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Editorial

„Eine der größten Herausforderungen, welche die Universität und ihre Mitglieder in dieser Komplexität und Dynamik zu bewältigen haben“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


zurzeit befinden sich der Bildungssektor und hier insbesondere die Universitäten in einem dynamischen Veränderungsprozess mit hohen Anforderungen an das Innovations- und Lernpotenzial ihrer Mitglieder. Universitäten sind schon immer ein Zentrum von Veränderung, von Wandel und Aufbruch gewesen: Wissen schaffen durch Forschung, und Wissen vermitteln durch Lehre gelten gemeinhin als Kernkompetenzen von Hochschuleinrichtungen. „Dem lebendigen Geist“ und „semper apertus“ – die Leitmotive unserer Universität – zeugen von diesem stetigen Wissenschaffen und Wissenvermitteln.


Wurden Veränderungen in der Vergangenheit zumeist in der Universität und von ihren Mitgliedern selbst ausgelöst, sind gegenwärtig vielfältige und gewichtige äußere Einflussfaktoren feststellbar.


Hochschulen stehen unter steigendem Veränderungsdruck, da sie als Promotoren des Fortschritts den gesellschaftlichen und politischen Auftrag haben, sowohl innovative Forschungsergebnisse zu liefern als auch Studierenden eine qualifizierte Ausbildung zu bieten. Wissenschaftler und Studierende werden deshalb weltweit diejenige Hochschule auswählen, an der sie die besten Forschungs- und Studienbedingungen vorfinden.


Ambitionierte Themen aktueller Hochschulreform-Debatten und deren aufwendige Umsetzung sind vor allem: das Erreichen und Erhalten des Elitestatuts im Rahmen der Exzellenzinitiative, das Ausbalancieren staatlicher Steuerung und Deregulierung, das Verbessern der Wettbewerbsfähigkeit durch attraktive Profilbildung, das Sichern und Entwickeln von Qualität in Forschung und Lehre, und natürlich ganz zentral das Ausrichten an internationalen Standards, das curriculare Restrukturieren klassischer Diplom- und Magisterstudiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge und deren Akkreditierung.


Jedes einzelne dieser Projekte berührt fundamental und folgenreich interne universitäre Strukturen und Prozesse sowie Einstellungen und Verhaltensweisen der Universitätsmitglieder.


Erschwerend bei der Umsetzung der Veränderungsvorhaben kommt hinzu, dass die substanziell bedeutsamen und aufwendigen Einzelprojekte nicht linear abgearbeitet werden können, sondern vielfach gleichzeitig, überlappend, bei laufendem Tagesgeschäft und immer knapper werdenden Ressourcen erfolgen müssen.


In der Summe ist dies aktuell eine der größten He­rausforderungen, welche die Universität und ihre Mit­- glieder in dieser Komplexität und Dynamik zu bewältigen haben.


Außenstehenden, einer breiten Öffentlichkeit – und wie es scheint auch Bildungspolitikern – ist der im­-mense Veränderungsdruck, der auf den Universitäten und ihren Mitgliedern lastet, oftmals nicht bekannt.


Umso schwerer wiegen sogenannte handwerkliche Fehler, die zu vermeidbaren Mehrbelastungen von Hochschullehrern, Verwaltungsmitarbeitern und Studierenden geführt haben.


Ein nicht unwesentlicher Teil der Fehlentwicklungen bei der Planung und Implementierung der Studienstrukturreform ist auf die ungenügende Reflektion der Ziele, die mangelnde Antizipation der Folgen sowie auf teilweise widersprüchliche und nicht immer zielführende staatliche Strukturvorgaben und unzureichende Finanzvolumina zurückzuführen.


Das in solchen Situationen beliebte „Schwarze-Peter-Spiel“ der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Versäumnisse zwischen Politik und Hochschulen ist für die nun nötige Reform der Reform wohl kaum zielführend.


Ihr

Karlheinz Sonntag

Prorektor

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 11.07.2014