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Eröffnung des Sonderforschungsbereichs „Materiale Textkulturen“

19. Januar 2012 – Nr. 14/2012
Festakt in der Alten Universität mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer

Mit einem Festakt wird in Anwesenheit der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer der Sonderforschungsbereich 933 „Materiale Textkulturen“ der Universität Heidelberg am Freitag, 3. Februar 2012, offiziell eröffnet. An dem wissenschaftlichen Großprojekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, wirken rund 80 Forscherinnen und Forscher aus mehr als 20 Disziplinen mit. Sie untersuchen schrifttragende Artefakte aus Gesellschaften, in denen keine Verfahren der massenhaften Produktion von Geschriebenem verfügbar oder verbreitet sind. Den Festvortrag bei der Eröffnungsveranstaltung hält der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht von der Stanford University (USA).

Der Sonderforschungsbereich „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften“ hat zum 1. Juli 2011 seine Arbeit für einen Zeitraum von zunächst vier Jahren aufgenommen. Die an dem geisteswissenschaftlichen Verbund beteiligten Wissenschaftler befassen sich zum Beispiel mit religiösen Texten auf Rezitationsrollen im Alten Ägypten, mit in Keilschrift beschriebenen Tontafeln aus Mesopotamien, mit Schriftzeichen an mittelalterlichen Bauwerken oder buddhistischen Inschriften auf Steintafeln.

Quellen dieser Art werden im Rahmen der Forschungsarbeiten vor allem auf ihre materiale Präsenz in einem bestimmten Raum- und Handlungszusammenhang hin untersucht: Wo war Geschriebenes in welcher Form vorhanden und wer hatte Zugang dazu? Wie wurde an, mit oder infolge von diesem Geschriebenen gehandelt und inwieweit waren diese Praktiken der Rezeption durch die „Materialität“ und „Präsenz“ der schrifttragenden Artefakte beeinflusst? Die auf diese Weise ermittelten „materialen Textkulturen“ liefern wichtige neue Hinweise auf Bedeutungszuschreibungen an das Geschriebene in vergangenen und gegenwärtigen „non-typographischen“ Gesellschaften.

„Der Sonderforschungsbereich 933 ist in seiner fachlichen Zusammensetzung und seiner Thematik deutschlandweit einzigartig“, sagt Prof. Dr. Markus Hilgert vom Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Ruperto Carola, der Sprecher des neuen SFB ist. „Es handelt sich um den ersten Sonder-forschungsbereich überhaupt, der aus dem Fach Assyriologie hervorgegangen ist.“ Das „übergeordnete Anliegen“ charakterisiert der Heidelberger Wissenschaftler als einen „Brückenschlag der altertumswissenschaftlichen und mediävistischen Disziplinen zur kulturwissenschaftlichen Theoriebildung“. Er wird von der DFG mit rund 10,3 Millionen Euro gefördert.

Der Festakt am 3. Februar wird durch den Rektor der Universität Heidelberg Prof. Dr. Bernhard Eitel eröffnet. Prof. Hilgert wird anschließend in die wissenschaftliche Arbeit des Sonderforschungsbereichs einführen. Nach dem Grußwort der Wissenschaftsministerin hält Prof. Gumbrecht einen Vortrag mit dem Titel „,Objektive Sensibilität‘. Über die epistemologischen Herausforderungen einer aristotelischen Gegenwart.“ Die Veranstaltung findet in der Aula der Alten Universität statt und beginnt um 15.30 Uhr. Informationen zum Sonderforschungsbereich „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschrieben in non-typographischen Gesellschaften“ sind unter www.materiale-textkulturen.de abrufbar.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Hilgert
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, Assyriologie
Telefon (06221) 54-3555
markus.hilgert@ori.uni-heidelberg.de

Kommunikation und Marketing
Pressestelle, Telefon (06221) 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
 

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