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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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19. September 2006

Subtile Zeichen – das Hirn vor dem Infarkt

Neurochirurgen Oliver Sakowitz, Daniel Haux und Andreas Unterberg skizzieren in der Titelgeschichte des Heidelberger Forschungsmagazins "Ruperto Carola 2/2006" frühe Veränderungen, die die drohende Gefahr verzögert auftretender Hirnschäden rechtzeitig anzeigen – Weitere Beiträge des neuen Heftes reichen von Astronomie, Zeitgeschichte und Archäologie bis hin zu Krebsforschung und Rechtsgeschichte

Wer eine schwere Hirnschädigung infolge eines Unfalls, einer Blutung oder eines Schlaganfalls überlebt, ist trotz aller ärztlichen Kunst weiterhin gefährdet. Häufig kommt es zu verzögert auftretenden Hirnschäden, die den zunächst erzielten Behandlungserfolg wieder zunichte machen. Zu ihnen zählt der "Vasospasmus", ein Gefäßkrampf, der typischerweise eine Woche nach dem akuten Ereignis aufritt und für Patienten tödlich enden kann. Oliver Sakowitz, Daniel Haux und Andreas Unterberg von der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg erforschen in der Titelgeschichte des Heidelberger Forschungsmagazins "Ruperto Carola 2/2006" frühe Veränderungen, die die drohende Gefahr rechtzeitig anzeigen. Das Ziel der Wissenschaftler ist, neue Therapieansätze zu entwickeln, mit denen die gefährliche Gefäßveränderung ursächlich behandelt werden kann. Die weiteren Beiträge des neuen Heftes reichen von Astronomie, Zeitgeschichte und Archäologie bis hin zu Krebsforschung und Rechtsgeschichte.

Rektor im Editorial: zerbrechliche Grundlagen von Wissenschaft in Freiheit

Wie viele andere Universitäten in Deutschland, hat auch die Ruprecht-Karls-Universität das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte schon seit langem in immer neuen Anläufen und unter verschiedenen Aspekten zu durchdringen versucht. "Es gilt, das unter den Nationalsozialisten Geschehene und von ihnen zu Verantwortende nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern für spätere Generationen mahnend zu bewahren", schreibt Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff im Editorial über eine fast 1300 Seiten starke Neuerscheinung im Springer-Verlag. Das umfassendste Unterfangen dieser Art legten die Heidelberger Historiker Wolfgang Eckart, Volker Sellin und Eike Wolgast mit ihrem Werk "Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus" vor.

Hommelhoff: "Das unverändert größte Entsetzen und die tiefste Abscheu ruft der Abschnitt über die Psychiatrie hervor: Das mörderische Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten wurde von der Heidelberger Psychiatrie wesentlich mit konzipiert und in die Tat umgesetzt – der Name der Ruprecht-Karls-Universität ist hier am stärksten und für sehr lange Zeit beschmutzt worden."

Die Herausgeber selbst stellen im Abschnitt zur Leitung der Universität während des Nationalsozialismus die wesentlichen Akteure dieser dunklen Zeit heraus. "Dabei begnügen sie sich zu Recht nicht damit, die Rahmenbedingungen, die der Universität Heidelberg ihren Charakter als führende Wissenschaftseinrichtung voller Liberalität und Weltoffenheit raubten, in Gesetzen, Verordnungen und Erlassen vorzuführen, sondern bezeichnen konkret die ideologisch-weltanschaulich tief verbohrten Akteure, die als Rektoren, Dozenten- und Studentenführer mit aller Kraft darauf hinwirkten, dass sich die Universität in allem auf den Nationalsozialismus ausrichtete und auch die letzten Juden, jüdisch Verwandten und Regimekritiker mit Häme aus der Universität vertrieben wurden" – so der Rektor.

Wer auch immer in dieser Universität Verantwortung trage – namentlich Verantwortung für die Ausbildung der Studierenden und für den wissenschaftlichen Nachwuchs -, sollte das Werk zur Hand nehmen, "um sich zu vergegenwärtigen, wie zerbrechlich die Grundlagen sind, auf denen wir heute Wissenschaft in Freiheit betreiben dürfen und können".

Die Geschwister der Erde

Gibt es irgendwo im Weltall einen Planeten, der unserer Erde ähnelt? Diese Frage interessiert jeden Laien – und jeden Astronomen. Um die Begleiter anderer Sterne zu entdecken, brauchen die Wissenschaftler sehr viel Geduld und aufwändige Methoden. Mit einer dieser Methoden, dem "Gravitationslinseneffekt", hatten sie kürzlich Erfolg. Joachim Wambsganß vom Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg erzählt in "Ruperto Carola 2/2006" die spannende Entdeckungsgeschichte eines Planeten, der von allen bekannten "Exo-Planeten" der Erde am ähnlichsten ist. Er trägt den wenig romantisch anmutenden Namen "OGLE-2005-BLG-390-Lb".

Die Macht der Bilder

Flüchtlingstrecks am Ende des Zweiten Weltkrieges, ein nacktes vietnamesisches Mädchen, das schreiend vor Angst auf einer Straße rennt, Willy Brandt, der vor dem Mahnmal des Warschauer Ghetto-Aufstandes kniet – kaum gelesen, stellt unser Gedächtnis das passende Bild dazu bereit. Doch das Bild ist nicht der unbezweifelbare Garant vergangener Wirklichkeit, für das wir es halten. Edgar Wolfrum und Cord Arendes vom Historischen Seminar erläutern in dem folgenden Text, wie Bilder und Fotos ihre eigene Dynamik entfalten. Die Autoren plädieren dafür, die Medienkompetenz der Betrachter im Rahmen einer "visuellen" Zeitgeschichte zu stärken – damit das "Schlagwort" nicht demnächst vom "Schlagbild" abgelöst wird.

Mit Salzteig und Laserscanner

Ausgerüstet mit Hightech-Geräten wie GPS-Empfängern und Laserscannern reisten Heidelberger Archäologen nach Indien, um dort eine Wehranlage zu erforschen, die aus der Zeit der Maurya, einem altindischen Herrschergeschlecht, stammt. Paul Yule vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie schildert die unerwarteten Hindernisse, die die Wissenschaftler auf ihrem Weg zum Ziel bewältigen mussten. Und er stellt das Ergebnis der engagierten Arbeiten vor, für das die Archäologen bei aller Hightech denn doch auf ein handgeformtes Modell aus Salzteig zurückgriffen: die Dokumentation antiker Baureste – von denen zu befürchten ist, dass es sie schon bald nicht mehr gibt.

Versorgungsengpass für Tumoren

Tumoren können nur dann zu einer tödlichen Bedrohung heranwachsen, wenn es ihnen gelingt, Anschluss an das Blutgefäßsystem zu finden. Dazu setzen die Tumorzellen Proteine frei, mit denen sie Blutgefäße anlocken, die sie fortan mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Schon lange suchen die Forscher nach Wirkstoffen, die diese verhängnisvolle Neubildung von Blutgefäßen verhindern. Walter Nickel vom Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg erläutert eine neue Strategie, mit der Tumorzellen von der Versorgung abgeschnitten werden können und die sich als Basis für effizient wirkende Medikamente gegen Krebs erweisen könnte.

"Eine Universität für Juristen und von Juristen"

Eine hoch verschuldete, wissenschaftlich unbedeutende Provinzuniversität mit noch nicht einmal 50 Studenten – das war die Ruprecht-Karls-Universität vor 200 Jahren. Wie es innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit gelang, die sterbende Heidelberger Hochschule von ihren alten Zöpfen zu befreien und zu einer lebendigen Lehr- und Forschungsstätte umzuformen, erzählt Klaus-Peter Schroeder von der Juristischen Fakultät. Die erfolgreiche Wiederbelebung der Rechtswissenschaften auf hohem Niveau trug wesentlich zur Attraktivität Heidelbergs als Studienort auch für andere Fächer bei – und so manches von dem, was der Autor aus der Vergangenheit berichtet, mutet in überraschender Weise modern an.

"Diese ungeheure Öde und Kümmerlichkeit" – die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus

Bereits im Sommer 1933 waren zwei entscheidende Weichen gestellt: Mit dem Reichsgesetz zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April begann die erste von drei Entlassungswellen, die vor allem jüdische, aber auch politisch unliebsame Wissenschaftler betraf. Und mit dem im August 1933 verabschiedeten Universitätsgesetz hielt das Führerprinzip Einzug. Was folgte, waren zwölf Jahre – geprägt von Ideologie, Vertreibung und Militarisierung. Für die "Ruperto Carola" sprach Oliver Fink mit den drei Herausgebern des voluminösen Sammelbandes "Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus", den Historikern Wolfgang Eckart, Volker Sellin und Eike Wolgast.

Die dauerhaften Rubriken runden auch das neue Heft der "Ruperto Carola" ab. "Wenn das Herz aus dem Takt gerät – neue Diagnose- und Therapieansätze", ist die Rubrik "junge Forscher" mit ihrem Text von Jörg Zehelein überschrieben. Unter "Meinungen" analysiert der bisherige Prorektor Professor Angelos Chaniotis die aktuelle Lage der Geschichtswissenschaften ebenso wie die Sichtbarkeit der historischen Forschung in der Öffentlichkeit. "Der gesunde, außer-akademische Menschenverstand hat erkannt, was die Forschungspolitik verkennt: Historiker entwickeln keine zur Vermarktung geeigneten Patente – aber sie verändern unsere Denkmuster." Als Fazit fordert Chaniotis mehr Mittel und mehr forschungspolitische Flexibilität für die historische Forschung.

Verlag des Forschungsmagazins ist der Universitätsverlag C. Winter Heidelberg. Ein Einzelheft kostet 5 Euro plus Versand. Es kann, ebenso wie das Förderabo für 30 Euro (vier Ausgaben), bestellt werden bei: Pressestelle der Universität Heidelberg, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg. Kostenlose Ansichtsexemplare früherer Hefte liegen im Foyer der Alten Universität aus. Weitere Informationen und Volltexte früherer Ausgaben: http://www.uni-heidelberg.de/presse/publikat.html



Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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