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31. Juli 2006

Die Professorin hat den Schmerz im Blick

Mit 36 Jahren erhält Rohini Kuner am 1. August ihre Professur

Dr. Rohini Kuner ist dem Schmerzgedächtnis auf der Spur.
Dr. Rohini Kuner ist dem Schmerzgedächtnis auf der Spur.
Foto: Stefan Kresin

Es klappt gerade zum Geburtstagsfest: Mit 36 Jahren wird Dr. Rohini Kuner zum 1. August Professorin für Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Die in Bombay geborene Inderin hat sogar dreifachen Grund zum Feiern: Ihr Ehemann Thomas Kuner erhält gleichzeitig die Professur "Ultrastrukturforschung" am Anatomischen Institut.

Rohini Kuner ist leidenschaftliche Forscherin. Tumorschmerzen sind ihr aktuelles Gebiet, anders als die relativ gut erforschten entzündlichen Schmerzen. "Hier kommt es zu sehr komplexen Reaktionen zwischen Krebszellen und Nervenzellen. Jede Menge neue Moleküle sind da mit im Spiel." Natürlich ist das Grundlagenforschung. Für Schmerzpatienten, die sie häufig per E-Mail um Rat fragen, hat sie keine Tipps. "Ich kann nichts für sie tun. Ich kann sie nur an Schmerzkliniken oder spezialisierte Ärzte verweisen." Ihre Aufgabe ist es, die Grundlagen für Schmerzentstehung und Schmerzleitung zu verstehen, damit neue Ansätze für wirksame Arzneien gefunden werden können.

Das ist ihrer Arbeitsgruppe in Heidelberg schon zweimal gelungen. Sie hat gezeigt, dass ein bestimmtes Molekül in den Nervenzellen des Rückenmarks wesentlich zur Entwicklung chronischer Schmerzen beiträgt. Und sie hat entdeckt, dass das "Homer-Protein 1a" Schmerzreize im Rückenmark zu unterbinden versucht. Vielleicht lässt sich auf dieser Grundlage ein Medikament entwickeln, das das Schmerzgedächtnis des Körpers auslöscht? Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen und Schmerzen, die sich unabhängig von der Ursache verselbstständigt haben, wären dankbar.

Als Professorin kann Rohini Kuner, die für ihre Forschungen im Februar den mit 100 000 Euro dotierten Chica- und Heinz-Schaller-Förderpreis erhielt, nun mehr Mittel einwerben. Außerdem kann sie risikoreichere Projekte beginnen, die längere Zeit in Anspruch nehmen und wissenschaftlich mehr bringen. Diese Sicherheit des Arbeitsplatzes schätzt sie jetzt sehr. Und weil es ihr in der Stadt am Neckar seit Jahren so gut gefällt und ihr Mann gleichzeitig eine Professoren-Stelle bekam, lehnte sie auch einen Ruf nach Marburg ab.

"Heidelberg bietet mir alle Möglichkeiten für die Forschung", sagt Rohini Kuner. Schon als "Postdoc" in den USA wollte sie ganz dringend zu Professor Peter Seeburg wechseln, damals im Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. "Ein großer, berühmter Mann und ich eine kleine Wissenschaftlerin, die keine Ahnung von Molekularbiologie hatte." Sie schaffte es und ging mit ihm auch an das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung. Dann verfiel sie dem Charme eines Start-up-Unternehmens: Bei BASF-Lynx beschäftigte sie sich zwei Jahre lang mit neuesten Technologien in der Epilepsieforschung. Über ein Emmy-Nöther-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft kam sie vor sechs Jahren an das Pharmakologische Institut von Professor Stefan Offermanns, von dem sie und ihre junge Forschergruppe sich bestens unterstützt fühlen.

Begeistert ist Rohini Kuner, die vor zehn Jahren noch kein Wort Deutsch sprach, von ihrer neuen Heimat. Von den wissenschaftlichen Möglichkeiten sowieso, von der guten Luft ("Ganz anders als in den indischen Städten"), von der Kultur und den Familienwerten. Da seien sich Indien und Deutschland ähnlich, ganz anders als Amerika, wo sie in Iowa als Doktorandin lebte. "Amerika blieb mir fremd, obwohl das tägliche Leben dort sehr einfach ist."

Die Gelassenheit, die den Indern über viele tägliche Mühsal hinweghilft, blieb ihr auch in Deutschland erhalten: "Ich mache mir nicht so viel Stress wegen Kleinigkeiten." Den Haushalt führt sie aber wie eine Deutsche: "Da lacht mein Mann immer." Zum Haushalt gehört auch der fünfjährige Sohn Rohan. Natürlich haben Professoren-Eltern nicht so viel Zeit. Tagsüber ist Rohan in der Kindertagesstätte und wird von einem Au-pair-Mädchen betreut. Aber Vater oder Mutter versuchen abwechselnd, abends mal früher nach Hause zu gehen und von dort weiterzuarbeiten.

Für sich hat Rohini Kuner kaum noch Zeit. Schwimmen, Fahrradfahren, Badminton, Tennis, alles, was sie erst in Deutschland gelernt hat, muss jetzt zurückstehen. Als Leseratte kann sie sich vielleicht noch im Urlaub in Indien ausleben, wenn der Sohn dies zulässt – und die Eltern und Geschwister, die sehr stolz auf ihre erfolgreiche Forscherin in Deutschland sind.

Birgit Sommer



Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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