zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

24. März 2006

Wozu ist ein Wörterbuch des Altfranzösischen notwendig?

Redakteure der Kinder-Uni machten sich im Romanischen Seminar der Universität über das Altfranzösische Wörterbuch schlau

Logo KinderUni

Wörterbücher gibt es in den verschiedensten Arten. Sei es als Fremdwörterbuch, um die Bedeutung des Wortes "Furt" zu erklären, oder als Herkunftswörterbuch, um nachzuschlagen, wo etwa das Wort "Abenteuer" herstammt. Wie ist das aber mit Sprachen, die längst nicht mehr gesprochen werden? Um das zu erfahren, informierten sich die Jung-Redakteure der Kinder-Uni im Netz, dem wissenschaftsjournalistischen Gemeinschaftsprojekt von Rhein-Neckar-Zeitung und Ruprecht-Karls-Universität, im Romanischen Seminar. Schließlich wird dort an einem Wörterbuch des Altfranzösischen, dem Dictionnaire étymologique de l'ancien français (DEAF) gearbeitet.

"Altfranzösisch wurde im Mittelalter gesprochen", erklärte Dr. Stephen Dörr. Dass Französisch zu den Romanischen Sprachen gehört und mit dem Lateinischen verwandt ist, war den kleinen Journalisten längst klar, denn viele von ihnen haben Latein in der Schule. Altfranzösisch ist wie Althochdeutsch ein Vorgänger der heute gesprochen Sprachen. Aber wozu ist ein Wörterbuch des Altfranzösischen notwendig? "Um die alten Dokumente zu verstehen, und das ist beispielsweise für die Geschichtsforschung wichtig", gab Stephen Dörr zur Antwort.

Altfranzösisch war im Mittelalter übrigens keine exotische Sprache sondern neben dem Lateinischen die damals wohl wichtigste Sprache überhaupt. Immerhin gibt es heute noch etwa 20 000 Texte in Altfranzösisch. In Althochdeutsch oder auch in dem im Mittelalter gesprochenen Englisch ist nur ein Bruchteil davon als Texte erhalten. Die alten Texte stellen auch die Grundlage für die Erstellung des altfranzösischen Wörterbuchs dar; sie erzählen von Kreuzzügen, Reisen, Liebe und anderen alltäglichen Dingen, beispielsweise auch vom Kochen. "Wir haben auch schon einmal eines der Rezepte nachgekocht", erzählte Stephen Dörr. Sogleich räumte Professor Frankwalt Möhren auch mit dem Vorurteil auf, dass die Menschen im Mittelalter sehr dreckig gewesen seien. "Beim Essen gab es auch Benimmregeln, wie etwa zum Putzen der Nase nicht das Tischtuch zu benutzen", betonte der Leiter der Forschungsstelle am Romanischen Seminar.

Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich meistens schon aus dem Vergleich mit dem Lateinischen. "Im Lateinischen bedeutet ,ciconia' Storch", erklärte Sabine Tittel, ebenfalls Redakteurin des Langzeitprojektes der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Außerdem sind in den alten Büchern wunderbare Zeichnungen vorhanden; dort, wo das altfranzösische Wort ,cigogne' steht, ist auch ein Storch abgebildet. Und doch scheint damit nicht immer ein Storch gemeint zu sein. So gibt es einen Text, in dem mit einem ,cigogne' Wasser aus dem Brunnen geschöpft wird, und in einem anderen Text wird mit 'cigogne' eine Burgmauer erklommen. Somit steht dieses Wort auch für ein Schöpfgerät und für eine Art Kran.

Außerdem wird es ganz unterschiedlich geschrieben, da gibt es beispielsweise die Versionen ciguigne, cegoigne, cyoigne oder cycoingne. All das halten die Mitarbeiter von Frankwalt Möhren auf Zetteln fest. Mittlerweile gibt es 1,3 Millionen dieser Zettel, und sie sind alle in Karteikästen in einem Raum untergebracht. Natürlich alphabetisch geordnet, sonst ließe sich ja nichts wiederfinden. Die Informationen auf den Zetteln werden dann in das eigentliche Wörterbuch übertragen. Derzeit werden die Buchstaben J und K fertiggestellt. Angefangen wurde das "Dictionnaire étymologique de láncien francais" allerdings nicht beim Buchstaben A, sondern mit dem G. "Beim G gibt es nämlich die meisten Einträge", erläutert Stephen Dörr, und deshalb ist das G auch ein dicker Wälzer.

Stefan Zeeh



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg