zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

14. Dezember 2005

Ästhetische Zeitenwende in den Achtzigern

Michaela Kopp-Marx: "Zwischen Petrarca und Madonna. Der Roman der Postmoderne"

Es gibt wohl nur wenige Epochen oder geistig-kulturelle Bewegungen, die sich so schwer definieren lassen wie die Postmoderne. So kann man diese mittels ihrer Zurückweisung der Moderne charakterisieren, aber auch die Meinung vertreten, die Postmoderne sei die Vollendung der Moderne. Selbst in der zeitlichen Definition tut man sich trotz jahrzehntelanger Bemühungen von Historikern, Philosophen und Soziologen um eine definitive Bestimmung schwer – auch wenn klar ist, dass sich die Postmoderne, seit ihren Anfängen in den sechziger Jahren, zu einem Alltagsphänomen der Achtziger entwickeln konnte, das sich in Mode, Architektur, Kunst – und eben auch in der Literatur – offen zeigte.

Denn mit den achtziger Jahren kam es zu einer regelrechten ästhetischen Zeitenwende: Zumindest über diese Tatsache herrscht Einigkeit, wo ansonsten die "Postmoderne" von manchem zu jenen Begriffen gezählt wird, gegen die "ein Wackelpudding das ideale Muster an Standfestigkeit" darstellt.

Die Heidelberger Literaturwissenschaftlerin Michaela Kopp-Marx, die als Privatdozentin am Germanistischen Seminar tätig ist, nähert sich der schillernden Postmoderne über ihr eigentliches Paradigma – die Kunst, genauer: den Roman. Dabei bemüht sie sich in ihrer anspruchsvollen Abhandlung, die Postmoderne als eine relevante ästhetische Bewegung ernst zu nehmen. In diesem Zusammenhang lässt sie die Werke selbst zu Wort kommen, ohne jedoch darauf zu verzichten, einen gesamtepochalen Kontext herzustellen, in dem die Vielfalt gegenwärtiger Kunstproduktion in Literatur, Malerei, Film und Architektur erzählend eingeordnet wird.

Die Sehnsucht der "Generation Golf"

Auf über 300 Seiten bearbeitet die Autorin das umfangreiche Terrain zwischen Hochkultur sowie Massenunterhaltung und versprüht mitunter den nostalgischen Hauch der achtziger Jahre, die inzwischen selbst den Charakter einer "guten alten Zeit" angenommen haben, nach der sich nicht wenige Mitglieder der "Generation Golf" zurücksehnen.

Ein gutes Beispiel ist hier der von Michaela Kopp-Marx angesprochene Süskind-Roman "Das Parfum", der eine Mischung aus Historien- und Kriminalroman darstellt und nach seinem Erscheinen 1985 gebildete Leser wie die breite Masse zu begeistern vermochte. Dass sich Patrick Süskind bei seiner Arbeit freizügig bei anderen Autoren bediente, tat dem Erfolg keinen Abbruch. "Süskinds Werk besteht ausschließlich aus fremden Texten, die zu einer Decke aus einzelnen Flicken zusammengenäht sind, und die einzelnen Teile werden so zu einem neuen Ganzen vereinigt, dass die Nahtstellen nicht mehr sichtbar sind. Pastichiert werden Vorlagen aus der Literatur der Romantik, des Symbolismus und Ästhetizismus, Märchen wie das vom Froschkönig, die Kaspar-Hauser-Legende, der Prometheusmythos, Bilder Caspar David Friedrichs und die Philosophie Nietzsches in Gestalt von direkten, camouflierten oder fragmentierten Zitaten und stilistischen Nachahmungen."

Dass die Autorin bei aller Ernsthaftigkeit des Themas einen erfrischend ironischen Stil pflegt, macht die Lektüre zu einem Lesevergnügen – trotz der hohen Informationsdichte, die einem in diesem Buch entgegenschlägt. Am Ende jedoch gelingt Michaela Kopp-Marx, die sich ausführlich mit den typischen Themen, Lektüren, Moden oder ästhetischen Strategien der Postmoderne auseinander setzt, ein vernünftiges Plädoyer bezüglich des schwierigen Phänomens der Postmoderne. Anstatt diese nämlich als Stil oder Epoche zu werten, solle man sie lieber als eine Haltung gegenüber den Dingen ansehen. Und das ist ein gelungener Definitionsvorschlag.

Heiko P. Wacker

Michaela Kopp-Marx: "Zwischen Petrarca und Madonna. Der Roman der Postmoderne". C. H. Beck Verlag, München 2005. 336 S., 24 Abb., broschiert. ISBN 3-406-52968-2, 22,90 Euro.



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg